Bergische Wirtschaft

Wissen erwerben, behalten und erweitern

Prof. Arne Röttger sieht sich und seinen Fachbereich als Ansprechpartner für die bergische Industrie.
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Prof. Arne Röttger sieht sich und seinen Fachbereich als Ansprechpartner für die bergische Industrie.
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Arne Röttger, Professor für neue Fertigungstechnologien und Werkstoffe, ermutigt Firmen zu mehr Zusammenarbeit.

Von Björn Boch

Bergisches Land. Arne Röttger legt viel Wert auf Forschung. Sein Ziel: Wissen für industrielle Anwendungen nutzbar machen. „Die Industrie nennt uns Probleme und wir werden aktiv“, sagt der 39-jährige Professor. Angetreten ist er vor rund eineinhalb Jahren mit dem Anspruch, „eine Anlaufstelle für die Probleme der bergischen Industrie“ zu sein. Das klappte schnell gut und immer besser.

Arne Röttger leitet den Lehrstuhl für Neue Fertigungstechnologien und Werkstoffe (FUW) der Bergischen Universität Wuppertal im Solinger Südpark. Von Hause aus ist er Werkstofftechniker. Neben der „Werkstoffauswahl vom Hammer bis zum Wasserstoff-Speichersystem“ treiben ihn Themen wie Materialentwicklung, Wärmebehandlung, Schadensanalysen und additive Fertigung – 3D-Druck – um.

Ein Riesenthema sei Ressourcen-Effizienz. „Viele Firmen wissen das, wissen aber nicht genau, welche Hebel sie umlegen müssen“, sagt Röttger. Ähnlich sei es bei der Suche nach Alternativen für Stoffe, die eine schlechte Umweltbilanz (Chrom 6) besitzen, kaum verfügbar sind (Seltene Erden) oder teils durch Kinderarbeit (Kobalt) gewonnen werden. „Die müssen nach und nach ersetzt werden – auch wenn einige da derzeit noch nach dem Vogel-Strauß-Prinzip vorgehen.“ Arne Röttger und sein Team können und wollen helfen. „Wenn wir mit Unternehmen sprechen, kommt meist schnell etwas Gutes dabei heraus“, betont der Lehrstuhlinhaber.

„Wenn wir mit Unternehmen sprechen, kommt meist schnell etwas Gutes dabei heraus.“

Prof. Arne Röttger

Der Ingenieur ermutigt die bergischen Firmen zu mehr Zusammenarbeit. Es gehe darum, Know-how zu erwerben, zu behalten und zu erweitern. „Metall umformen und einen Griff daran zu befestigen ist zwar auch Know-how, aber das können andere auch – und im Zweifel billiger.“ Es sei an den Unternehmen, die Köpfe zusammenzustecken und Lösungen zu erarbeiten, gerne mit der Bergischen Universität als Partner. Beispiel Oberflächenbeschichtung: Das sei komplex – und Maschinen teuer. „Das kann eine Firma für viele machen“, ist Röttger überzeugt. Auch da gehe es um Energie- und Ressourceneffizienz.

Das Thema Umwelt ziehe sich durch alle Bereiche, die Vorlesung „Werkstoffe und Nachhaltige Entwicklung“ ist im Masterstudiengang Maschinenbau längst fest verankert. „Ressourcenverbrauch und Wohlstand sind direkt gekoppelt“, betont Röttger. Viel wichtiger als Verbote seien zukunftsfähige technische Lösungen und deren Nutzung. „Diese Lösungsansätze können unter anderem kluge Köpfe wie gut ausgebildete Ingenieure liefern. Das ist eine Arbeit, die sehr sinnstiftend ist.“

So gelte es etwa, Werkstoffe zu entwickeln, damit Turbinen heißer laufen und effizienter arbeiten können. Oder Produkte zu entwickeln aus Spanmaterial, das ohnehin anfällt. „Auch wichtig wird die Frage, was wir mit einem Produkt machen, das am Ende seiner Lebensdauer ist. Kann man es wiederverwenden, ein anderes Produkt daraus machen? Das muss bei der Herstellung schon mitgedacht werden.“ Stichwörter: recycle (wiederverwerten), reduse (reduzieren), reuse (wiederverwenden).

Arbeitslose Ingenieure gebe es quasi keine – Firmen suchten händeringend, nachdem einige lange die Augen vor dem Fachkräftemangel verschlossen hätten. Was es braucht fürs Maschinenstudium? „Bock reicht eigentlich. Und man muss ein Ziel vor Augen haben“, sagt Röttger. Begeisterung für Technik, Informatik und Physik sei hilfreich, mit einer 5 in Mathe werde es sicher nichts. „Ich war aber selbst nicht der Mathe-Überflieger. Als ich dann gesehen habe, wofür ich es verwenden kann, wurde es schnell klar.“

FUW und Wissenschaftsladen

Wila: Am Lehrstuhl für Neue Fertigungstechnologien und Werkstoffe (FUW) – Bahnhofstraße 15 im Solinger Südpark – gibt es einen Wissenschaftsladen (Wila), der anschaulich zeigt, wie Wissenschaftler Spielplätze sicherer machen oder wie bei der Fertigung von Maschinenmessern Material gespart wird. Infos und Anmeldung: Tel. (02 12) 2 31 34 01 10 oder wila@uni-wuppertal.de

Video: Ein Erklärvideo aus dem Wissenschaftsladen mit Dr.-Ing. Michael Blüm, Oberingenieur am FUW-Lehrstuhl, finden Sie bei uns im Internet: www.rga.de

Ausbildung: Gene Möltgen hat Anfang August seinen Ausbildungsplatz zum Werkstoffprüfer der Fachrichtung Metalltechnik am FUW angetreten – eine Premiere für den Lehrstuhl.

www.fuw.uni-wuppertal.de

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