Ausbildungsmarkt

Weniger Stellen und noch weniger Bewerber

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Auch der Ausbildungsmarkt leidet unter Corona – Digitale Zugangswege sollen helfen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ähnlich wie der ganze Arbeitsmarkt leidet auch der Ausbildungsmarkt unter Corona. Alle wesentlichen Zahlen, Stellen, Bewerber und abgeschlossene Verträge seien im vergangenen Jahr zurückgegangen, sagt die Agentur für Arbeit. Nun möchte man mit den Partnern des bergischen Ausbildungskonsens vermehrt auf digitale Angebote setzen, um Jugendliche und Betriebe zu erreichen.

So zählte die Arbeitsagentur im vergangenen September 735 Ausbildungsstellen in Remscheid, mehr als zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Bewerber ging gar um fast ein Viertel zurück auf 658. „Wir hatten befürchtet, dass das noch schlechter ausfällt“, sagt Martin Klebe, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Doch auch so sind die Daten alarmierend.

„Ich befürchte, dass einige einfach zu Hause geblieben sind.“
Martin Klebe, Arbeitsagentur, über die fehlenden Bewerber

Zumal IHK und Kreishandwerkerschaft, beide Partner im Ausbildungskonsens, auch deutlich gesunkene Zahlen bei den tatsächlich abgeschlossenen Verträgen zu verzeichnen hatten. Bis zum Jahresende waren es bei der IHK 2033 und damit 11,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor, im Handwerk fiel der Wert um rund 15 Prozent auf 167. „Dabei war das Vorjahr schon auf einem recht überschaubaren Niveau“, sagt Fred Schulz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Eigentlich bräuchten die Remscheider Handwerksbetrieb nämlich ungefähr 220 frische Azubis jedes Jahr.

Während der Rückgang der angebotenen Stellen durch die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen leicht erklärbar ist, ist das Ausbleiben der Bewerber für die Experten ein größeres Rätsel. „Wir wissen es im Zweifel auch nicht, wo die geblieben sind“, gibt Carmen Bartl-Zorn, zuständige Geschäftsführerin bei der Bergischen IHK, zu. Vermutlich seien einige Jugendliche in diesen unsicheren Zeiten weiter zur Schule gegangen. „Ich befürchte auch, dass einige einfach zu Hause geblieben sind, warum auch immer“, sagt Martin Klebe. Nun gehe es darum, die zu erreichen. „Denn der Bedarf ist ja da.“

Der parallele Rückgang von Stellen und Bewerbern bringt den Markt nämlich nicht ins Lot. Nach wie vor herrscht in vielen Bereichen Fachkräftemangel, die Firmen müssen ausbilden. Und die Jugendlichen, die dem Ausbildungsmarkt eigentlich zur Verfügung stehen könnten, derzeit aber eine andere Lösung haben, müssen unter Umständen später noch versorgt werden.

Denn diese junge Menschen sind grundsätzlich noch da, haben sich bisher aber noch als Bewerber registrieren lassen. Wohl auch wegen der pandemiebedingten Einschränkungen in den Schulen. Ohne regelmäßigen Kontakt zu Beratungslehrern, Praktika, Besuchen von Ausbildungsbotschaftern und ähnlichen Angeboten falle es vielen schwerer, sich für eine Ausbildung zu entscheiden und diese auch anzugehen, glauben die Fachleute des Ausbildungskonsens.

Deswegen suche man nun verstärkt nach digitalen Zugangswegen, berichtet Kirsten Roth, Geschäftsführerin Operativ bei der Arbeitsagentur. Unter anderem mit der AzubiWelt-App fürs Smartphone und Beratungsgesprächen per Video-Chat. Die Videokommunikation habe zwar noch ein paar Kinderkrankheiten und auch Akzeptanzprobleme, biete im Gegensatz zum Telefon aber den Vorteil, dass man auch etwas zeigen könne. Hinzu kommt das Selbsterkundungstool Check-U, mit dem Jugendliche, den für sie richtigen Beruf finden können.

IHK und Handwerkskammer haben ihre Azubi-Events ins Netz verlegt und bieten zudem Programme an, bei denen Berater gezielt Unternehmen und passende Bewerber zusammenbringen. Außerdem ist eine Postkartenaktion geplant. Die Karten sollen mit den Halbjahreszeugnissen verteilt werden und Schüler aufs Thema Ausbildung aufmerksam machen. Noch ist allerdings nicht geklärt, wann und wie die Zeugnisse überhaupt ihren Weg zu den Schülern finden.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Förderprogramm

Firmen, die trotz Corona-Folgen weiter und sogar noch mehr ausbilden, können Prämien erhalten. Acht Remscheider Unternehmen haben bisher die Ausbildungsprämie für den Erhalt ihrer Ausbildungsplätze erhalten, zeigen Zahlen der Agentur für Arbeit. 17 Firmen haben sogar die Ausbildungsprämie plus bekommen, sie haben die Zahl ihrer Stellen also erhöht.

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