Energieträger

Wasserstoff: Zwischen Hoffnung und offenen Fragen

Stephan A. Vogelskamp ist der Geschäftsführer von Automotiveland NRW. Der Verein hat einen Wasserstoffgipfel initiiert. Archivfoto: Christian Beier
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Stephan A. Vogelskamp ist der Geschäftsführer von Automotiveland NRW. Der Verein hat einen Wasserstoffgipfel initiiert.

Das Bergische Land kann recht gelassen beobachten, welche Rolle der Energieträger zukünftig spielt

Bergisches Land. Es ist eine Schlüsseltechnologie für eine der deutschen Schlüsselindustrien: Wasserstoff. Mehr als 150 nordrhein-westfälische Vertreter von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft tauschten sich in dieser Woche über die Chancen aus, die der Energieträger bietet. Von der Resonanz auf das Gipfeltreffen war Stephan A. Vogelskamp „vollkommen überwältigt“. „Das zeigt das Bewusstsein für die Klimaproblematik und die Sorge der Betriebe, eine entscheidende Entwicklung zu verpassen“, sagte der Geschäftsführer von Automotiveland NRW (| Kasten). Der Verein mit Sitz in Solingen war einer der Initiatoren der Veranstaltung.

Der Auftrag dafür kam vom NRW-Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie. Beim dortigen Zuliefererdialog äußerten die Unternehmen den Wunsch, sich stärker über das Thema auszutauschen. Die denkbaren Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, wie Staatssekretär Christoph Dammermann unterstrich: „Entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Wasserstoff bieten sich zahlreiche Chancen für innovative Unternehmen, denn es werden neue Produkte und Lösungen benötigt.“

Doch neben diesen positiven Aussichten gibt es noch einige offene Fragen. Da ist zum Beispiel eine Debatte, die Stephan A. Vogelskamp als „Farbenlehre“ beschreibt. Es gibt Stimmen, die fordern, zunächst verstärkt auf „grauen Wasserstoff“ zu setzen, der aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, um das Thema in Schwung zu bringen. Wenn sich die Strukturen dafür jedoch verfestigt haben, befürchtet die Gegenseite, könnte der Umstieg auf CO2-neutralen Wasserstoff vielerorts zum Problem werden.

„Da kommen vor der Bundestagswahl einige Grundsatzdebatten auf uns zu.“

Stephan A. Vogelskamp, Automotiveland NRW

Ebenfalls unklar ist, inwieweit der Energieträger hierzulande hergestellt oder doch importiert werden soll. „Da kommen vor der Bundestagswahl einige Grundsatzdebatten auf uns zu“, prognostiziert Vogelskamp. Dabei wird es wohl auch um die nötige Infrastruktur gehen. Denn Bedarf dürften in Zukunft mehrere Branchen anmelden. Seit dem vergangenen Jahr sind in Wuppertal etwa Wasserstoffbusse im Einsatz. Große Potenziale sieht Vogelskamp auch für den Schwerlastverkehr: „Wenn es darum geht, große Lasten über weite Strecken zu transportieren, könnte Wasserstoff eine gute Alternative sein.“

Bei der Frage, inwieweit das auch für den motorisierten Individualverkehr zutrifft, mag sich der Wirtschaftsförderer nicht festlegen. „Da zeigt die Branche aktuell ein Fieberkurvenverhalten – es könnte Überraschungen geben.“ Deshalb rate man der Politik auch, den laufenden Prozess offen anzugehen, sich nicht auf eine Technologie festzulegen.

Die Betriebe im Bergischen Land könnten diese Entwicklung recht gelassen beobachten, betont Vogelskamp. Anders als etwa in Südwestfalen, wo viele Arbeitsplätze im Automotive-Bereich vom Verbrennungsmotor abhängen, sind in der Region viele Unternehmen auf Bauteile spezialisiert, die nicht unmittelbar von der Antriebsart abhängig sind. Dass der Solinger Verein Automotiveland NRW beim Thema Wasserstoff trotzdem eine Art Libero-Funktion einnehme, verbessere die Position für das Bergische zusätzlich.

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