Firma Wurm besteht seit 150 Jahren

Von der Sägenfabrik zum Technologieführer

In der Produktion der Firma Wurm am Klemmleisten-Bestückungsautomat: Horst Peter Wurm (r.) und Gianluca di Lieto.
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In der Produktion der Firma Wurm am Klemmleisten-Bestückungsautomat: Horst Peter Wurm (r.) und Gianluca di Lieto.
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Der Umsatz ist seit 1985 von 500.000 auf rund 60 Millionen Euro gewachsen.

Von Andreas Weber

Remscheid. „Eigentlich wollte ich nicht ins elterliche Unternehmen eintreten“, erklärte Horst Peter Wurm. In einem Interview zum 150. Jubiläum der Firma Wurm, veröffentlicht in der Hauszeitschrift „Fresh Up“ Anfang 2022, gestand der Firmenchef: „Da es der deutschen Wirtschaft Anfang der 1980er Jahre nicht gut ging und der Schaltschrankbau Verluste gemacht hatte, bat mich mein Vater eindringlich, mit meinen Elektronikkenntnissen etwas Neues zu versuchen.“ Freimütig räumt Wurm in dem persönlichen Rückblick ein: „So stieg ich mit Anfang 30 ein, ohne konkreten Plan, aber mit vielen Ideen.“

Nach einem Elektrotechnik-Studium in Aachen und Promotion über Hochleistungswechselrichter in Wuppertal sah Peter Wurm seine Zukunft eigentlich in der Inverterentwicklung. Stattdessen trieb er als die vierte Generation im Unternehmen Wurm den bemerkenswerten Transformationsprozess einer alteingesessenen bergischen Fabrikation voran.

1872 begann die lange Firmenreise mit einer Sägenfabrik in der Kratzberger Straße, gegründet von Gustav Wurm. Auf dessen Söhne Gustav und Paul folgte Peters Vater Herbert. Die Firma hatte zwar mit Ach und Krach den Krieg überstanden, aber keine spezielle Technologie, um gegen den Konkurrenzdruck durch Sägenhersteller im In- und Ausland zu bestehen. „In der Folge arbeitete mein Vater mit einem Freund in der Ecke der Sägenfabrik daran, erste Baustellenverteiler zu bauen“, erinnert sich Peter Wurm. Es war der Beginn des Schaltanlagenbaus, der das Familienunternehmen wieder nach vorne brachte. Mit der Entwicklung von Regelsystemen und Überwachungssoftware Mitte der 1980er Jahre ging es stetig bergauf.

Das Unternehmen hatte sich Schuldenfreiheit auf die Fahne geschrieben, wirtschaftete sparsam, profitierte anfangs von dem großen Erfolg in der Schweiz, wo 1986 die ersten Supermärkte mit den neuen Mikroprozessorenreglern ausgestattet worden waren und 1989 die erste Datenfernübertragung vom Zürichsee in die Zentrale der Migros (eine Schweizer Handelskette) führte. In den 2000er Jahren verteilte sich Wurm inzwischen auf fünf verschiedene Standorte in Remscheid, bevor es 2009 in einem Neubau mit 6000 Quadratmetern in der Morsbachtalstraße 30 heimisch wurde. Ob sich Umzug, Vergrößerung und Personalerweiterung rechnen würden, war völlig offen. „Wir sind mitten in der Wirtschaftskrise eingezogen und das hat uns viele schlaflose Nächte bereitet.“

Heute ist das Unternehmen im Morsbachtal zu einem Technologieführer auf dem europäischen Markt im Management von Kälte- und Gebäudetechnik für den Lebensmittelhandel geworden, liefert Schaltschränke, Mess- und Regeltechnik. Horst Peter Wurm, Jahrgang 1952, dachte auch mit zunehmendem Alter strategisch. „Mit 60 Jahren war für mich klar, die Führung binnen fünf Jahren in andere Hände zu legen.“

Kaufangebote von Mitbewerbern und Finanzinvestoren gab es genug. Wurm beunruhigten diese eher, als sie eine Verlockung darstellten. „Es ging mir nie ums Geld, ich wollte die Zukunft des Unternehmens und die Arbeitsplätze langfristig sichern.“

„So stieg ich mit Anfang 30 ein, ohne konkreten Plan, aber mit vielen Ideen.“

Horst Peter Wurm

Eine familieninterne Lösung gab es nicht, 2018 holte Horst Peter Wurm die Firma Bitzer ins Boot. Das Sindelfinger Unternehmen ist einer der weltweiten Player bei Kältekompressoren mit 4000 Mitarbeitern in 60 Ländern. Wurm verkaufte die Mehrheit von 51 Prozent, die restlichen Anteile hält er selber. Aus dem operativen Geschäft hat sich Wurm zurückgezogen, Geschäftsführer der Holding blieb er.

Für das Maß an Unabhängigkeit, auf das der 70-Jährige Wert legt, spricht, dass sein Unternehmen mit Jean Bartko, Peter Oleszak und Gianluca di Lieto von Geschäftsführern aus den eigenen Reihen geführt wird – die schwäbische Mutter ist damit sehr zufrieden. Di Lieto spricht davon, dass man in einer überschaubaren Branche mit Bitzer einen Partner gefunden habe, der „die gleiche Sprache wie wir spricht“.

Durch die Pandemie kam Wurm ohne größere Blessuren. „Schlimmer als Corona war für uns die Verknappung der Bauteile. Mit äußerster Kraftanstrengung und durch Zahlung sehr hoher Preise für Bauteile haben wir es geschafft, dass keine Markteröffnung wegen uns verschoben werden musste. Das wäre eine Katastrophe gewesen.“

Im Jahr des Jubiläums zählt Wurm fast 300 Mitarbeiter in Remscheid, die Hälfte in der Produktion. Weitere 20 sind in der Nähe von Luzern in der Schweiz beschäftigt, acht Mitarbeiter in Österreich, zwei Kollegen in den Niederlanden, zudem gibt es Büros in Bochum und Köln.

Unbedarft trat Horst Peter Wurm damals ins Geschäft. 1985 hatte der Betrieb 13 Mitarbeiter und erzielte 500 0000 Euro Umsatz. Heute erreichen die 290 Kollegen die Schwelle von 60 Millionen Euro. Auch im steten Wachstum hat seine Philosophie Bestand: „Wir müssen gut verdienen und Gewinne reinvestieren – in die Entwicklung und das Wachstum. So haben wir stets in erstklassige Arbeitsbedingungen wie Mess- und Produktionstechnik investiert statt in luxuriöse Büros und Autos“, betonte Wurm in der Hauszeitschrift „Fresh Up“.

Jubiläumsfeiern

Im Rampenlicht zu stehen, ist nicht seine Art, sagt Horst Peter Wurm. Das Interview mit Horst Kläuser auf der Bühne im Teo Otto Theater über sein Unternehmerleben war deshalb etwas Besonderes. Am 16. Oktober feierte die Firma dort mit 150 geladenen Gästen. Im Sommer hatten alle Mitarbeiter mit ihren Familien auf dem Firmenparkplatz im Morsbachtal auf die 150 Jahre angestoßen.

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