Engagement

Mit viel Erfahrung durch die Corona-Krise

Wirtschaftssenioren bei der Arbeit: Norbert Gober (gr. Foto, r.) im Gespräch mit Tobias Bunse, Geschäftsführer von Kähler Amaturen in Burscheid.
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Wirtschaftssenioren bei der Arbeit: Norbert Gober (gr. Foto, r.) im Gespräch mit Tobias Bunse, Geschäftsführer von Kähler Amaturen in Burscheid.

Wirtschaftssenioren bieten kostenfreies Unternehmergespräch an.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Wenn Peter Wilhelmi von den Wirtschaftssenioren über mögliche Probleme bei mittelständischen Unternehmen spricht, fallen ihm zahlreiche Themen ein. Veraltete Geschäftsmodelle zum Beispiel, Inhaber, die nicht teilen und delegieren können, mangelhafte Kommunikation und fehlendes Marketing. All das und noch mehr habe es schon vor der Pandemie gegeben, sagt Wilhelmi. „Und dann kam Corona.“ Die aktuelle Krise wirke wie ein Brandbeschleuniger, viele Unternehmen könnten ohne Hilfe in Schieflage geraten. Die Wirtschaftssenioren wollen dem etwas entgegensetzen.

Schon seit Jahren bieten die ehemaligen Unternehmer und Führungskräfte ihr Wissen und ihre Erfahrung an. Ursprünglich sei das für Firmengründer gedacht gewesen, berichtet Wilhelmi. „Aber mittlerweile hat sich das komplett gedreht.“ Heute unterstützen die Wirtschaftssenioren vor allem kleine und mittlere Unternehmen. In Zeiten von Corona mit einem speziellen Angebot, dem Unternehmergespräch.

„Die hoffen alle, dass der Kelch an ihnen vorüber geht.“ 

Peter Wilhelmi über Unternehmer in der Corona-Krise

Mit diesem kostenfreien Erstgespräch wollen die Wirtschaftssenioren den Firmen der Region ein möglichst niederschwelliges Angebot machen.

Zehn Mitglieder hat die regionale Gruppe, darunter auch Peter Wilhelmi.

Denn Hilfe in Anspruch zu nehmen, falle viele Unternehmenslenkern immer noch schwer, sagt Dierk Kowalke, wie Wilhelmi Mitglied der regionalen Gruppe. Und daran habe die aktuelle Krise bisher wenig geändert. „Nur fünf bis zehn Prozent der Firmen werden wegen Corona keine Probleme bekommen“, prophezeit Kowalke. Viele Unternehmer sähen das auch. „Aber die denken, dass sie das in den Griff bekommen.“ Eine Einschätzung, die Wilhelmi teilt: „Die hoffen alle, dass der Kelch an ihnen vorüber geht. Das wird aber nicht der Fall sein.“

Dabei könne ein Blick von außen sinnvoll sein, sind Wilhelmi und Kowalke überzeugt. Und das möglichst nicht erst, wenn es zu spät ist. Doch nicht jede Firma könne oder wolle sich eine Beratung mit hohen Stundensätzen leisten, sagt Peter Wilhelmi. Die Wirtschaftssenioren hingegen nehmen nur eine Aufwandsentschädigung. Und ziehen die Beratung nicht unnötig in die Länge.

Zehn Mitglieder hat die regionale Gruppe, darunter auch Dierk Kowalke.

„Wir kommen schneller auf den Punkt“, formuliert es Dierk Kowalke. Nicht der einzige Vorteil, den die beiden Wirtschaftssenioren in ihrem Modell sehen. „Wir können auch einfach die Wahrheit sagen“, ergänzt Peter Wilhelmi. Denn man sei nicht darauf angewiesen, jemanden „Honig um den Mund zu schmieren, um den Auftrag zu behalten“.

Zehn Mitglieder hat die regionale Gruppe der Wirtschaftssenioren, neun Männer und eine Frau. Jeder bringe spezielle Erfahrungen und spezielles Fachwissen mit. Peter Wilhelmi zum Beispiel, ehemalige Führungskraft bei Bayer in Leverkusen, kennt sich mit Vertriebskonzepten aus. Dierk Kowalke, früher in der Unternehmenskommunikation des Metro-Konzerns tätig, wiederum kümmert sich unter anderem um PR. Andere sind Spezialisten für Controlling, Sanierung, Rechnungswesen oder Digitalisierung.

Und das aus eigener Berufserfahrung, wie Wilhelmi betont: „Wir sind keine Theoretiker, jeder von uns hat das in seinem Berufsleben auch wirklich gemacht.“ Um jeweils vom Wissen der anderen profitieren zu können, arbeiten die Wirtschaftssenioren teilweise in Teams und tauschen sich regelmäßig aus.

Dabei erfüllen Wirtschaftssenioren bestimmte Grundvoraussetzungen: Sie alle sind aus dem aktiven Arbeitsleben ausgeschieden und finanziell unabhängig, so dass die Beratung unabhängig erfolgen kann. Und sie stammen immer aus der Region. „Ein Unternehmer im Rheinland tickt nun mal anders als einer im Bergischen Land“, sagt Wilhelmi.

Das sei auch deswegen wichtig, weil die Wirtschaftssenioren nicht nur mit Fachwissen glänzen, sagt Kowalke: „Wir sind auch ein Stück weit Psychologen.“ Viele Unternehmer seien oftmals zu „einsamen Entscheidungen“ gezwungen – und deswegen froh über einen Ansprechpartner auf Augenhöhe. „Da geht es auch schon mal darum, Vertrauen und Selbstbewusstsein wieder aufzubauen.“

Und dazu sei die derzeitige Krise genau der richtige Zeitpunkt, meinen Kowalke und Wilhelmi. Wegen der Notwendigkeit zum einen. Und wegen der Gelegenheit zum anderen. In normalen Zeiten fresse das Tagesgeschäft viel Zeit. Dass es derzeit auch mal weniger zu tun gebe, könne man da sinnvoll nutzen, schlägt Peter Wilhelmi vor: „Vielleicht ist es ja mal eine gute Idee, sich mit den alten Herren zu unterhalten.“

Hintergrund

Angesiedelt ist die regionale Gruppe der Wirtschaftssenioren in Leverkusen, ihr Aktionsgebiet erstreckt sich aber auch übers Bergische Land, weil einige Mitglieder in der Region leben, unter anderem in Leichlingen und Lindlar. Kontakt, weitere Informationen und auch Beratungsbeispiele hat die Gruppe auf ihrer Internetseite zusammengestellt.

www.wsln.de

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