Förderung

Vertrauensvorschuss für den Wiedereinstieg in den Beruf

Bianca Westphal (Mi.) leitet die Küche in der OGS Franzikus in Lennep. Der Wiedereinstieg in den Beruf gelang ihr auch dank einer speziellen Förderung. Eine Erfolgsgeschichte, finden Sven Heidkamp vom Jobcenter und Angela del Vecchio vom Verein Die Verlässliche.
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Bianca Westphal (Mi.) leitet die Küche in der OGS Franzikus in Lennep. Der Wiedereinstieg in den Beruf gelang ihr auch dank einer speziellen Förderung. Eine Erfolgsgeschichte, finden Sven Heidkamp vom Jobcenter und Angela del Vecchio vom Verein Die Verlässliche.

Neue Förderung für Langzeitarbeitslose trägt Früchte.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Rund 100 warme Mahlzeiten verlassen jeden Tag die Küche in der Grundschule Franziskus in Remscheid-Lennep. Frisch gekocht für die Kinder im offenen Ganztag. Verantwortlich dafür ist, zusammen mit zwei Kolleginnen, Küchenleitung Bianca Westphal. Die 39-Jährige hat nach einer langen Phase der Arbeitslosigkeit den Wiedereinstieg in den Beruf geschafft. Auch dank einer speziellen Förderung des Jobcenters.

Schon seit 2019 gibt es im Rahmen des Teilhabechancengesetzes die Möglichkeit, dass das Jobcenter das Gehalt ehemaliger Langzeitarbeitsloser fördert, bis zu fünf Jahre lang, eine Regelung, die sich in Paragraf 16i des zweiten Sozialgesetzbuches versteckt. In den ersten beiden Jahren gibt es das komplette Gehalt bis zum Mindestlohn oder zum Tarifgehalt, in den folgenden Jahren sinkt der Anteil jeweils um zehn Prozent.

Das sei der „große Wurf“, findet Remscheids Sozialdezernent Thomas Neuhaus. Nach „Jahrzehnten der Diskussion in der aktiven Arbeitsmarktpolitik“ habe sich der Gesetzgeber endlich getraut, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer einen langfristigen Vertrauensvorschuss zu geben. Und das sei, das zeichne sich nach den ersten Jahren bereits ab, eine echte Erfolgsgeschichte: „Wir als Stadt sind absolut überzeugt von dem Instrument.“

Deswegen hat auch die Remscheider Stadtverwaltung 25 Mitarbeiter auf diesem Wege eingestellt. Das sei viel mehr als eine soziale Maßnahme, betont Neuhaus: „Der Personalbedarf im Sportamt und im Gebäudemanagement ist ja da.“ Und so würden die neuen Kollegen nach und nach in reguläre Stellen wechseln, wenn diese frei würden. Inzwischen planen auch die Technischen Betriebe der Stadt, solche Jobs zu schaffen.

„Ich bin froh, dass das stufenweise ging.“

Bianca Westphal über ihren Wiedereinstieg

Ähnlich verfährt auch der Remscheider Verein Die Verlässliche, der Arbeitgeber von Bianca Westphal. Der Träger von schulnaher Betreuung braucht vor allem pädagogische und hauswirtschaftliche Mitarbeiter. Beides sei auf dem Markt kaum zu bekommen, berichtet der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Spaan. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Langzeitarbeitslose werden auf den Arbeitsmarkt zurückgeführt. Und gleichzeitig betreibt man aktive Fachkräftesicherung.

Ein Weg, der nicht immer ganz einfach ist, wie Sven Heidkamp, stellvertretender Geschäftsführer des Remscheider Jobcenters, sagt. Voraussetzung für eine Teilnahme an dem Programm sei für die Betroffenen ein Mindestalter von 25 Jahren - und mindestens sechs Jahre Arbeitslosigkeit. Nach so einer langen Phase sei der Wiedereinstieg oft schwierig, mahnt Heidkamp, die neuen Mitarbeiter bräuchten ein gewisses Maß an Unterstützung. Deswegen sei ein begleitendes Coaching während der Förderung Pflicht.

Auch Bianca Westphal sagt: „Ich bin froh, dass das stufenweise ging.“ Ein direkter Wiedereinstieg in eine Vollzeitstelle sei ihr sonst kaum möglich gewesen. Stattdessen heuerte die gelernte Floristin zunächst über eine sogenannte Arbeitsgelegenheit (AGH), früher: 1-Euro-Job, bei der Verlässlichen an - und entwickelte sich anschließend immer weiter, inklusive einer einjährigen Hauswirtschaftsausbildung. Ende Oktober konnte sie schließlich die Förderung nach Paragraf 16i vor Ende des maximal Förderzeitraums verlassen, seither befindet sich Bianca Westphal in einem regulären Arbeitsverhältnis.

163 Arbeitnehmer habe man so bisher in Remscheid gefördert, berichtet Sven Heidkamp. Und das nicht nur bei öffentlichen oder sozialen Einrichtungen, fast ein Drittel kam bei privaten Arbeitgebern unter, vom Supermarkt bis zur Pizzeria. Und die Erfolgsgeschichte soll fortgeschrieben werden. Aktuell sei die Förderung nach 16i noch bis 2025 befristet, sagt Sozialdezernent Neuhaus. Doch Entfristung sei aber bereits in Arbeit.

Hintergrund

Die Förderung nach § 16i SGB II läuft über das jeweilige Jobcenter, die Mittel sind allerdings begrenzt. Die so geschaffenen Stellen sind sozialversicherungspflichtig und, anders als bei AGH, auch für qualifizierte Tätigkeiten vorgesehen.

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