Kosten

Unternehmen suchen Alternativen zu Gas

Thomas Koßmann verzeichnet mit seinem Öltank-Service derzeit eine große Nachfrage.
+
Thomas Koßmann verzeichnet mit seinem Öltank-Service derzeit eine große Nachfrage.
  • Manuel Böhnke
    VonManuel Böhnke
    schließen

Betriebe möchten auf Öl umstellen, doch Tanks sind Mangelware.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Vor acht Jahren hat sich Thomas Koßmann selbstständig gemacht. Von der Solinger Ritterstraße aus kümmert er sich um Fragen rund um Öltanks. Im vergangenen Jahr ließ die Hochwasser-Katastrophe den Bedarf in die Höhe schießen. Er ist bis heute nicht abgerissen. Aktuell beschäftigt Koßmann vermehrt eine neue Zielgruppe: Unternehmen in der Region. Mit Öl versuchen sie sich, zumindest teilweise, möglichst schnell vom russischen Gas unabhängig zu machen. Das Problem: „Deutschlandweit sind fast keine Tanks ab 10 000 Liter zu bekommen.“

Allein in Solingen geht er von rund 50 größeren und kleineren Betrieben aus, die sich derzeit intensiv mit einer Umstellung beschäftigen, sofern sie technisch umsetzbar ist. Die einen planen, vollständig auf Öl umzustellen. Andere haben das Ziel, im Ernstfall auf eine zusätzliche Energiequelle setzen zu können. Um dem Bedarf gerecht zu werden, führe derzeit kein Weg an Öltanks aus dem Ausland vorbei – die lange Lieferzeiten haben.

Auch Michael Wenge sind einige Firmen bekannt, die sich mit Fragen wie diesen auseinandersetzen. „Wir haben in der Region viele Betriebe, die auf große Mengen Energie angewiesen sind, um zu überleben“, betont der Hauptgeschäftsführer der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Dringlichkeit des Themas lasse sich an dem großen Interesse ablesen, das an IHK-Angeboten zu Energie und Nachhaltigkeit bestehe.

Für Henner Pasch kommt das nicht überraschend. „Viele Unternehmer machen sich große Sorgen um ihren Betrieb und die Mitarbeiter“, berichtet der IHK-Präsident. Man dürfe nicht außer Acht lassen, welche Auswirkungen es auf die finanzielle Situation der Beschäftigten hätte, müsste ihr Arbeitgeber aufgrund einer Gasmangellage oder fehlender Aufträge Kurzarbeit anmelden – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Preissteigerungen.

„Deshalb versuchen derzeit alle, ihren Laden irgendwie am Laufen zu halten“, erklärt Pasch. Beispielsweise mit dem Umstieg auf Öl. Das sei zwar ein teurer, aufwendiger Schritt, der zudem ökologisch wenig sinnvoll ist. Aber: „Was ist die Alternative?“

Paschs Beobachtung zufolge ist das Thema in der Wirtschaft derzeit präsenter als im privaten Bereich: „Ich weiß nicht, ob schon überall wirklich angekommen ist, welche Folgen die Situation für uns haben könnte.“ Das müsse allen klar sein. Denn es komme etwa beim Energiesparen nicht nur auf Firmen an, für die Effizienz allein aus finanziellen Gründen schon lange wichtig sei, sondern auf jeden Einzelnen.

Guido Schäfer, Chef des gleichnamigen Solinger Mineralölhandels, spricht sich für „einen gesunden Mix der Energien aus“. Er kreidet es den politischen Entscheidungsträgern an, zu wenig gegen die Abhängigkeit von russischem Gas getan zu haben. Nun spüre man deren Konsequenzen.

Wie Koßmann hat Schäfer momentan vermehrt mit Firmen zu tun, die versuchen, ihre Energieversorgung zu diversifizieren. „Eine braucht täglich 4000 Liter, um vier Anlagen zu betreiben. Die vier anderen laufen weiterhin mit Gas“, nennt er ein Beispiel. Als Engpass bei der Umstellung sieht er die nötigen Tanks.

Öl sei hingegen verfügbar, wenngleich die Lage angespannt ist. Guido Schäfer vergleicht die Situation mit der Klopapier-Knappheit zu Beginn der Corona-Pandemie: „Der Bedarf ist plötzlich deutlich gestiegen.“ Gleichzeitig gebe es Engpässe aufseiten der Logistik. Für diese sei unter anderem der niedrige Rheinpegel verantwortlich – die Tanker können nicht voll beladen werden. Deshalb komme es darauf an, die Nachfrage zu entzerren. „Wir animieren unsere Kunden zum Beispiel, früher als sonst einzukaufen.“

Wie sich die Energieversorgung in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt, steht nicht fest. Doch alle stellen sich auf einen komplizierten Herbst und Winter ein. Mut macht Henner Pasch der Erfindergeist der bergischen Wirtschaft: „Sie haben sich schon immer an neue Situationen angepasst und stecken den Kopf nicht in den Sand. Darauf setze ich.“

Informationen

Auf ihrer Website hat die Bergische Industrie- und Handelskammer Informationen gebündelt, was Unternehmen bei der Brennstoffumstellung beachten müssen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ab wann es eine Genehmigung für den Schritt braucht.

t1p.de/y0980

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Azubis und Fachkräfte dringend gesucht
Azubis und Fachkräfte dringend gesucht
Azubis und Fachkräfte dringend gesucht
Steinhaus erweitert in Rekordzeit
Steinhaus erweitert in Rekordzeit
Steinhaus erweitert in Rekordzeit

Kommentare