Wer trotz Corona weiter ausbildet, bekommt Geld vom Staat

Positiv bewertet Carmen Bartl-Zorn von der IHK das neue Programm: „Es gibt beiden Seiten Sicherheit.“ Archivfoto: Roland Keusch
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Positiv bewertet Carmen Bartl-Zorn von der IHK das neue Programm: „Es gibt beiden Seiten Sicherheit.“ Archivfoto: Roland Keusch

Neues Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“

Von Sven Schlickowey

BERGISCHES LAND Seit zwei Wochen ist das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ in Kraft. Kleine und mittlere Firmen, die coronabedingt in Schwierigkeiten geraten sind, erhalten Unterstützung, wenn sie weiter ausbilden. „Ein Programm, das wir positiv bewerten“, sagt Carmen Bartl-Zorn, bei der Bergischen IHK zuständig für Aus- und Weiterbildung. „Es gibt beiden Seiten Sicherheit – den Unternehmen, wenn es jetzt finanziell etwas enger wird, und den jungen Menschen, die vielleicht Sorgen haben, dass sich eine Ausbildung derzeit nicht lohnt.“

Geld gibt es unter anderem für Firmen, die ihre Ausbildungsleistung im Vergleich zu den drei Vorjahren aufrechterhalten. Sie bekommen für jeden Ausbildungsvertrag, der zwischen dem 1. August und dem 15. Februar des kommenden Jahres beginnt, einmalig 2000 Euro. Und für jeden zusätzlichen Azubi 3000 Euro.

Die gleiche Summe gibt es für jeden Auszubildenden, den eine Firma von einem wegen Corona insolventen Betrieb übernimmt. Ausgezahlt werden die Prämien jeweils nach Ende der Probezeit. Firmen, die trotz erheblichen Arbeitsausfalls von mindestens 50 Prozent ihre Ausbildungsaktivitäten fortsetzen, können zudem für diesen Zeitraum 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung beantragen.

Antragsberechtigt sind Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten, förderfähig sind nur Ausbildungen in anerkannten Ausbildungsberufen. Für die einmaligen Prämien muss die Firma „in erheblichem Umfang“ von Corona betroffen sein. Das gilt zum Beispiel, wenn der Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten eingebrochen ist. Oder wenn die Firma in der ersten Hälfte dieses Jahres wenigstens einen Monat Kurzarbeit durchgeführt hat.

Anträge seien grundsätzlich an die Agentur für Arbeit zu richten, sagt Carmen Bartl-Zorn. Die zuständige Kammer, bei der das Ausbildungsverhältnis eingetragen ist, bestätige im Nachgang den Ausbildungsvertrag: „Die Reihenfolge ist: erst Azubi einstellen, dann zur Arbeitsagentur und dann zur IHK oder zu der anderen zuständigen Stelle.“

Bei den Firmen im Bergischen Land stoße das Programm auf großes Interesse, berichtet Bartl-Zorn: „Uns haben schon sehr viele Anfragen erreicht.“ Schließlich liege Ausbildung im Interesse der Unternehmen: „Konjunkturell bedingt haben wir derzeit vielleicht keinen Fachkräftemangel, aber der strukturelle Mangel bleibt ja.“ Eine coronabedingte „Delle“ im Ausbildungsverhalten könne sich die bergische Wirtschaft langfristig gar nicht erlauben.

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