TRAINING Herdenchef wird man nicht durchs Fell

Personalentwickler Michael Stieghorst zeigt Führungskräften auf der Koppel, wie es wirkt, wenn sie die Zügel anziehen.©
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Personalentwickler Michael Stieghorst zeigt Führungskräften auf der Koppel, wie es wirkt, wenn sie die Zügel anziehen.<br><i>©

Bergisches Land/Solingen. Er kann nicht richtig reiten und kennt den Pferdeflüsterer Robert Redford nur von der Leinwand. Doch der Arbeitsplatz des Solinger Personalentwicklers Michael Stieghorst (36) ist die Pferdekoppel, und seine Vierbeiner zeigen Deutschlands Managern, wo es langgeht.

"Herdenchef" nennt Stieghorst das von ihm mit entwickelte Führungskräftetraining. "Pferde gelten als intuitive Tiere, die jegliche Form der Fassade schnell entlarven", wird Stieghorst in einer aktuellen Online-Ausgabe des Manager Magazins zitiert. Wer seinem sensiblen vierbeinigen Trainingspartner nicht mit Gradlinigkeit, klaren Ansagen sowie einer deutlichen, souveränen und aufrichtigen Haltung begegnet, hat kaum eine Chance bei Fury und Co!

"Pferde wirken wie ein Spiegel", weiß Stieghorst. Sie lassen sich nicht blenden, kennen keine Vorurteile und akzeptieren ihr Gegenüber auf der Basis von Vertrauen, Autorität und Authentizität.

Das alles lässt sich bemerkenswert gut in den Arbeitsalltag moderner Manager projizieren. Ein Chef, der gekonnt spricht und strahlend lächelt, dem aber die oben erwähnten Qualitäten fehlen, kommt nur bedingt weiter bei Mitarbeitern und Kunden.

Stieghorst, der in Solingen nach dem Abitur und einer Bankkaufmann-Lehre bei der Sparkasse Betriebswirtschaft studierte, ist seit 1999 Partner in der Düsseldorfer "Krups Consultants GmbH" und lebt in Witzhelden. Fachleute für jede Form wirtschaftlicher Weiterentwicklung bieten bei Krups Consultants ihr Wissen an.

Frieder Krups, letzter Namensträger der weltbekannten Solinger Marke, ist ebenfalls Partner des Unternehmens.

Szenenwechsel. Freitags auf einer Koppel bei Rommerskirchen. Diplom-Kaufmann Stieghorst arbeitet bundesweit mit Reitställen zusammen. Partnerin beim Herdenchef-Projekt ist die Westernreiterin Sandra Schneider. Hier auf dem Reiterhof Anspell trifft gerade das mittlere Management eines linksrheinisch angesiedelten Sozialverbundes ein.

Heute in Rommerskirchen ist es kein klassisches Seminar, sondern der gesellige Abschluss eines dreiwöchigen Personaltrainings. Am Abend winkt der Grill, doch vorher geht's an die Zügel. Gleich hinterm Zaun steht Leila und macht ihren Artgenossen mit leichten Bissen klar, wer Chefin in der Koppel ist. Die achtjährige Friesenstute beäugt parallel die Gruppe Menschen, die gerade angekommen ist.

Leilas sieben Artgenossen stehen dicht gedrängt in der Ecke, während Manager beiderlei Geschlechts die Weide betreten. "Pferde sind Fluchttiere", sagt Stieghorst später. Sie beobachten und sind wachsam dabei. "Stellen Sie sich den Blick eines Löwen am Wasserloch vor", erklärt er.

Der Griff an die Zügel muss bestimmt sein - mehr geht nicht. Kein Zerren, keine Gewalt hilft, immerhin ist das Gegenüber gute 500 Kilogramm schwer. Weil die Übung mit einem Wegzucken oder gar einer Flucht der Tiere enden kann, wird sie so anspruchsvoll für die Seminarteilnehmer.

Die Vorgehensweise muss wohlüberlegt sein. Ein Pferd reagiert auf falsch oder richtig wie ein Computer auf null und eins! Der Schüler bekommt über die Tiere Aufschluss darüber, wie er auf andere wirkt. Deren Botschaft ist klar: "Was wir zu spüren bekommen, geben wir zurück, liebe Manager."

Heute scheint die Sonne und es staubt, doch auf anderen Seminaren haben die Teilnehmer schon mal im nassen Matsch gestanden. Alptraum für Führungskräfte, die teure Anzüge gewohnt sind.

Der Tipp von Michael Stieghorst zum Punkt Kleidung: "Ein echter Herdenchef überzeugt sein Team nicht

durch ein glänzendes Fell, sondern erwirbt Gefolgschaft durch Respekt und Vertrauen." Mehr im Internet: http://herdenchef.de

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