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Spritpreise: Autofahrer müssen noch genauer hinschauen

Vorne kostet der Liter Super 1,719 Euro, hinten einen Cent weniger. Manchmal reichen schon wenige Meter, um beim tanken zu sparen, so wie hier an der Neunkamper Straße in Remscheid.
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Vorne kostet der Liter Super 1,719 Euro, hinten einen Cent weniger. Manchmal reichen schon wenige Meter, um beim tanken zu sparen, so wie hier an der Neunkamper Straße in Remscheid.

Das Bergische Land bleibt teuer, der Markt ist unübersichtlicher geworden. Alte Faustformeln scheinen kaum noch zu gelten.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. „Sprit ist im Bergischen vergleichsweise teuer“ titelten wir im August 2021 an dieser Stelle. Eine Datensammlung über mehrere Wochen hatte ergeben: An Remscheider und Solinger Tankstellen kostet das Benzin auffällig häufig mehr als zeitgleich in anderen Städten. Entwarnung kam damals vom ADAC, dessen Experte betonte, dass eine Region niemals dauerhaft am teuersten oder am günstigsten bleibe: „Der Markt ist ständig in Bewegung.“ Grund genug für uns, nach fast eineinhalb Jahren, mal nachzuschauen.

Die gute Nachricht vorneweg: Im Vergleich zu der ersten Datenerfassung tauchen Solingen und Remscheid nun öfters auch mal bei den günstigsten Tankstellen auf. Die schlechte: Im Durchschnitt der erfassten Preise sind die beiden bergischen Großstädte inzwischen die teuersten zum Tanken. Und: Der Markt ist offenkundig noch unübersichtlicher geworden, alte Faustformeln scheinen kaum mehr zu gelten, die Schwankungen und Preisunterschiede haben zugenommen.

Das bestätigt auch Katharina Luca, Unternehmenssprecherin des ADAC: „Wir erkennen, dass da sehr viel durcheinandergeraten ist.“ Luca berichtet von einer „unsteten Entwicklung“ und einer „etwas unübersichtlichen Situation“ bei den Benzinpreisen. „Das ist vermutlich der aktuellen Situation geschuldet.“ Fest macht sie das unter anderem an einem Beispiel: Während früher der Benzinpreis über den Tag meist um etwa sieben bis acht Cent schwankte, betrage der Preisunterschied heute bis zu zwölf Cent.

Auch die Regel, dass der Preis von morgens bis abends in Wellenbewegungen sinkt, bis er zwischen 18 und 22 Uhr am günstigsten ist, gelte nicht mehr, so die ADAC-Sprecherin: „Wir beobachten immer wieder Preiserhöhungsversuche in der Zeit zwischen 18 und 19 Uhr.“ So laute die aktuelle Empfehlung, wenn möglich in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr zu tanken.

Für unseren neuerlichen Vergleich haben wir die gleiche Methodik genutzt wie 2021: Über einen Zeitraum von mehreren Monaten wurden mit Hilfe eines Internet-Vergleichsportals zu zufällig ausgewählten Zeitpunkten die Preise für Super-Benzin an fünf verschiedenen Tankstellen notiert, an unterschiedlichen Tagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten, vor, während und nach dem „Tankrabatt“ der Bundesregierung. Alle Tankstellen gehören zur gleichen Kette, um dies als möglichen Grund für Unterschiede auszuschließen. Neben einer Station in Remscheid und Solingen gehörten je eine im nahen aber ländlichen Wipperfürth, im niederrheinischen Moers, das etwa so groß ist wie Remscheid, und eine nahe der Kölner Innenstadt dazu.

ADAC-Erhebung: 2022 war das teuerste Tank-Jahr aller Zeiten

In rund 40 Prozent der erfassten Fälle war die Remscheider Tankstelle die teuerste, in 15 Prozent aber auch die günstigste. Die Solinger Station, beim ersten Vergleich meist noch etwas teurer als die Remscheider, hatte nun in gut 20 Prozent der Fällen den höchsten Preis, in fast einem Viertel hatte sie dafür den niedrigsten. Dabei können die Preisunterschiede zum Teil erheblich sein. Am 15. Juni am Nachmittag kostet der Liter Super in Solingen sieben Cent mehr als zeitgleich in Remscheid. Etwa sechs Wochen später am 2. August war er in der Klingenstadt neun Cent billiger als in der Werkzeugstadt. Im Durchschnitt aller erfassten Preise lag der Liter in Solingen knapp über und in Remscheid knapp unter 1,88 Euro. Zum Vergleich: In Moers kostete das gleiche Benzin im Schnitt etwa 1,85 Euro, im oberbergischen Wipperfürth nur 1,82 Euro.

Autofahrern bleibe wenig anderes übrig, als nun noch genauer hinzuschauen, sind sich die meisten Experten einig. Mit einer entsprechenden App oder über eine der vielen Internetseiten zum Thema kann man die Preise der Tankstellen entlang des geplanten Weges vergleichen. Umwege lohnen sich hingegen kaum, weil der Spritkosten für die längere Strecke schnell die Ersparnis auffressen. Und wer seinen Tank nicht immer bis auf den letzten Tropfen leer fährt, kann eine teure Tanke auch schon mal links liegen lassen. Zudem gelte weiterhin die Empfehlung, vermehrt an freien Tankstellen zu tanken, sagt Katharina Luca vom ADAC. Denn die würden den Preisdruck auf die Marken-Tankstellen in der jeweiligen Region erhöhen.

In einer bundesweiten Auswertung hat der Automobilclub das Jahr 2022 als das „teuerste Tank-Jahr aller Zeiten“ ausgemacht, demnach lag der Preis für E10 von Januar bis November im Durchschnitt 28,6 Cent je Liter über dem von 2012, dem bisherigen Rekordjahr. Beim Diesel lag die Differenz demnach sogar bei 48 Cent. „Ob sich die Benzin- und Dieselpreise jetzt dauerhaft auf moderatem Niveau einpendeln oder wieder deutlich ansteigen, ist schwer vorherzusagen“, heißt es vom ADAC. Fest steht aber jetzt schon: In einem Jahr kommt die eigentlich schon für 2023 geplante und dann verschobene Erhöhung der CO2-Abgabe. Dann wird der Preis für Benzin um etwa einen Cent steigen, der für Diesel um 1,5 Cent.

Hintergrund

Neben dem richtigen Tankverhalten rät der ADAC auch zu einer angepassten Fahrweise, um Benzin und Geld zu sparen. Dazu gehöre, früh, bei etwa 2000 Umdrehungen, hoch zu schalten, vorausschauend zu fahren, um Bremsungen zu vermeiden, und auf den richtigen Reifendruck zu achten. Zudem helfe es, keine unnötigen Lasten durch die Gegend zu fahren und nicht benötigte elektrische Verbraucher abzustellen.

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