IHK-Geschäftsklima-Index

Wirtschaft: Klima insgesamt besser, aber Spaltung und Sorgen

Entwicklung des Geschäftslageindex
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Entwicklung des Geschäftslageindex
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IHK-Umfrage: Die Stimmung insgesamt ist positiv. Sorge um Fachkräfte und Ausbildungsplätze.

Von Sven Schlickowey

Solingen/Remscheid/Wuppertal. Die wirtschaftliche Lage im Städtedreieck verbessert sich weiter. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse der aktuellen Umfrage der Bergischen Industrie- und Handelskammer IHK zur Geschäftslage hin. „Die Lageeinschätzung ist wesentlich positiver“, fasste es IHK-Präsident Thomas Meyer zusammen. Allerdings gibt es auch einige Punkte, die ihm Sorgen bereiten.

34 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, ihre geschäftliche Lage sei „gut“, 40  Prozent „befriedigend“ und 26 „schlecht“ – damit liegt der Geschäftslageindex, der sich aus der Differenz von „gut“ und „schlecht“ errechnet, bei 8. Und erreicht zum ersten Mal seit einem Jahr wieder einen positiven Wert. Das Vorkrisen-Niveau sei damit aber noch lange nicht wieder erreicht, sagt Meyer. Der Index lag über viele Jahre konstant im zweistelligen Plusbereich.

Die wirtschaftliche Entwicklung driftet völlig auseinander.

IHK-Präsident Thomas Meyer

Allerdings profitieren nicht alle Firmen im Bergischen von dem Aufschwung, stellt Thomas Meyer fest: „Die wirtschaftliche Entwicklung driftet völlig auseinander, in allen Teilbereichen.“ Während in der Industrie und im Großhandel 39 beziehungsweise 40 Prozent der Firmen ihre Lage als „gut“ einschätzen, sind es im Einzelhandel nur noch 29 Prozent. Und in der Verkehrsbranche sogar nur 19. Und während der Anteil der Unternehmen, die eine Insolvenz befürchten, sich insgesamt von acht auf vier Prozent halbierte, sank dieser Wert im Gastgewerbe gerade einmal von 31 auf 30 Prozent.

IHK-Präsident Thomas Meyer: Sorge vor Insolvenzen, wenn die Ausnahmefrist abläuft

Gerade in der Gastronomie, aber auch unter Messebauern und in Teilen des Einzelhandels, werde es „eine Menge mehr Insolvenzen“ geben, nachdem die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ausgelaufen ist, befürchtet der IHK-Präsident – und hofft hier auf weitere staatliche Hilfen. Schließlich seien diese Branchen quasi von einem Berufsverbot betroffen.

Trotzdem sei es richtig gewesen, die Aussetzung nicht zu verlängern: „Das verzerrt die Marktsituation.“ Und gefährde auch gesunde Unternehmen, die mit von Insolvenz Bedrohten Geschäftsbeziehungen eingingen.

Fachkräftemangel: Dringender Appell, Ausbildungsplätze zu erhalten

Auch der immer noch akute Fachkräftemangel treibt Meyer um: „Mit dem nahen Ende der Pandemie kommen wieder andere Themen nach vorn.“ So hätten in der aktuellen Umfrage bereits wieder 30 Prozent der Firmen angegeben, dass es an qualifiziertem Personal fehle. Gleichzeitig sinke aber auch die Ausbildungsleistung in den Betrieben: „Da schießen wir uns selbst ins Knie.“

Meyer appellierte deswegen an alle Firmen in der Region, ihre Ausbildungsplätze zu erhalten oder deren Zahl besser noch zu erhöhen. Fachkräfte seien die Voraussetzung, um nach der Krise wieder wachsen zu können.

Allerdings liegt das Problem wohl nicht nur bei den Firmen, wie Carmen Bartl-Zorn, Ausbildungsexpertin der IHK, sagt: „Wir machen seit einem Jahr die Feststellung, dass viele Schülerinnen und Schüler verunsichert sind, ob es überhaupt noch Sinn macht, sich zu bewerben, wenn überall über Stellenabbau berichtet wird.“ Deswegen würden manchen Betrieben die passenden Bewerber fehlen – und Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.

Bergische Wirtschaft: Große Unsicherheit, wie es nach Corona weitergeht

Insgesamt gebe es in der bergischen Wirtschaft noch ein hohes Maß an Unsicherheit, wie es nach Corona weitergehe, stellt Thomas Meyer fest: „Es ist aktuell nicht abzusehen, wie lange der Lockdown oder andere Schutzmaßnahmen noch andauern werden.“ Doch auch hier sieht der IHK-Präsident ein Licht am Ende des Tunnels: „Die Pandemie wird durch die Impfstoffe bald beherrschbar sein.“

Standortfaktor: Schnelles Netz für Remscheider Betriebe in mehreren Gewerbegebieten

Hintergrund: IHK-Umfrage

IHK-Umfrage: 541 Unternehmen mit zusammen rund 25 000 Mitarbeitern aus Remscheid, Solingen und Wuppertal nahmen diesmal an der IHK-Umfrage teil, fast genauso viele wie beim letzten Mal, aber deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.

Mitarbeiter: 112 der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen mit zusammen rund 7800 Mitarbeitern stammen aus Remscheid, 159 mit etwa 5400 Mitarbeitern aus Solingen und 270 mit zusammen rund 12.000 Angestellten aus Wuppertal.

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