Süßes Gebäck

An Karneval gehen Berliner „weg wie warme Semmel“

Lisa Steinwachs und Patrick Luppa präsentieren einige der Berliner Ballen, die die Solinger Bäckerei Stöcker in diesem Jahr anbietet. Das Karnevalsgeschäft ist für das Bäckerhandwerk in der Region ähnlich bedeutsam wie Weihnachten und Ostern. Foto: Christian Beier
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Lisa Steinwachs und Patrick Luppa präsentieren einige der Berliner Ballen, die die Solinger Bäckerei Stöcker in diesem Jahr anbietet. Das Karnevalsgeschäft ist für das Bäckerhandwerk in der Region ähnlich bedeutsam wie Weihnachten und Ostern.
  • Manuel Böhnke
    VonManuel Böhnke
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Bäckereien sind zufrieden mit der fünften Jahreszeit – Schwieriger ist die Lage bei Graveuren.

Bergisches Land. Berlin steht nicht im Verdacht, besonders karnevalistisch zu sein. Dafür spielen die nach der Hauptstadt benannten Ballen an den jecken Tagen in der Region eine umso wichtigere Rolle. Die Bäckereien im Bergischen Land spüren das deutlich. „Die Tage zwischen Altweiber und Aschermittwoch sind für uns durchaus so wichtig wie Weihnachten und Ostern“, macht Ralf Vogelskamp deutlich. Er ist Geschäftsführer der Bäckerei Stöcker.

An den tollen Tagen verkauft das Solinger Traditionsunternehmen eine fünfstellige Zahl Berliner verschiedener Sorten. Um die Nachfrage zu entzerren, stand am Montag vor dem Hauptgeschäft an der Löhdorfer Straße ein zusätzlicher Verkaufswagen. Dass die Session in diesem Jahr coronabedingt kleiner ausfällt als vor Ausbruch der Pandemie, mache sich an der Ladentheke kaum bemerkbar. „Die Menschen schätzen regionale Qualität“, stellt Vogelskamp fest.

„Viele möchten sich etwas gönnen. Genuss spielt in dieser Zeit eine wichtige Rolle.“

Thomas Bischzur, Geschäftsführer der Bäckerei Evertzberg

Auch die Bäckerei Evertzberg mit Sitz in Remscheid, die zahlreiche Filialen in der Region betreibt, zeigt sich mit dem bisherigen Karnevalsgeschäft zufrieden. Zwar sei es ein großer Einschnitt, dass der beliebte Ballenstand im Remscheider Allee-Center wie im vergangenen Jahr ausfallen muss. Dennoch stellt Geschäftsführer Thomas Bischzur eine große Nachfrage fest: „Viele möchten sich etwas gönnen. Genuss spielt in dieser Zeit eine wichtige Rolle.“

Größtes Zugpferd seien in der fünften Jahreszeit freilich Berliner. Die Produktion der Klassiker und besonderer Sorten laufe derzeit rund um die Uhr, berichtet Bischzur. Ähnlich ist die Situation bei der Bäckerei Beckmann. „Die Ballen gehen weg wie warme Semmel. Manche Kunden warten das ganze Jahr darauf“, teilt die Remscheider Firma mit.

In anderen Branchen macht sich die von Corona geprägte Session stärker negativ bemerkbar. „Dieses Jahr waren die Kunden sehr vorsichtig“, berichtet Petra Nett. Sie ist die Geschäftsführerin der Adam Donner Prägetechnik. Das Wuppertaler Unternehmen beliefert normalerweise viele Brauchtumsvereine im Bergischen Land und den rheinischen Karnevalshochburgen mit Orden. Viele, vor allem größere Gesellschaften, hätten zwar bereits im vergangenen Jahr Bestellungen aufgegeben. Weil jedoch viele Veranstaltungen ausfallen mussten, befürchtet Nett, dass die Orden in der nächsten Session noch einmal zum Einsatz kommen – mit per Schild aktualisierter Jahreszahl.

Keine einfache Situation für den fast 120 Jahre alten Betrieb. Denn auch Pokale und Medaillen für Sportveranstaltungen – ein weiteres Standbein der Wuppertaler – waren in den vergangenen zwei Jahren weniger gefragt. Hinzu kommen die gestiegenen Materialpreise: Die Kosten für ein Kilo Messing haben sich Nett zufolge etwa verdoppelt. Die Folge der komplizierten Lage: Für das Unternehmen mit seinen sechs Mitarbeitern ist wieder Kurzarbeit angesagt.

Entspannter ist die Situation bei der Pauls GmbH. Die Solinger beliefern eine Düsseldorfer Karnevalsgesellschaft und führen Pokale und anderen Vereinsbedarf. Das Hauptgeschäft, zu dem Gravuren, Stempel, Schilder und Druck gehören, laufe jedoch weiter, bestätigt Geschäftsführer Sven Lange.

Bei der Bäckerei Evertzberg bereitet man sich derweil bereits auf die Zeit nach Aschermittwoch vor. „In der Fastenzeit sind wieder andere Produkte gefragt“, erklärt Thomas Bischzur. Der Geschäftsführer hofft, dass sich in den kommenden Wochen insbesondere im Café-Bereich die angekündigten Lockerungen der Corona-Maßnahmen positiv bemerkbar machen.

Saisongeschäft

Nicht nur für den Handel und die Gastronomie ist das Saisongeschäft bedeutsam, auch bestimmte Handwerksbetriebe verzeichnen rund um Feiertage wie Weihnachten und Ostern normalerweise eine höhere Nachfrage. Dementsprechend haben sie die Corona-Einschränkungen rund um Weihnachten 2021 getroffen, bestätigt die fürs bergische Städtedreieck zuständige Handwerkskammer Düsseldorf. Nicht nur das Lebensmittelhandwerk, sondern vor allem körpernahe Dienstleistungen wie Kosmetiker, Maßschneiderateliers und Fotografen hätten „massiv gelitten“.

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