Start-up

Leuchtturm Eltern: Gewaltfreie Kommunikation als Geschäftsmodell

Birthe Müller-Rosenau möchte Leuchtturm Eltern weiterentwickeln, Phil Derichs steht ihr dabei mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Michael Schütz
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Birthe Müller-Rosenau möchte Leuchtturm Eltern weiterentwickeln, Phil Derichs steht ihr dabei mit Rat und Tat zur Seite.

Das Start-up Leuchtturm Eltern möchte Familien mit einer App bei Konflikten unterstützen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Als Schulen und Kitas im Frühjahr 2020 coronabedingt schließen mussten, ergriff Birthe Müller-Rosenau die Initiative. „Ich habe geahnt, dass die Situation in einigen Familien brenzlig werden dürfte“, blickt sie zurück. Um Betroffene zu unterstützen, gründete sie mit zwei Mitstreiterinnen einen Blog über Gewaltfreie Kommunikation. Die Resonanz war positiv, das Potenzial für die gebürtige Haanerin offensichtlich. Inzwischen ist daraus ein Unternehmen geworden. Mit Hilfe des Gründer- und Technologiezentrums (GuT) möchte die Leuchtturm Eltern GbR eine App für Familien auf den Markt bringen.

„Ich bin irgendwann an meine Grenzen gekommen.“

Birthe Müller-Rosenau, Leuchtturm Eltern

Eigentlich kommt Müller-Rosenau beruflich aus einer anderen Ecke. Sie ist von Hause aus, anders als man vermuten könnte, keine Pädagogin, sondern gelernte Journalistin. Eine innerfamiliäre Krise brachte sie dazu, sich mit Ansätzen zur Erziehung und Konfliktlösung auseinanderzusetzen. „Ich hatte wahnsinnig hohe Ansprüche an mich selbst und bin irgendwann an meine Grenzen gekommen“, erinnert sich die dreifache Mutter.

Als Lösung ihrer Probleme entpuppte sich der Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation. Das Modell geht auf Marshall B. Rosenberg zurück. Dem amerikanischen Psychologen geht es nicht in erster Linie um physische, sondern vielmehr um verbale, psychische Gewalt. Das Konzept stellt in Konflikten die Bedürfnisse der Beteiligten in den Mittelpunkt. „Wir möchten eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten gut leben können“, skizziert Müller-Rosenau das Ziel.

2019 schloss sie in Düsseldorf einen Grundlehrgang zum Thema Gewaltfreie Kommunikation ab. „In unser Familienleben ist dadurch viel Ruhe reingekommen“, erzählt die 39-Jährige. Sie ließ sich zur Trainerin weiterbilden und kann den Ansatz seither selbst anderen näherbringen.

Im August 2020, nach den Erfahrungen im ersten Corona-Lockdown, nahm Birthe Müller-Rosenau Kontakt zu Phil Derichs auf. Er ist der Start-up-Manager des Gründer- und Technologiezentrums Solingen. Gemeinsam loteten sie die Möglichkeiten einer Unternehmensgründung aus, entwickelten die Geschäftsidee. Im Januar dieses Jahres machte sich Müller-Rosenau selbstständig – zunächst mit einer Geschäftspartnerin, inzwischen wird sie von ihrem Ehemann unterstützt.

„Leuchtturm Eltern soll zu einem der führenden Anbieter für Gewaltfreie Kommunikation werden“, skizziert die Gründerin ihr Ziel. Gelingen soll das mit einer App. Diese ist als Art Trainer in der Hosentasche für Eltern, die sich mit dem Thema beschäftigen, gedacht – mit Handlungsempfehlungen, Lerninhalten Tagebuch. „Es braucht eine Anwendung, die Eltern beim Transformationsprozess hin zur Gewaltfreien Erziehung unterstützt“, ist Birthe Müller-Rosenau überzeugt.

Läuft alles nach Plan, erscheint im kommenden Jahr ein Prototyp. Bis dahin arbeitet die 39-Jährige an den Inhalten, gibt Einzel- und Gruppencoachings. Die direkten Gespräche seien gute Indikatoren dafür, welche Erwartungen Eltern an eine App über Gewaltfreie Kommunikation haben. „Ich möchte meine Kunden besser kennenlernen.“

Derzeit wird Leuchtturm Eltern mit dem Gründerstipendium NRW unterstützt. Beim Bewerbungsprozess brachte sich Phil Derichs mit seiner Expertise ein. Er stieß Müller-Rosenau auch auf den Bergsteiger Accelerator. Das GuT-Programm hat es sich zum Ziel gemacht, innovative Start-ups in ihrer Frühphase zu unterstützen. Neben einem Platz im Coworking-Space Coworkit erhalten sie über mehrere Monate hinweg Zugang zu Workshops, Coachings und engmaschiger Betreuung. Sieben Teams befinden sich derzeit auf ihrer Gipfeltour, seit dem Start im Jahr 2019 haben 22 an dem Programm teilgenommen.

„Beim Bergsteiger geht es in erster Linie darum, die Ideen der Start-ups zu formen, ihre Zielgruppe zu schärfen“, erläutert Phil Derichs. Am Ende soll im Optimalfall ein sogenanntes MVP stehen, also die einfachste Version des späteren Produkts, auf der die weitere Entwicklung aufbauen kann. Auch die Unternehmerpersönlichkeit soll sich während der Bergsteiger-Tour weiterentwickeln.

Birthe Müller-Rosenau ist froh, Teil des Programms zu sein. Das liege vor allem daran, mit den GuT-Mitarbeitern und den übrigen Gründerinnen und Gründern im Coworking-Spache immer einen Ansprechpartner zu haben. „Da lassen sich viele Probleme schnell lösen und Zweifel ausräumen.“

www.accelerator-solingen.de

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