Slotcar

In Handarbeit entsteht ein Spielzeug für Profis

Rund 15 Jahre hat Harald Dannert an der Entwicklung seiner Slotcar-Straße gearbeitet. Eine Anlage kann bis zu acht Spuren umfassen.
+
Rund 15 Jahre hat Harald Dannert an der Entwicklung seiner Slotcar-Straße gearbeitet. Eine Anlage kann bis zu acht Spuren umfassen.

Der Solinger Harald Dannert hat eine Slotcar-Autorennbahn entwickelt

Remscheid. 2004 hat Harald Dannert eine Reise in seine Kindheit unternommen: Er kaufte sich eine Carrera-Bahn. Nach dem Aufbau kamen aber weniger Gedanken an schöne Stunden im Elternhaus auf. Vielmehr erinnerte sich der Solinger daran, was ihn an dem Spielzeug bereits als Heranwachsender gestört hatte: schlechte Kontakte und wackeliges Material. „Ich dachte mir: Das muss doch besser gehen“, blickt der 58-Jährige zurück. Er startete mit der Entwicklung einer Alternative. 15 Jahre nahm dieser Prozess in Anspruch. 2019 ging seine hauptsächlich in Solingen produzierte Slotcar-Autorennbahn an den Markt.

„Ich dachte mir: Das muss doch besser gehen.“

Harald Dannert, Harrel GmbH

„Ich wollte eine Straße bauen, die diesen Namen verdient“, erklärt Dannert. Wer den gelernten Werkzeugmacher kennt, könnte vermuten, dass die Fahrbahn größtenteils aus Kunststoff besteht. Schließlich ist er Geschäftsführer der Solinger PKKT GmbH, eines Fachunternehmens für Kunststofftechnik. Recht schnell kam der Auto-Fan jedoch zu der Erkenntnis, dass mitteldichte Holzfaserplatten (MDF) das richtige Grundmaterial für sein Projekt sind. „Beim Fahren soll es nicht scheppern und vibrieren“, betont Dannert.

„Wir bauen Spielzeug für erwachsene Kinder“, sagt der Harrel-Geschäftsführer. Auch Autorennbahn-Clubs interessieren sich für die Bahnen.

Die Platten fräst ein Fachunternehmen. Mit Quarzsand vermischter Lack auf der Oberfläche sorgt für die Asphalt-Optik und soll den kleinen Fahrzeugen auch in Kurven den nötigen Grip geben. Wenngleich die Strecke hauptsächlich aus Holz ist, spielt Kunststoff in Harald Dannerts Entwicklung dennoch eine Rolle. Unter anderem kommen maßgefertigte PKKT-Teile als führende Elemente für die kleinen Autos zum Einsatz.

Großen Wert legt der 58-Jährige auf die Stromversorgung seiner Bahnen. „Bei Carrera geht mit jeder Steckverbindung Leistung verloren“, erklärt er. Bei längeren Strecken mache das eine zusätzliche Energieeinspeisung erforderlich. Um dieses Problem zu beheben, hat Dannert Powerslots entwickelt. Die Module werden an der Unterseite der Fahrbahn montiert. Nicht die Edelstahlstreifen an der Oberfläche leiten den Strom, sondern Kupferkabel und Steckverbindungen aus Messing – quasi unterirdisch.

Den einzelnen Modulen liegen komplexe Montagearbeiten zugrunde. Die meisten Arbeitsschritte erfolgen in Handarbeit.

Die Mitarbeiter der Schwesterfirma am Standort Mangenberger Straße in Solingen führen die komplexen Montagearbeiten für die Harrel GmbH & Co. aus. Unter diesem Namen produziert und verkauft Harald Dannert seine Rennbahn. „Unser Produkt wird zu 100 Prozent in Deutschland gefertigt, größtenteils in Handarbeit“, ist dem Geschäftsführer wichtig. Von der Konfektionierung der Kabel bis zum Löten der Kontaktstellen werden die einzelnen Module Schritt für Schritt zusammengebaut. Der modulare Ansatz ermögliche es, Bahnen sukzessive auszubauen. Bis zu acht Spuren seien auf einer Anlage möglich.

Wenngleich sich Harrel qualitativ von Carrera absetzen möchte, hat sich Dannert bei der Produktentwicklung am Standard des Marktführers orientiert. Bedeutet: Harrel-Module sind über ein Adaptermodul mit Carrera-Produkten kompatibel. Zudem sind alle gängigen Autos in den Maßstäben 1:24 und 1:32 für die bergische Rennbahn geeignet.

Die kleinteilige Herstellung sorgt dafür, dass die Harrel-Produkte hochpreisig sind. Wer sich über den Online-Streckenplaner einen Kurs erstellt, landet schnell bei Kosten im mittleren vierstelligen Bereich. „Wir bauen ein Spielzeug für erwachsene Kinder“, betont Harald Dannert. Wer Slotcar-Racing als Hobby betreibt, sei bereit, für seine Leidenschaft tief in die Tasche zu greifen. Weitere Zielgruppen seien Autorennbahn-Clubs und die Eventbranche. Beispielsweise bei Firmenfeiern seien die Anlagen Hingucker.

Alle gängigen Autos, die beispielsweise auf Carrera-Bahnen fahren können, sind auch für die Solinger Slotcar-Straße geeignet.

Die Corona-Krise hat die Entwicklung von Harrel ausgebremst. Vor der Pandemie präsentierte Dannert sein Produkt bei Messen, darunter die Essen Motor Show. Momentan stoßen die Kunden vor allem über das Internet auf die Solinger Firma. „Interessanterweise ist das Interesse aus dem Ausland größer“, stellt der Geschäftsführer fest. Wenn sich das Infektionsgeschehen beruhigt hat, möchte der 58-Jährige in die Offensive gehen, unter anderem mit Tagen der offenen Tür.

Um die Slotcar-Straße an den Markt zu bringen, war eine Investition im siebenstelligen Bereich notwendig Dass er sich in einer Nische bewegt, ist Harald Dannert bewusst. Doch er ist vom eingeschlagenen Weg überzeugt: „Unsere Qualität wird sich durchsetzen.“

www.harrel-rs.com

PKKT

Die Geschichte der Solinger PKKT GmbH geht auf das Jahr 1917 zurück. Bis Ende 2019 existierte das Unternehmen als Philipp Kron GmbH. 2010 wurde Harald Dannert Teilhaber des Fachunternehmens für Kunststofftechnik, 2015 übernahm er den Betrieb vollständig.

www.pkkt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

„Dohrmänner“ bauen meist jenseits der Stadtgrenze
„Dohrmänner“ bauen meist jenseits der Stadtgrenze
„Dohrmänner“ bauen meist jenseits der Stadtgrenze
Gedore erhöht Schlagkraft mit dem Hammer
Gedore erhöht Schlagkraft mit dem Hammer
Gedore erhöht Schlagkraft mit dem Hammer
Glitzerpulver soll Getränken das gewisse Etwas geben
Glitzerpulver soll Getränken das gewisse Etwas geben
Glitzerpulver soll Getränken das gewisse Etwas geben
Metaller schreiben Industriegeschichte
Metaller schreiben Industriegeschichte
Metaller schreiben Industriegeschichte

Kommentare