Andréa Pernot-Barry geht dahin, wo es süß ist

Beim Entwickeln und Herstellen neuer Süßigkeiten gehört die Dragiertrommel zu Andréa Pernot-Barrys Werkzeugen. Foto: Christian Beier
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Beim Entwickeln und Herstellen neuer Süßigkeiten gehört die Dragiertrommel zu Andréa Pernot-Barrys Werkzeugen.

Solingerin hat sich auf Beratung von Firmen aus der Süßwarenindustrie spezialisiert.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Nicht nur vor Weihnachten verbringt Andréa Pernot-Barry mehr Zeit vor Süßigkeitenregalen als die meisten anderen Menschen. „Manchmal habe ich Angst, dem Supermarktpersonal aufzufallen“, sagt sie lachend. Es sind keine Heißhungerattacken, die die 56-Jährige in ihren Bann ziehen. Vielmehr handelt sie aus beruflichem Interesse. Schließlich muss die Beraterin der Süßwarenindustrie über aktuelle Trends der Branche im Bilde sein.

Andréa Pernot-Barry ist Quereinsteigerin. Sie kam in Paris als Tochter einer deutschen Mutter zur Welt, die Erziehung erfolgte zweisprachig. Beruflich zog es die gelernte Agraringenieurin nach Hamburg. Ihr Arbeitgeber produzierte auch Rohstoffe für Süßwarenhersteller. „Dort bin ich mit dem Thema in Kontakt gekommen“, erzählt Pernot-Barry. Sie heuerte bei einem Beratungsunternehmen in Aachen an, ehe sie Technische Direktorin der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) in Solingen-Gräfrath wurde. 15 Jahre lang bekleidete sie diesen Posten.

Bereits 1997 hat Pernot-Barry die DataSweet Online GmbH gegründet. Während ihres Engagements an der ZDS betrieb sie das Geschäft nach Feierabend und an den Wochenenden. Seit ihrem Abschied aus Gräfrath im Jahr 2013 konzentriert sie sich vollständig auf ihre Firma. „Das war eine sehr gute Entscheidung. Ich kann mich frei bewegen und bin meine eigene Chefin“, sagt die 56-Jährige. Und nach mehr als 30 Jahren in der Branche verfüge sie über genügend Kompetenz und Kontakte, um ihr Geschäft erfolgreich zu führen.

Andréa Pernot-Barry hat Kontakt zu Kunden auf der ganzen Welt

Mit einer Angestellten arbeitet sie vom Tückmantel-Haus in der Solinger Innenstadt aus. Viel spielt sich zudem im Ausland ab. Die DataSweet Online GmbH hat Kunden auf der ganzen Welt. Der Corona-Pandemie geschuldet fanden viele der Gespräche und Seminare in den zurückliegenden fast zwei Jahren online statt.

Andréa Pernot-Barry versteht ihr Angebot ganzheitlich. „Ich kann meine Kunden zu Trends beraten, Vorträge über die Branche im Allgemeinen, Rohstoffe und Maschinen halten“, erzählt sie. Einen Schwerpunkt bilde die Arbeit an Rezepten. Beispiel: Ein Kunde kontaktiert die Ingenieurin, weil sein Fruchtgummi nach kurzer Zeit beginnt, an der Verpackung zu kleben. Daraufhin schaut sich Pernot-Barry die Zusammensetzung der Rohstoffe an und sucht nach Lösungen für das Problem.

Die 56-Jährige unterstützt Unternehmen darüber hinaus bei der Entwicklung neuer Produkte. In einem aktuellen Fall berät sie einen Betrieb, der eigentlich auf die Herstellung von Zusatzstoffen für die Pharma- und Lebensmittelindustrie spezialisiert ist. Diese Firma möchte nun eigene Gummiartikel auf den Markt bringen. In Kursen mit den Mitarbeitern arbeitet Pernot-Barry heraus, welche Anforderungen das Produkt erfüllen muss. Daraus wird eine Rezeptur entwickelt und in kleinem Maßstab gefertigt. Kommt die Süßigkeit an, bietet die Ingenieurin auch Unterstützung bei der Auswahl der richtigen Maschinen und Prozesse für die Produktion an, holt Angebote von Herstellern ein. „Am Ende steht die industrielle Fertigung.“

So verbringt die Unternehmerin die Weihnachtstage

Gefragt seien derzeit vor allem Gummi- und Gelee-Artikel mit einem gesunden Anstrich, beispielsweise Fruchtgummi mit Vitaminen oder Proteinen. Aus Ländern, die Cannabis freigegeben haben, häufen sich zudem Anfragen zu Hanf-Süßigkeiten – mit und ohne berauschende Wirkung. Häufig gehe es auch darum, Artikel, die etwa in den USA erfolgreich sind, für andere Märkte zu adaptieren.

Was macht eine gute Süßigkeit aus? Auf diese Frage hat Andréa Pernot-Barry einen professionellen Blick: „In erster Linie gute Rohstoffe, ein guter Fertigungsprozess und spannende Technologien.“ Knapp zehn Jahre sei es her, dass sie ein neues Produkt zum letzten Mal vollends überzeugte: Bonbons, die sich im Mund auf der einen Seite warm und auf der anderen kalt anfühlen. Auch für Fruchtgummi, das bei der Kombination verschiedener Geschmacksrichtungen ein neues Aroma entfaltet, kann sie sich begeistern.

Trotz solcher Innovationen halten sich Klassiker wie Gummibärchen, Kinderriegel und Snickers seit Jahrzehnten in den Regalen. Ein Ausdruck mangelnder Kreativität der Branche? Nein, findet die Fachfrau. Vielmehr spreche diese Tatsache für die Qualität der Süßwaren. „Die Produkte dürfen auch nicht zu kompliziert werden, sonst kommen die Kunden nicht mehr mit.“

Die Weihnachtsfeiertage verbringt Andréa Pernot-Barry mit ihrer Familie. Ihre Liebsten verwöhnt sie nicht mit Plätzchen, sondern selbst gemachten Pralinen. „Würde ich mit leeren Händen auftauchen, gäbe es Ärger.“

Unternehmen

Die DataSweet Online GmbH hat ihren Sitz in der Solinger Innenstadt. Im dortigen Tückmantel-Haus befinden sich ein kleines Labor sowie ein Seminarraum. Andréa Pernot-Barry berät Hersteller in der Süßwarenindustrie im technischen Bereich sowie in Sachen Produktentwicklung. Zudem bietet sie Schulungen und Trainings an. Weitere Informationen: www.datasweet.info/de

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