Serie „Ich bin mein eigener Chef“

Seine Drohnen retten Rehkitze vor Mähdreschern

Game of Drones – Coptertec-Geschäftsführer Fabian Briese baut und programmiert Drohnen für Kunden in aller Welt. Mittels der unbemannten Flugobjekte produziert er zudem Bild- und Videomaterial für Konzerne wie Huawei, Obi oder die Deutsche Post. Foto: Fabian Briese
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Game of Drones – Coptertec-Geschäftsführer Fabian Briese baut und programmiert Drohnen für Kunden in aller Welt. Mittels der unbemannten Flugobjekte produziert er zudem Bild- und Videomaterial für Konzerne wie Huawei, Obi oder die Deutsche Post.

WERMELSKIRCHEN Coptertec produziert und programmiert seit 2013 die Fluggeräte mit vielerlei Einsatzmöglichkeiten. Vater des Erfolgs: Fabian Briese.

Von Daniel Dresen

Wer Fabian Briese (27) kennenlernt, trifft auf einen jungen Mann, von dem man aufgrund seiner angenehmen, zurückhaltenden Art erst einmal nicht erwartet, dass er ein sehr erfolgreiches Unternehmen führt. Er ist kein größenwahnsinniger Lautsprecher. Beim zweiten Blick stellt man allerdings fest, dass Brieses Bescheidenheit seine größte Stärke ist, mit der er seine Firma Coptertec seit 2013 leitet. Im beschaulichen Wermelskirchen aufgewachsen, ist Briese seit Kindesbeinen ein echter Naturbursche.

Seine Werkstatt liegt nicht zufällig abgelegen in Kürten mit Blick auf ein Waldgebiet, wo ihn Rehe bei Probeflügen mit seinen Drohnen beobachten. Die Liebe zum Modellflug und seine Faszination für Luftaufnahmen haben den Bachelor of Electrical Engineering zum Drohnenbau geführt.

Jede Drohne wird individuell nach den Bedürfnissen des Kunden angefertigt. Drohnen mit Wärmebild-Kamera zählen zu seinen Verkaufsschlagern. Im ländlichen Raum werden sie zur Rehkitz-Rettung eingesetzt. Um die Rehkitze vor dem sicheren Tod im Getreidefeld durch den Mähdrescher zu bewahren, erfassen die unbemannten Flugobjekte per Wärmebild die Tiere und melden die Informationen an einen Empfänger weiter. Heute gilt Coptertec in Branchenkreisen als der Weltmarktführer in Sachen Rehkitz-Rettung. Auf Europas größter Jagdmesse „Jagd & Hund“ in den Dortmunder Westfalenhallen präsentierte er sich und „Bambis Lebensretter“. „Vom Begriff Jagddrohne möchte ich mich aber distanzieren, weil sie schließlich Rehkitz-Leben retten und keine Jagdwaffe sind“, erklärt Briese.

Dass die Bundeswehr seine Drohnen mit Wärmebild-Kamera bereits unter die Lupe genommen hat, schmeichelt ihn. Dennoch möchte er aktuell keine Drohnen bauen, die man bei Kampfeinsätzen nutzen kann. Briese baut und programmiert Drohnen zur zivilen Nutzung – und das erfolgreich für Kunden rund um den Globus. Im Land des Lächelns, in China werden Drohnen bereits vielfältig eingesetzt.

Auf Reisfeldern verteilen sie Pestizide auf unwegsamem Gelände. Kamera-Drohnen mit hohem optischem Zoom werden bei der Wartung von Strommasten eingesetzt. Programmiert wurden sie von Briese in seiner kleinen, abgelegenen Werkstatt in Kürten.

Für die Deutsche Fußball Liga zeichnet er Videomaterial auf

Neben dem Bau und der Programmierung von Drohnen hat Coptertec weitere Standbeine: Die Firma bietet zusammen mit dem erfahrenen Modellfluglehrer Hermann Irle Flugstunden für noch unerfahrene Drohnenpiloten an. Briese übernimmt dabei die theoretische Ausbildung. Er informiert vor allem über die komplizierte Rechtslage bei Drohnen-Flügen. Seine Theorie-Kurse sind mittlerweile auch in Österreich gefragt. Zusammen mit dem Kölner Kameramann Daniel Toelke produziert er Videomaterial für große Konzerne. Der chinesische Handyriese Huawei, Obi oder die Deutsche Post zählen zu seinen Kunden.

Briese profitiert dabei auch von Toelkes internationalen Geschäftsbeziehungen und dem geschulten Blick des Kameramanns, der den jungen Drohnenpilot durch Regieanweisungen beim Dreh unterstützt. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Dienste von Coptertec schon mehrfach in Anspruch genommen. Für einen Filmbeitrag über den Standort des ehemaligen Bökelberg-Stadions in Mönchengladbach, ließ Briese seine Drohne über dem derweil entstandenen Wohngebiet kreisen, indem die alten Strukturen der Arena erhalten geblieben sind. Der Filmbeitrag war Teil der Bundesliga-Berichterstattung im Ausland.

Dass Briese Sinn für Humor besitzt, beweisen die Aufnahmen, die er für die Internetseite der DFL produziert. Seit 2015 lässt die DFL Quietscheenten der 18 Bundesliga-Clubs in einem Hallenbad bei einem Wettschwimmen gegeneinander antreten – in der sogenannten „BunDucksLiga“. Aktueller Meister ist Leverkusens Badeente Ruuuudi, deren Trainingsgewässer laut DFL-Angaben die Dhünn ist. Das ganze Schauspiel wird von Kommentatoren-Legende Frank Buschmann begleitet. Auch wenn Brieses Ausflug in die Unterhaltungsbranche ihm großen Spaß bereitet hat, will er sich langfristig mit Coptertec aus Wermelskirchen im Bereich Industrie und Landwirtschaft etablieren – ohne Größenwahn, aber vom Ehrgeiz gepackt.

SERIE

SELBSTSTÄNDIG Der RGA stellt in der Reihe „Ich bin mein eigener Chef“ Gründer aus der Region vor, die den Weg in die Selbstständigkeit gegangen sind. 

KONTAKT Coptertec, Neuenweg 60, 42929 Wermelskirchen, Tel.: (02196) 8 899 091, E-Mail: info@coptertec.de. Weitere Informationen zur Firma sowie ein Onlineshop unter: www.coptertec.de. Telefonische Supportzeiten: Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr.

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