Schornsteinfeger-Werkzeug

Schornifix ist der Lieferant der Glücksbringer

Uwe Kuschmierz (M.), hier mit Lothar Saboldt (l.) und Dirk Rosenbaum baut und verkauft Schornsteinfegerwerkzeug. Foto: Roland Keusch
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Uwe Kuschmierz (M.), hier mit Lothar Saboldt (l.) und Dirk Rosenbaum baut und verkauft Schornsteinfegerwerkzeug.

Uwe Kuschmierz aus Remscheid produziert und vertreibt Schornsteinfeger-Werkzeug.

Von Peter Klohs

Remscheid. In manchen Gegenden des Landes hält sich hartnäckig der Gedanke, dass Schornsteinfeger Glücksboten sind. Seinen Ursprung hat dieser Aberglaube im Mittelalter, einer Zeit, als Häuser noch leichter und häufiger Feuer fingen und der Schornsteinfeger durch seine Arbeit die eigenen vier Wände schützte und somit Glück brachte. Hat sich dieser Glaube auch auf Berufsstände ausgeweitet, die täglich mit Schornsteinfegern zu tun haben, ohne welche zu sein?

Wenn jemand diese Frage beantworten kann, dann Uwe Kuschmierz. Seine Firma Schornifix stellt Werkzeuge für Schornsteinfeger her und vertreibt sie. Die Schornsteinfeger im Bergischen gehen in seinen Geschäftsräumen an der Überfelder Straße ein und aus. „Schornsteinfeger gelten ja im ganzen Jahr als Glücksbringer“, weiß Kuschmierz, „nicht nur zum Jahreswechsel. Sie verteilen Glückstaler und kleine Figuren, die ihren Berufsstand zeigen.“ Das mache er selber nicht. „Aber direkt besehen kann ich nicht sagen, dass ich von den Glücksboten profitiere. Man berührt mich in der Regel auch nicht, weil das Glück bringen könnte. Insoweit gibt es schon deutliche Unterschiede zu den Kollegen.“

Seit 1925 ist die Siegfried Kuschmierz oHG Hersteller für Schornsteinfegerwerkzeug. Das Unternehmen wurde von Schornsteinfegermeister Karl Hilverkus gegründet und 1972 von der Familie Kuschmierz übernommen. Bis zum Jahr 1995 war der Standort des Betriebes auf der Freiheitsstraße.

Das Angebot wird ständig erweitert und modernisiert und umfasst heutzutage annähernd 1300 Artikel in unterschiedlichen Kategorien und Ausführungen. Das Unternehmen mit heute drei ständigen Mitarbeitern liefert viele Artikel unmittelbar nach der Bestellung bundesweit aus, ein Service, den Kuschmierz auch für viele Länder West- und Nordeuropas anbieten kann. Alles denkbare Zubehör für den Schornsteinfegerberuf wie Stangen, Haspeln, Ausschlaggeräte, Kehrwerkzeuge, Besen in vielerlei Formen und Größen, Sterne und Leinen bis hin zum Zubehör für Messtechnik, Arbeitskleidung und Bürobedarf ist Bestandteil des reichhaltigen Angebots. Alle Werkzeuge sind individuell herstellbar. „Unser längster Schornsteinaufsatz war sechseinhalb Meter groß. Das ist dann schon eine Nummer.“

Manches sei schon eigenartig in der Branche, verrät Uwe Kuschmierz. „Ich habe zum Beispiel keine richtige Berufsbezeichnung für das, was ich tue. Ich stelle Werkzeuge her, ja. Aber ich bin kein Werkzeugmacher. Ich stelle Besen her. Aber ich bin kein Besenbinder. Wenn ich ernsthaft nach meinem Beruf gefragt werde, sage ich zumeist: Ich stelle Werkzeuge her. Aber eigentlich bin ich Übersetzer.“ Kuschmierz schmunzelt, als er das erläutert. „Es kommt viele Male am Tag vor, dass Kunden mich anrufen und sagen: Du, Uwe, ich brauche so ein Dings, du weißt schon. Und meistens weiß ich es tatsächlich.“

Kuschmierz weiß auch, wie seine Kunden, Schornsteinfeger und andere Handwerker „ticken“. Er selbst hat Elektriker und Küchenbauer gelernt und ist schon früh in den elterlichen Betrieb integriert gewesen. Er erzählt leidenschaftlich und humorvoll aus der Lehrzeit, seine Berichte sind voller Anekdoten über die ersten Berufserfahrungen. Keine Frage: Uwe Kuschmierz hat viel erlebt und gibt sein Wissen und seine Erfahrung auch gerne weiter.

„Eigentlich bin ich Übersetzer.“
Uwe Kuschmierz

Dirk Koonen, örtlicher Schornsteinfegerbevollmächtigter, schaut mal eben bei Uwe Kuschmierz rein, fragt: „Hast du so eine Dichtung?“ und erntet Kopfschütteln. Ein kleiner humorvoller Schwatz mit dem Kollegen schließt sich an.

Kuschmierz wirkt geerdet in seinem Beruf. „Das Schornsteinfegerhandwerk wandelt sich stetig“, weiß er. „Zur Zeit ist das Thema Klima und Raumluft aktuell. Der Nachteil daran ist, dass viel Wissen verlorengeht. Alles wird moderner und unterliegt Änderungen. Auch wir.“ Aber eins scheint gewiss: Auch in zehn Jahren wird es Uwe Kuschmierz und sein Unternehmen noch geben. „Und auch dann werde ich noch wissen, was der Kollege für ein Dings braucht.“

Hintergrund

„Es war nie eine Frage, dass ich den elterlichen Betrieb übernehme“, sagt Uwe Kuschmierz. „Ich bin da von Kindheit an reingewachsen.“ Sein Unternehmen arbeitet hauptsächlich für Schornsteinfeger und stellt Werkzeuge für diesen Berufszweig her.

schornifix.de

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