Branche

Schneidwarenindustrie erzielt Umsatzplus

Im Februar 2020 konnte die Ambiente noch stattfinden. Wenig später erreichte die Pandemie Deutschland mit voller Wucht. Archivfoto: Sven Schlickowey
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Im Februar 2020 konnte die Ambiente noch stattfinden. Wenig später erreichte die Pandemie Deutschland mit voller Wucht.

Mit der Ambiente ist die wichtigste Messe der Branche ausgefallen.

Solingen. Die deutsche Schneid- und Haushaltswarenindustrie trotzt der Krise. Im Corona-Jahr 2020 stieg der Gesamtumsatz der Branche um knapp ein Prozent auf rund 2,4 Millionen Euro. „Mehrheitlich war das vergangene Jahr gar nicht so schlecht“, zieht Jens-Heinrich Beckmann ein durchaus positives Fazit.

Der Geschäftsführer des Industrieverbandes Schneid- und Haushaltswaren (IVSH) mit Sitz in Solingen weiß allerdings, dass nicht in allen Betrieben eine positive Entwicklung zu spüren ist. Klar zu den Gewinnern gehörten im vergangenen Jahr die Hersteller von Kochgeschirr mit einem Plus von 7,6 Prozent. Die Messerhersteller bewegten sich auf Vorjahresniveau. Nach unten zeigte der Pfeil 2020 dagegen in der Besteckindustrie. Sie verzeichnete einen Umsatzrückgang von 5 Prozent. „Hier hat sich die Schließung der Gastronomie ganz deutlich negativ ausgewirkt“, erläutert Beckmann.

„Wir haben so viel zu tun wie selten.“

Dr. Karl-Peter Born, Güde-Geschäftsführer

Normalerweise verkündet der IVSH die Jahresbilanz der Branche während der Ambiente. Im Februar des vergangenen Jahres konnte die Konsumgütermesse in Frankfurt noch stattfinden, bevor die Corona-Krise Deutschland mit voller Wucht erreichte. In diesem Jahr fällt sie der Pandemie zum Opfer. Als Ersatz findet heute mit dem „Consumer Goods Digital Day“ ein „digitaler Treffpunkt für die Branche“ statt, kündigen die Veranstalter an. „Daran nehmen sicherlich einige Mitglieder unseres Verbandes teil. Mit der Ambiente ist das Angebot logischerweise aber nicht zu vergleichen“, betont Jens-Heinrich Beckmann.

Die Schneid- und Haushaltswarenindustrie muss 2021 dementsprechend das erste Mal pandemiebedingt auf ihre wichtigste Messe verzichten. Der Verbandsgeschäftsführer vermutet kurzfristig eher geringe Auswirkungen: „Die Betriebe werden merken, dass sie sich die Ausstellerkosten sparen, die Umsätze aber trotzdem stimmen.“ Mittel- und langfristig ist die Ambiente Beckmann zufolge allerdings nicht wegzudenken. Zu wichtig seien die internationalen Kontakte und die weltweite Aufmerksamkeit.

Wohl aber ist die aktuelle Pause eine gute Gelegenheit, über die zukünftige Ausrichtung der Veranstaltung nachzudenken, sagt Jens-Heinrich Beckmann. Laut einer IVSH-Umfrage stellen auch einige Betriebe die Art ihres Messeauftritts auf den Prüfstand. Das sei an sich keine schlechte Entwicklung. Durchaus biete eine Neuausrichtung Chancen. Der Verbandsgeschäftsführer schränkt jedoch ein: „Die Ambiente darf in den kommenden Jahren zum Beispiel nicht deutlich kleiner oder weniger beeindruckend sein.“ Ansonsten drohe eine Negativspirale.

Ob die Messe je wieder so viele Besucher wie in den vergangenen Jahren anzieht, müsse die Zukunft zeigen, sagt Dr. Karl-Peter Born. In diesem Jahr kann seine Messermanufaktur Güde den Ausfall allerdings bestens verschmerzen: „Wir haben so viel zu tun wie selten.“ Ein Ende der Nachfrage von Privathaushalten sei nicht in Sicht.

In Zeiten ausfallender Messen gehen die Betriebe neue Wege. „Wir haben schon frühzeitig verstanden, diese Veranstaltungen durch sinnvolle, neue Lösungen zur Kontaktaufnahme mit unseren Handelskunden und Konsumenten zu ersetzen“, erklärt beispielsweise Christian Mahlke. Er ist bei Wüsthof unter anderem für den Europa-Vertrieb zuständig. Bereits 2020 hat der Solinger Messerhersteller eine „B2B-Academy“ initiiert. Dabei handelt es sich um ein Video-Format, das nationale und internationale Vertriebspartner unterstützen soll. Unter anderem beinhalten die Clips Informationen zu Schneidlösungen, Messerserien sowie individuelle Werbe-Angebote.

Die Verantwortlichen der Messe Frankfurt versprühen derweil Optimismus. Sie kündigen „die nächste physische Ambiente“ für den Zeitraum vom 11. bis zum 15. Februar 2022 an.

Geschäftsentwicklung 2021

Während das abgelaufene Geschäftsjahr durchaus erfreulich für die Branche endete, startete 2021 Jens-Heinrich Beckmann zufolge deutlich verhaltener. „Die Konsumenten sind zunehmend verunsichert“, erklärt der Geschäftsführer des Industrieverbands Schneid- und Haushaltswaren (IVSH). Zudem beobachtet er die Entwicklungen im vom Lockdown geplagten Fachhandel mit Sorge. Zwar zog 2020 das Online-Geschäft bei den meisten Herstellern deutlich an. „Wir brauchen den Fachhandel aber weiterhin. Wer an Messern oder Bestecken interessiert ist, möchte sie vor dem Kauf in der Hand halten“, zeigt sich Jens-Heinrich Beckmann überzeugt.

www.ivsh.de

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