Energiekosten

Saunen blicken sorgenvoll auf den Winter

H2O-Chef Christian Liese fürchtet, dass der Saunabetrieb im Winter komplett eingestellt werden muss.
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H2O-Chef Christian Liese fürchtet, dass der Saunabetrieb im Winter komplett eingestellt werden muss.
  • Manuel Böhnke
    VonManuel Böhnke
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Unter anderem reduzierte Öffnungszeiten sollen dazu beitragen, Energie zu sparen.

Bergisches Land. Der Deutsche Sauna-Bund schlägt Alarm: Jeder vierten der etwa 2100 öffentlichen Saunen in Deutschland drohe angesichts steigender Kosten und möglicher Energie-Engpässe das Ende. „Wir befürchten das Schlimmste“, bestätigt Stefanie Ising. Sie ist die Chefin der Aquarena-Sauna. Seit dieser Woche bleibt der Solinger Betrieb montags und dienstags geschlossen. Mit den Maßnahmen lassen sich Ausgaben für Energie und Personal an den beiden ruhigsten Wochentagen sparen. Auch andere Saunen in der Region reagieren auf die Krise.

Bereits im Juli hat die Anlage im H2O der Remscheider Stadtwerke ihre Öffnungszeiten reduziert. Durch diesen Schritt erhofften sich die Verantwortlichen ein Einsparpotenzial von 5000 bis 10 000 Kilowattstunden pro Monat. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Sauna montags vorerst gar nicht mehr öffnet, um die Energiesparvorgaben zu erfüllen.

Dominik Baumbach möchte die Birkensauna in Haan-Gruiten zur ersten klimaneutralen Sauna in NRW machen.

„In der Tat ist zu befürchten, dass der Saunabetrieb in den Wintermonaten komplett eingestellt werden muss“, erklärt H2O-Leiter Christian Liese auf Nachfrage. Dieser Schritt wäre mit Blick auf die Gesundheit der Gäste „fatal“. Und aus auch betrieblicher Sicht hätte ein Wegfall der Sauna-Einnahmen erhebliche Folgen. Zumal die Anlage auch bei Stillstand gepflegt werden müsste, um im Frühjahr wieder in Betrieb gehen zu können. Hinzu komme, dass die Mitarbeiter im Ernstfall das Thema Kurzarbeit wieder einholen würde.

Die Krise trifft die Branche doppelt. Denn die Nachfrage hat sich bislang nicht vollständig von den Corona-Einschränkungen erholt. In der H2O-Sauna lagen die Besucherzahlen zwischen Januar und Juli dieses Jahres etwa 20 Prozent unter dem Niveau von 2019, führt Liese aus.

Stefanie Ising berichtet Ähnliches. „Normalerweise bilden Saunen im Winter Rücklagen für den Sommer, der traditionell etwas schlechter läuft“, erklärt sie. Das sei während der Corona-Pandemie nicht möglich gewesen. Nun schlagen die Energiepreise, die rund die Hälfte der Betriebskosten ausmachen, voll durch. Die Aquarena-Saunen werden mit Strom betrieben, für Heizung, Pool und Warmwasserversorgung sei Gas notwendig. Den Betrieb kurzfristig auf andere Energieträger umzustellen, sei nicht praktikabel.

So bleibt Stefanie Ising, ihren drei festangestellten Mitarbeitern und mehreren Aushilfen nur die Hoffnung, mit einem blauen Auge über den Winter zu kommen. Denn die Mehrkosten lassen sich nicht auf die Kunden abwälzen: „Sonst kommt niemand mehr.“ Bereits jetzt leide die Nachfrage unter den allgemeinen Preissteigerungen und der Inflation. „Die Kundenzahl ist gesunken. Manche kommen nur noch alle zwei Wochen statt wöchentlich oder bleiben ganz zu Hause, weil sie es sich nicht mehr leisten können.“

Sorgenvoll blickt Dominik Baumbach vor allem auf eine mögliche Gas-Rationierung im Winter. Dann, fürchtet er, könnten die zwei Aufgusssaunen der Birkensauna in Haan-Gruiten stillstehen. „Das sind für unseren Betrieb natürlich die wichtigsten Publikumsmagneten“, betont der 32-jährige Geschäftsführer.

Die neun weiteren Saunen lassen sich mit Strom betreiben. Fünf davon wurden nachgerüstet, um weniger abhängig von der Gasversorgung zu sein. Nicht die einzige Investition, die die Birkensauna getätigt hat: Seit wenigen Monaten werden zwei Schwimmbecken und ein Whirlpool per Luft-Wärme-Pumpe beheizt. Zudem haben die Verantwortlichen in ein effizientes Blockheizkraftwerk investiert.

Stefanie Ising von der Solinger Aquarena-Sauna stellt bei den Gästen eine zunehmende Zurückhaltung fest.

Rund eine Million Euro kosteten die zum Teil förderfähigen Maßnahmen. Der Schritt soll sich auszahlen: Alleine durch die drei Luft-Wärme-Pumpen erhofft sich Dominik Baumbach eine monatliche Einsparung im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Die Birkensauna verfolgt ein ehrgeiziges Ziel, befeuert durch die Energiekrise: „Wir wollen die erste klimaneutrale Sauna in Nordrhein-Westfalen werden.“ Diesbezüglich befinde man sich mit dem Land im Gespräch. Wo sich keine Emissionen einsparen lassen, sollen Ausgleichsmaßnahmen finanziert werden. Baumbach betont: „Das ist ein langwieriger Prozess, aber wir haben uns auf den Weg gemacht.“

Verband

Jüngst hat der Deutsche Sauna-Bund Hilfe für die Branche gefordert. „Öffentliche Saunaanlagen sind systemrelevant. Das Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten reicht bei weitem nicht mehr aus, um die Existenz der Betriebe zu sichern“, betonte Geschäftsführer Martin Niederstein.

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