ClayClaim

Remscheider knetet sich zu mehr als 400 Millionen Aufrufen bei Youtube

ClayClaim und seine Werke: Jede Woche postet Simon Haase ein Video, in dem er zeigt, die er bekannte Figuren aus Videospielen aus Fimo modelliert. Daraus ist inzwischen ein Unternehmen geworden
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ClayClaim und seine Werke: Jede Woche postet Simon Haase ein Video, in dem er zeigt, die er bekannte Figuren aus Videospielen aus Fimo modelliert. Daraus ist inzwischen ein Unternehmen geworden.

Der Remscheider Simon Haase hat um seinen Youtube-Kanal ein eigenes Unternehmen aufgebaut.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Mit kleinen Männchen in die große weite Welt: Dank Videos, in denen er die Entstehung von Knet-Figuren dokumentiert, hat der Remscheider Simon Haase Millionen Fans überall auf dem Planeten – und inzwischen auch ein Unternehmen mit acht Angestellte. In einem nächsten Schritt möchte er ein Studio für Stop-Motion-Filme in Remscheid etablieren.

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Keimzelle der Aktivitäten ist ein Youtube-Kanal mit mehr als drei Millionen Abonnenten. Hier veröffentlicht Simon Haase unter dem Namen ClayClaim pünktlich jeden Freitag ein neues Video. In den Clips zeigt er, wie er bekannte Charaktere zum Beispiel aus Videospielen extrem detailgetreu aus Fimo modelliert. Kommentiert in Englisch. Und meist auch recht launig. Zum Beispiel wenn Haase eine Figur baut, die sich Frühstücksflocken in den Hals schüttet – und dabei selber welche mampft. Auf mehr als 400 Millionen Aufrufe kommen die Videos bisher.

„Darauf sind wir sehr stolz.“

Simon Haase über die Werkzeug-Serie, die er mit verschiedenen Remscheider Firmen aufgelegt hat

In seinen Clips Englisch zu sprechen, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Simon Haase: „Ich dachte mir, wenn es floppt, verbessere ich zumindest meine Sprachkenntnisse. Wenn es klappt, habe ich eine höhere Reichweite.“ Heute leben rund zwei Drittel seiner Fans in Nord-Amerika. Und dank anderer sozialer Medien ist er auch in Thailand und auf die Philippinen populär. „Deutschland kommt erst an achter oder neunter Stelle.“

In die USA und nach Kanada gehen auch die meisten Bestellungen aus dem Online-Shop, den Simon Haase aufgebaut hat. Zum einen weil es dort besonders viele ClayClaim-Fans gibt. Zum anderen, weil Fimo-Hersteller Staedtler keinen eigenen Vertrieb in Nordamerika unterhält. Aber selbst für alle, die auch auf anderem Weg an die Knetmasse kämen, hat Haases Firma ein passendes Angebot: Zu vielen Figuren, die er in seinen Videos baut, gibt es fertige Sets zum Nachbauen, die neben der richtigen Menge Fimo in den richtigen Farben auch benötigtes Zubehör wie Draht, Kugeln oder eine Acryl-Platte enthalten.

Und auf Wunsch auch das notwendige Werkzeug, mit dem man die feinen Modellierungen hinbekommt. Anfangs habe er noch Produkte von Staedtler angeboten, berichtet Haase. Doch als die Ware aus Asien in der Krise auf den Weltmeeren feststeckte, legte er mit Hilfe von Remscheider Werkzeugfirmen eigene Geräte auf. „Darauf sind wir sehr stolz.“

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Denn während seine Videos überall auf der Welt gesehen werden, ist Simon Haase fest im Bergischen verwurzelt. „Klar wäre ich mit dem, was ich mache, in Düsseldorf oder Köln auch gut aufgehoben“, sagt er. Doch fortzugehen, sei ihm nie in den Sinn gekommen. Stattdessen hilft er lieber mit, seine Heimatstadt für junge Unternehmen attraktiver zu machen, zum Beispiel als Gründer und Vorstandsmitglied beim Verein Gründerschmiede, der den Remscheider Coworking-Space und Inkubator Gründerquartier betreibt.

Neben Online-Shop und Youtube-Kanal, die Videoplattform beteiligt die Ersteller an den Werbeerlösen, hat ClayClaim zwei weitere Standbeine: Marken-Deals mit anderen Firmen, bei denen Haase zum Beispiel Figuren aus neuen Computerspielen präsentiert, um das Spiel zu promoten, und die Social-Payment-Plattform Patreon. Die ermöglicht es Fans, Künstler direkt unterstützen.

Insbesondere bei dem Film, an dem das ClayClaim-Team gerade arbeiten. Überall im Studio stehen große Kulissen, die in monatelanger Handarbeit gestaltet wurden. Und nun Maulwürfen und Mäusen aus Knetmasse als dystopischer Set für einen interaktiven Film dienen, bei dem der Zuschauer an bestimmten Punkten den Fortgang der Handlung bestimmen können. „Das ist natürlich ideal für Streaming-Dienste wie Netflix“, sagt Simon Haase. Erste Gespräche gebe es bereits. Und im nächsten Jahr wohl auch einen ersten Trailer.

Erfolg entstehe, wenn Talent, Leidenschaft und Bedarf zusammenkommen, ist Simon Haase überzeugt. Und selber das beste Beispiel dafür. Zum Kneten kam er, als er sich daran erinnerte, was ihn als Kind glücklich gemacht hatte – und dafür seine nach dem Studium gegründete Online-Agentur aufgab. Die Figuren aus Videospielen wie Pokemon, Among Us und Fortnite, die mit ihrer Popularität wesentlich zum Erfolg seines Youtube-Kanals beigetragen haben, findet er auch ganz cool: „Die Community spürt es, wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist.“

Nur Zeit, die Spiele selber zu spielen, habe er kaum, sagt der Remscheider: „Irgendwer muss die Figuren ja noch kneten.“

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