Wirtschaft in schwierigen Zeiten

Wie bergische Firmen durch die Corona-Krise kommen

Koch René Steinbach (li.) und Moderator Jens Harald Herzberg sind für Wüsthof im Netz aktiv.
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Koch René Steinbach (li.) und Moderator Jens Harald Herzberg sind für Wüsthof im Netz aktiv.

Caterer statt Kantine, Workshops im Netz, Suche nach Aushilfen: Bergische Firmen in der Corona-Zeit.

Von Stefan Gilsbach und Sven Schlickowey

Remscheid/Bergisches  Land. Zurzeit bekommt Paul Clemens jeden Tag zahlreiche E-Mails von Mitarbeitern des Gebäudetechnikspezialisten Gira aus Radevormwald. „Mit viel Lob und Dank“, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter der Team Gastronomie GmbH aus Remscheid. „Denn seit mehr als drei Wochen haben wir die Verpflegung der Gira-Beschäftigten an beiden Standorten des Unternehmens übernommen.“

Aus Gründen des Gesundheitsschutzes hatte Gira entschieden, den eigenen Küchenbetrieb, aus dem seine beiden Bistros normalerweise versorgt werden, vorsorglich zum 24. März zu schließen und einen Caterer mit der Essensversorgung zu beauftragen.

Remscheid: Gastronomen versorgen nun Gira mit Mahlzeiten

„Unsere eigene Küche ist darauf ausgelegt, hauptsächlich warme Speisen für den Verzehr in den Bistros anzubieten. Dies ist aber mit den Schutzmaßnahmen, die wir ergriffen haben, um der Verbreitung des Corona-Virus entgegenzuwirken, nicht vereinbar“, erläutert Personalleiterin Alexandra Ptock.

Deswegen beliefern Paul Clemens und seine vier Geschäftsführungskollegen – alle fünf gelernte Köche –, unterstützt von vier Auszubildenden, die mittelständische Technologiefirma dreimal am Tag mit frischen Mahlzeiten. „450 bis 500 Essen geben wir täglich aus, so dass Früh- und Spätschicht versorgt sind“, erklärt Paul Clemens. Alles Kaltgerichte und so verpackt, dass die Mitarbeiter sie mit zu ihren Arbeitsplätzen nehmen können.

Eine echte Win-win-Situation, kam doch für die Team Gastronomie GmbH die Anfrage von Gira gerade recht. Schließlich haben ihre insgesamt fünf Restaurantbetriebe – darunter die Klosterschänke, das Schützenhaus und die Gastronomie auf Schloss Burg in Solingen – sowie ihr Cateringservice seit Mitte März infolge der Regelungen zur Eindämmung des Corona-Virus die Tätigkeit nahezu komplett eingestellt.

„Wir haben unser Geschäft Mitte März innerhalb von zwei Tagen von 100 auf zwei Prozent zurückfahren müssen“, erklärt Paul Clemens. Alle Angestellten befinden sich seither in Kurzarbeit. „Dem Auftrag von Gira haben wir es zu verdanken, dass wir sehr wahrscheinlich mit einem blauen Auge durch diese schwierige Zeit kommen werden. Wir empfinden die Zusammenarbeit als tollen Akt der Solidarität.“

Messer-Hersteller Wüsthof kreiert eigenes Internet-Format

Auf das veränderte Verhalten der Menschen in Corona-Zeiten hat auch der Solinger Messer-Hersteller Wüsthof reagiert – und einen Teil seiner Beratungstätigkeit ins Netz verlegt. Unter dem Titel „Cutting Academy“ wurde eine Internet-Workshop-Reihe gestartet, die über die Website des Unternehmens, Facebook und Youtube abrufbar ist. Und bei der Kochprofis nicht nur den richtigen Umgang mit Messern zeigen, sondern auch Tipps für die Verarbeitung frischer Lebensmittel geben, inklusive der Möglichkeit, über ein Kommentarfeld Fragen zu stellen.

WebID-CEO Frank S. Jorga sucht dringend nach Aushilfen.

„Speziell in diesen Zeiten wird die digitale Welt noch mehr zu kontinuierlichen Begleitern der Menschen – auch in der Küche“, sagt die Firma Wüsthof, die das Format zusammen mit dem App-Anbieter KptnCook und der Kochschule Gastraum in Köln kreiert hat. 13 Folgen sind aktuell geplant, die wochentags jeweils um 11 Uhr online gehen sollen, jede soll etwa 30 Minuten dauern. Die vorgestellten Rezepte können später auch über die @kptncookapp nachgekocht werden.

WebID sucht händeringend Aushilfen in Solingen

Dass Online-Angebote derzeit besonders stark genutzt werden, merkt auch die Berliner WebID Solutions GmbH, die einen Standort mit derzeit rund 400 Mitarbeitern in der Klingenstadt unterhält – und dafür deswegen dringend Aushilfen benötigt. „Wir suchen derzeit händeringend nach Studenten für unseren Standort in Solingen, um der gesteigerten Nachfrage nach Online-Dienstleistungen bei unseren Kunden nachzukommen“, sagt CEO Frank S. Jorga.

WebID bietet Kunden die Möglichkeit, sich per Video-Chat eindeutig zu identifizieren, um so zum Beispiel online ein Konto oder einen Kredit zu beantragen oder eine Sim-Karte fürs Handy zu bekommen. Eine Dienstleistung, für die aktuell eine hohe Nachfrage herrsche, sagt das Unternehmen: „In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und geschlossenen Bankfilialen wegen des Coronavirus sind Identifizierungs-Technologien insbesondere gefragt.“

Die Corona-Hilfe der Bergischen IHK

Die Bergische IHK in Wuppertal hat auf ihrer Internetseite zahlreiche Informationen zum Thema Corona für ihre Mitglieder zusammengestellt. Zudem gibt es eine zentrale Corona-Hotline: Tel. (02 02) 2 49 05 55; www.bergische.ihk.de

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