Damit Provisorium nicht zur Dauerlösung wird

Remscheids Tischler geben Tipps für die Einrichtung des Homeoffice

Verschiebbare Regale, auf Wunsch auch mit Schallschutz, sind eine Idee, um Arbeitsbereiche abzutrennen.
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Verschiebbare Regale, auf Wunsch auch mit Schallschutz, sind eine Idee, um Arbeitsbereiche abzutrennen.

Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom arbeitete im Dezember 2020 ein Viertel aller Arbeitnehmer im Homeoffice.

Von Andreas Weber

Martin Stracke, Obermeister der Remscheider Tischlerinnung, rät dazu, im Homeoffice nicht zu lange auf Übergangslösungen zu setzen. 

Remscheid. Viele davon mussten improvisieren. Ideen liefern Tischler. „Das Laptop auf dem Wohnzimmertisch oder in der Küche sollte nicht zur Dauerlösung werden“, sagt Martin Stracke, Obermeister der Tischler-Innung Remscheid. „Der Esstisch ist meist zu hoch und der Stuhl zu niedrig, so dass die Schultern beim Schreiben hochgezogen werden.“

Wie lassen sich Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen vermeiden? „Wo ein Rückzugsort eingerichtet werden kann, hängt von vielen Faktoren ab. Wir schauen uns die Räume nach Möglichkeit vor Ort an und entwickeln mit den Kunden eine Lösung.“ So biete sich oft das Schlafzimmer an, wenn es geräumig ist, meint Stracke.

„Wichtig ist, dass genug Stauraum für Arbeitsutensilien und Ordner eingeplant wird.“

Tischlermeister Martin Stracke

Das umfangreiche Paket, das dieses Handwerk umfasst, beinhaltet auch innenarchitektonische Qualitäten. So einfach stelle man keinen Schreibtisch in das Schlafzimmer: „Laptop, Unterlagen und Utensilien sollten spätestens beim Zu-Bett-Gehen nicht mehr sichtbar sein. Sonst ist es schwieriger, von der Arbeit abzuschalten“, mahnt der 58-jährige Obermeister.

Platzsparend ist eine wegklappbare Tischplatte. „Auch in vorhandene Schränke kann oft ein Schreibtisch integriert werden. Wichtig ist, dass genug Stauraum für Arbeitsutensilien und Ordner eingeplant wird“, betont Martin Stracke.

Tischler helfen auch, den persönlichen Rückzugsort in den eigenen vier Wänden zu finden. „Manchen genügt es, einen bequemen Sessel in eine helle Ecke eines Raumes zu stellen. Beliebt sind aber auch die Sitzfenster, die – ausgestattet mit Kissen – zum Innehalten und Beobachten einladen“, stellt Stracke fest. Eine Leseecke oder gar ein kleines Atelier könne man oft mithilfe von Raumteilern abtrennen. Der Innungs-Obermeister denkt auch an verschiebbare Türen: „Sogar für Regale können wir verschiebbare Elemente fertigen, damit Schreibtisch oder das kleine Atelier hinter dem Bücherregal verschwinden.“

15 hiesige Tischler sind in der Innung organisiert. Stracke schätzt, dass es insgesamt um die 25 sind, die ihre Dienste in dieser Stadt anbieten. Nicht nur ihre Hilfe beim Einrichten eines Homeoffice ist für die Tischler eine Auftragsquelle in diesen schweren Zeiten. „Insgesamt ist unser Handwerk auch in der Krise gefragt geblieben“, blickt Stracke auf das erste Corona-Jahr zurück.

Das ging direkt im Frühjahr 2020 los. Früher war es Schallschutz, für den gesorgt werden musste, ab März vergangenen Jahres wurden überall Spuckschutzwände gegen die Ausbreitung der Aerosole aufgebaut. Im ersten Lockdown waren es auch Hotels und Gaststätten, die die Zeit ohne Gäste zum Renovieren nutzten.

„Wir hatten alle gut zu tun, jetzt flaut es etwas ab“, beobachtet der Bergisch Borner, der seit 40 Jahren im Geschäft ist und seine Meisterprüfung vor 30 Jahren ablegte. Schwer getroffen von Anfang an waren die Tischler, die sich auf Messebau spezialisiert und seither keine Aufträge mehr haben.

Sein kreativer Beruf, von dem Martin Stracke schätzt, dass sich der Nachwuchs früher bis zur Hälfte aus Abiturienten speiste, die sich nach der Lehre oft weiter Richtung Architekturstudium orientierten, hat heute noch einen ordentlichen Zulauf beim Nachwuchs. Dennoch ist es nicht einfach, neue Azubis zu finden. „Das Problem sind oft die schulischen Vorqualifikationen“, meint Stracke. Auch die Schulpraktika, die in normalen Zeiten hilfreich ist, um festzustellen, ob die Chemie im Betrieb stimmt und das Handwerk den Neigungen entspricht, sind während der Pandemie kein Thema gewesen.

Tischlerberuf

Tischler gestalten die Räume ihrer Kunden persönlich – vom einzelnen Möbel über den Fußboden und die Treppe bis zum kompletten Innenausbau: Flur- und Badmöbel, Bücherregale, Massivholz-Esstische und Multimedia-Wohnzimmerschränke gehören zu ihrem Repertoire wie Küchen oder Dachschrägenschränke. Auch für Fenster, Haus- und Innentüren sind Tischler Ansprechpartner. Wer mehr über die Innungsbetriebe in Remscheid erfahren will, gehe auf die Homepage

www.handwerk-remscheid.de

Die Ministerpräsidenten der Länder und Kanzlerin Merkel sehen in der Homeoffice-Pflicht für Unternehmen ein Mittel zur Reduzierung des Corona-Infektionsrisikos, die Regeln sollen nun bis Ende April gelten. Aber wie sieht es mit den Kontrollen aus?

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