Projekt gegen den Fachkräftemangel

SiA bietet zwei Abschlüsse an drei Lernorten

Projekt gegen den Fachkräftemangel: Cornelia Berghaus-Biermann (Leiterin Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung) und Jörg Gleißner (SiA-NRW).
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Projekt gegen den Fachkräftemangel: Cornelia Berghaus-Biermann (Leiterin Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung) und Jörg Gleißner (SiA-NRW).
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    VonAndreas Weber
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Pilotprojekt: Industriekaufleute am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung benötigen vier Jahre für Ausbildung und Studium.

Remscheid. 21 000 Studiengänge und 324 Ausbildungsberufe erwarten junge Menschen, die sich auf das Arbeitsleben vorbereiten. Das Bildungsdickicht überfordert viele. Scheitern ist vorprogrammiert, die Abbrecherquoten sind hoch. Für Jörg Gleißner, Leiter der Geschäftsstelle SiA-NRW in Düsseldorf, ein gewichtiger Grund, für die studienintegrierte Ausbildung zu werben.

SiA steht zusammengefasst für: „Ein Ausbildungsgang, zwei Abschlüsse, drei Lernorte, vier Jahre“. „Bei SiA muss man sich nicht vor dem Antritt festlegen, welcher Abschluss der richtige ist“, erklärte Gleißner bei einer Pressekonferenz im Rathaus. Denn durchgängiges Coaching begleitet angehende Industriekaufleute in Remscheid ab August 2022 an drei Lernorten: dem Bachelor-Fernstudium BWL an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), ihren Ausbildungsbetrieben und dem Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Remscheid.

SiA sieht für die Teilnehmer durchgehende Beratung vor

Ab dem Sommer wird das Kolleg in seinem Neubau am Hauptbahnhof mit SiA loslegen. 5,4 Millionen Euro schüttet der Bund für NRW aus. Remscheid zählt zu den beiden Standorten in diesem Bundesland, das die „multioptionalen Möglichkeiten“, wie es Schulleiterin Cornelia Berghaus-Biermann formuliert, voll nutzen wird. Die Kooperation mit der FHM in Bielefeld gibt es am momentanen Standort, der Stuttgarter Straße, bereits seit 2015. Zwanzig Bachelor-Absolventen in der Betriebswirtschaftslehre unter den Industriekaufleuten hat die Zusammenarbeit hervorgebracht. „Darauf sind wir sehr stolz“, betont Achim Zyto. Der um das SiA-Programm erweiterte Bildungsbaustein gibt den Teilnehmern nun die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie den Doppelabschluss anstreben oder ausschließlich die Berufsausbildung beenden möchten. Durchgehend können sich die Teilnehmer im Kolleg beraten lassen. Der mit SiA federführend betraute Adrian Pütz und seine Kollegen bieten wöchentlich sieben offene Sprechstunden an.

Der 30-Millionen-Bau, der in ein paar Wochen bezogen wird, bietet dem Berufskolleg optimale Voraussetzungen mit einem Hörsaal, einem Studienzentrum und einer Bibliothek. Arbeitet die FHM im Online-Modus, so wird es ab 2022/23 Präsenzvorlesungen im Hörsaal geben können. Den Rückzug der Rheinischen Fachhochschule Köln aus Remscheid im Hinterkopf, betont Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz: „Hochschule muss nah am Menschen sein. Begegnung und Austausch sind genauso wichtig wie die Inhaltsvermittlung.“

Für Mast-Weisz wie Gleißner ist die Aufnahme in das Pilotprojekt ein Schritt, um dem akuten Fachkräftemangel zu begegnen und Ausbildungszeiten zu verkürzen. Dauert Lehre mit angehängtem Studium sonst sieben Jahre, sind es mit SiA nur vier, geprägt von der Flexibilität, sich unterwegs umentscheiden zu können. Klar ist: Der Studienplan ist straff, erfordert ein paar Stunden Mehraufwand in der Woche.

Getragen wird er hauptsächlich von Pädagogen am Kolleg, die dies ehrenamtlich tun. Die Studiengebühren liegen bei 200 Euro im Monat. Für angehende Industriekaufleute, die im ersten Ausbildungsjahr um die 950 Euro brutto verdienen, ist dieser Betrag machbar, sofern sie keine eigene Wohnung haben. „Oft sind es aber auch die Unternehmen, die den Betrag für ihre Nachwuchskräfte aufbringen“, berichtet Achim Zyto.

Die neue Klasse wird ab dem Sommer maximal zehn SchülerInnen aufnehmen. können. Mit der Steinhaus GmbH, Bestar Steel Group und Rhewum GmbH haben sich drei lokale Firmen entschieden, ihre Azubis für das studienintegrierte Ausbildungsmodell anzumelden. Weitere sind willkommen.

Professor Dr. Tim Brüggemann, Prorektor der FHM und Berufsorientierungsforscher, setzt auf SiA. „Das Projekt wertschätzt unsere Arbeit und könnte beitragen, dass die 25 bis 30 Prozent Abbrüche bei Studiengängen zurückgehen.“

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