Produktion

Regale für Tonieboxen: Aus der eigenen Not heraus zum Verkaufsschlager

Marta und Bartosz Kistela, hier mit ihrem Sohn in der Produktion ihres Unternehmens.
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Marta und Bartosz Kistela, hier mit ihrem Sohn in der Produktion ihres Unternehmens.

Stadtecken Design aus Remscheid produziert Regale für Tonieboxen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Not, sagt der Volksmund, macht erfinderisch. Und manchmal sogar erfolgreich. So wie bei Marta und Bartosz Kistela. Als ihnen beim Aufräumen immer wieder die Tonie-Figuren ihres Sohnes in die Hände fielen, erdachten die beiden Kreativen eine Lösung. Und die verkauft sich inzwischen hundertfach.

Marta und Bartosz Kistela entwerfen und fertigen Regale für Hörspielboxen...

Tonieboxen stehen heute in nahezu jedem zweiten Kinderzimmer. Mit ihnen können Hörspiele abgespielt werden. Doch statt einen Datenträger einzulegen oder einen Stream zu suchen, genügt es, die passende Figur, in der Regel eine Plastik der Hauptfigur, auf die Box zu stellen. Schon geht es los. Doch so einfach sie zu bedienen sind, ein Problem bleibt, wie auch bei den Kistelas: Toniefiguren, die gerade nicht im Einsatz sind, fliegen meist irgendwo rum. Marta Kistela machte sich deswegen auf die Suche nach Aufbewahrungssystemen. „Da gibt es ein paar, die haben mir aber alle nicht gefallen.“ Also verdonnerte sie ihren Mann dazu, sich etwas Besseres auszudenken.

„Wir arbeiten ständig daran, das Produkt noch besser zu machen.“

Marta Kistela, Stadtecken Design

Das Ergebnis gibt es heute in zigfacher Ausführung im Online-Shop der beiden zu kaufen: Regale, die nicht nur einen festen Platz für die Toniebox und deren Netzgerät bieten, sondern vor allem magnetische Flächen, um die Figuren sicher abzustellen. Und das in unterschiedlichen Größen und mit unterschiedlichen Motiven, von der Feuerwehr über Dinos bis hin zum Prinzessinnen-Schloss. Vor ziemlich genau einem Jahr hätten sie das erste Exemplar verkauft, erinnert sich Marta Kistela: „Am Anfang war es vielleicht eines am Tag, und wir haben uns über jedes gefreut.“ Inzwischen verlassen an manchen Tagen hundert und mehr Regale den Firmensitz im Remscheider Süden.

...mit eigenem Fach für Box und Netzgerät und magnetischen Regalelementen zur sicheren Aufbewahrung der Figuren.

Den Ursprung hat ihre Firma Stadtecken Design allerdings in einem anderen Bereich. Bartosz Kistela ist Grafikdesigner und hat bereits vor Jahren angefangen, Aufnahmen aus Städten am Computer zu verändern. Erst waren es Remscheider Motive, inzwischen gibt es auch welche aus Köln und Düsseldorf. Da steigt zum Beispiel der Löwe vor dem Remscheider Rathaus von seinem Sockel oder ein Geißbock wartet in der Kölner U-Bahn. Zusammen mit der Remscheider Druckerei Busemeyer werden die Motive auf Postkarten, Kalender und anderes gebracht – und online verkauft.

Inzwischen verlassen an manchen Tagen hundert und mehr Regale den Firmensitz im Remscheider Süden.

In dieser Tradition hatte auch das erste Hörspielbox-Regal aus dem Hause Stadtecken eine Kölner Skyline als Motiv. Das allerdings sei beim Sohn nicht sonderlich gut angekommen, gibt Marta Kistela zu: „Der wollte lieber Motive wie die Polizei oder Dinos.“ Das war der Startschuss zur heutigen Motivvielfalt. 28 zählt der Online-Shop derzeit, jeweils in einer großen und kleinen Ausführung, hinzu kommen neun einfarbige Varianten. „Wir haben noch ein paar neue Motive“, sagt Marta Kistela. „Aber die sind noch nicht veröffentlicht.“ Und auch die Kölner Skyline habe man noch nicht ganz abgeharkt. „Vielleicht machen wir davon mal eine Special-Edition.“

Produziert werden die Regale in Remscheid, überwiegend aus Holz. 14 Mitarbeiter hat das Unternehmen inzwischen. Nur die Metallteile kaufe man zu, berichtet Marta Kistela. Das Motiv werde als UV-Direktdruck aufgebracht. Das sei haltbar und sicher. „Wir arbeiten ständig daran, das Produkt noch besser zu machen“, sagt die Geschäftsführerin. So lege man zum Beispiel großen Wert auf eine umweltfreundliche Verpackung.

Neben den Tonie-Regalen gibt es inzwischen auch welche für die Tigerbox, ein ähnliches System, zudem sind Weinregale im Shop verfügbar. In Zukunft sollen noch Regalsysteme für Lego und Schleich-Figuren hinzukommen, verrät Marta Kistela. Und solche für Spielzeugautos. „Da testen wir gerade, ob die stabil genug sind.“ Und auch neue Stadtmotive soll es bald geben, wenn Reisen wieder möglich sind.

Bis es soweit ist, machen es sich die Kistelas zu Hause gemütlich – und lauschen regelmäßig mit ihrem Sohn einem Hörspiel auf der Toniebox. „Das machen wir jeden Abend“, erzählt Marta Kistela. Während Boxen wie Figuren nicht nur sicher, sondern vor allem stilecht untergebracht sind.

Hintergrund: Toniebox

Erfunden wurde die Toniebox von zwei Vätern, die sich über den Kindergarten ihrer Kinder kannten: Patric Faßbender und Marcus Stahl. 2016 brachte die von ihnen rund zwei Jahre zuvor gegründete Firma Boxine GmbH mit Sitz in Düsseldorf das erste Gerät auf den Markt, bis heute wurden mehr als zwei Millionen Boxen und mehr als 20 Millionen Tonie-Figuren verkauft. Das Unternehmen ist inzwischen auf rund 250 Mitarbeiter angewachsen. Im deutschsprachigen Raum, seit 2017 sind die Tonies auch in der Schweiz verfügbar, gibt es mehr als 200 verschiedene Figuren samt dazugehörigem Hörspiel, zudem werden Kreativ-Tonies angeboten, die selber besprochen werden können. 2018 startete man in Großbritannien und Irland, inzwischen auch in den USA. Ende 2020 wurden die beiden Tonie-Erfinder als Hörbuchmensch des Jahres“ von der IG Hörbuch ausgezeichnet.

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