Schuldnerquote sinkt

Die meisten Schuldner leben in der Innenstadt

Creditreform-Geschäftsführer Ole Kirschner. Archivfoto: Christian Beier
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Creditreform-Geschäftsführer Ole Kirschner.

Untersuchung zeigt: Trotz Krise haben weniger Menschen im Bergischen Geldprobleme.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Die Zahl der Menschen, die Probleme haben, ihre Rechnungen zu bezahlen, hat in weiten Teilen des Bergischen trotz Corona abgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Schuldneratlas, den die Auskunftei Creditreform regelmäßig erstellt. Laut der Untersuchung, die vor dem zweiten Lockdown abgeschlossen wurde, sank die sogenannte Schuldnerquote in fast allen Kommunen des Geschäftsgebiets. Nur Solingen und Remscheid verzeichneten leichte Zuwächse.

Dabei erfasst die Schuldnerquote zum Stichtag 31. Oktober wie viele von 1000 Einwohnern von juristischen Negativmerkmalen wie Haftanordnung, Vermögensauskunft oder Privatpersoneninsolvenz, unstrittigen Inkassofällen und negativen Zahlungserfahrungen betroffen sind.

Nachdem Remscheid dabei viele Jahre den negativen Spitzenplatz belegte, hat seit 2014 Solingen den höchsten Wert im Gebiet der Creditreform Solingen, zu der insgesamt elf Kommunen gehören. In der Klingenstadt können aktuell 15,52 von 1000 Solingern ihre Rechnungen nicht pünktlich bezahlen. In Remscheid sind es 14,2. Der NRW-Schnitt liegt bei 11,63.

„Ich gehe davon aus, dass es nicht besser wird.“
Ole Kirschner, Creditreform

Dagegen liegen die Zahlen in Radevormwald (10,25) Burscheid (9,04), Hückeswagen (8,42) und Wermelskirchen (8,33) sehr viel niedriger. Und sind im Vergleich zum Vorjahr auch noch gesunken, trotz der derzeitigen Krise. „Das ist ja eigentlich paradox“, sagt Ole Kirschner, Geschäftsführer der Creditreform Solingen. Global betrachtet sei Corona eine Katastrophe, aber die Zahlen vor Ort würden sich derzeit eher verbessern.

Über die Gründe kann Kirschner nur spekulieren. Konsumverzicht, teils durch den ersten Lockdown erzwungen, teils freiwillig, könnte dazu beigetragen haben, vermutet er: „Vielleicht haben die Einschnitte dazu geführt, dass die Menschen vorsichtiger geworden sind.“

In der Krise würden viele Menschen das Geld beisammenhalten. Aber auch der Umstand, dass die Gerichtsvollzieher im ersten Lockdown weniger unterwegs waren, habe wohl Auswirkungen auf die Statistik, so Kirschner: „Das würde einen Teil der Abweichungen erklären.“

Unverändert taucht hingegen das Phänomen auf, dass die Schuldnerquote zunimmt, je urbaner der Wohnort wird. Teilt man Solingen die einzelnen Postleitzahlgebiete auf, haben Gräfrath und Aufderhöhe mit Werten von 10,84 und 11,03 nur eine knapp halb so hohe Schuldnerquote wie die City mit der Postleitzahl 42651. Ein ähnliches Bild gibt es in Remscheid: Die Postleitzahlen-Zone 42853 rund um Stadtpark und Friedrich-Ebert-Platz hat eine Quote von 18,91, Lennep nur 10,05. „Die Situation ist tatsächlich schon immer so“, sagt Ole Kirschner. Und das sei nicht nur aufs Bergische beschränkt. „Aber eine wirkliche Erklärung dafür gibt es nicht.“

Dass die Schuldnerquoten überwiegend zurückgehen, ist ebenfalls nicht nur im Bergischen zu beobachten. „Kein Bundesland weist 2020 einen Anstieg der Überschuldungsfälle auf“, heißt es in der Studie. 13 der 16 Bundesländer haben sich sogar verbessert.

Welchen Bestand das angesichts der derzeitigen Situation hat, kann aber niemand mit Gewissheit sagen. Denn der aktuelle Lockdown ist in der Untersuchung noch nicht erfasst. „Ich gehe davon aus, dass es nicht besser wird“, sagt deswegen Ole Kirschner.

Wenn die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht wieder in Kraft tritt oder andere Hilfsmaßnahmen auslaufen, werde das eine oder andere Unternehmen und mit ihm dessen Arbeitsplätze dran glauben müssen, ist der Creditreform-Geschäftsführer überzeugt. „Und neben Scheidung und Krankheit ist Arbeitslosigkeit immer noch der Hauptgrund für Überschuldung.“

Hintergrund

Den besten Schuldnerquotient in der Region hat Leichlingen, hier können nur 6,74 Bürger je 1000 ihre Verbindlichkeiten nicht bedienen. Bundesweit liegt der Landkreis Eichstätt mit einer glatten 4,0 vorne, Schlusslicht ist Bremerhaven mit 21,78. Wuppertal, im Vorjahr noch auf dem fünftletzten Platz des Schuldenrankings, hat sich mit einer Quote von 17,73 mittlerweile auf den sechstletzten Platz vorgearbeitet.

Sondermaschinenbauer Alexanderwerke AG kommt bisher recht gut durch die Corona-Krise. Das machte Vorstand Dr. Alexander Schmidt bei der Hauptversammlung des Remscheider Herstellers von Kompaktier- und Zerkleinerungsmaschinen am Donnerstag deutlich.

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