Traditionsunternehmen

Die Liebe zu Hazet geht manchmal unter die Haut

Viele Hazet-Fans tragen Produkte und Symbole des Remscheider Traditionsunternehmens auf der Haut.
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Viele Hazet-Fans tragen Produkte und Symbole des Remscheider Traditionsunternehmens auf der Haut.

Remscheider Werkzeughersteller hat nicht nur Kunden, sonder auch Fans

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der „Hilferuf“, er erreichte das Hazet-Team per Mail. „Es ist einfach nur noch zum Verrücktwerden“, schrieb eine verzweifelte Ehefrau darin. Unentwegt kaufe ihr Mann Werkzeuge des Remscheider Traditionsunternehmens: „Ich höre und sehe nur noch Hazet.“ In einem solch dringenden Fall wurde die Marketingabteilung des Werkzeugherstellers sofort aktiv – und lud das Ehepaar zu einer Werksbesichtigung samt anschließendem Besuch an der Müngstener Brücke ein.

Werkzeug-Liebe, die unter die Haut geht.

Nachrichten wie die der verzweifelten Ehefrau erhält Serafina Martire beinah täglich. „Das sind Menschen, die sich mit Leib und Seele der Marke Hazet verschrieben haben“, sagt die Assistentin der Marketingleitung, die sich in dieser Funktion auch um die Social-Media-Auftritte des Werkzeugherstellers kümmert. Und um die „Super-Fans“, wie diese besonders aktiven Anhänger der Werkzeugmarke intern genannt werden.

„Irgendwie fühlt man sich ja auch geehrt, dass man für ein Unternehmen arbeitet, das so vielen Menschen Freude bereitet.“

Serafina Martire, Marketingmitarbeiterin bei Hazet

Olaf zu Beispiel, der im Brief genannte Ehemann, sammelt nicht nur Werkzeuge, Fahnen und Werkstattwagen aus Remscheid, sondern hat auch für seinen Hund Halsband und Leine mit Hazet-Logo anfertigen lassen. Andere lassen sich Tattoos mit Logo, Maulschlüsseln oder dem Motiv eines historischen Reklameschilds stechen. „Wir werden auch gebeten, Glückwunschkarten zur Hochzeit zu schreiben oder etwas zum Geburtstag zuzusenden“, berichtet Martire.

Ob Werbefigur auf der Wade...

Dass Marken Fans haben, ist gar nicht so selten. Das amerikanische Handy- und Computer-Unternehmen Apple ist dafür sicherlich ein gutes Beispiel. Oder auch der Getränkehersteller Red Bull. Allerdings handelt es sich dabei meist um globale Konzerne. Die österreichische Brause-Firma hat zum Beispiel einen Marketingetat von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Das übersteigt den gesamtem Umsatz von Hazet um etwa das Zehnfache.

Wie der bergische Mittelständler zu seinen zahlreichen Fans gekommen ist, kann auch Serafina Martire nur vermuten. Fest steht: Bei Hazet legte man schon früh, in den 1920er und 30er-Jahren, Wert auf Reklame, wie man es damals nannte. Vermutlich gebe es also schon seit Jahrzehnten Menschen, die eine besondere Beziehung zu der Marke haben, sagt Martire: „Man kriegt das aber jetzt durch Social Media viel mehr mit.“

So wie sich die Super-Fans an den Werkzeugen made in Remscheid erfreuen, so freut sich deren Hersteller über die Fans. „Irgendwie fühlt man sich ja auch geehrt, dass man für ein Unternehmen arbeitet, das so vielen Menschen Freude bereitet“, sagt Serafina Martire. Auch wenn die neuen Kommunikationskanäle gelegentlich für Mehrarbeit sorgen.

„Wir antworten auf alles und versuchen, jeden Wunsch zu erfüllen“, betont die 32-Jährige. Wenn allerdings ein User wissen möchte, ob die Weichschaumeinlage aus dem Werkzeugwagen in die Waschmaschine darf, läuft die Marketingmitarbeiterin schon mal einige Zeit durch die Firma, um eine korrekte Information zu bekommen.

... oder Werkstattwagen auf dem Unterarm.

Unterstützung gibt es für die Arbeit des Teams von Marketingleiter Carsten Scholz von ganz oben. Geschäftsführer Matthias Hoffmann, fünfte Generation der Gründerfamilie, liebe Instagram, berichtet Martire: „Er ist Feuer und Flamme für das Thema.“ Und bringe auch regelmäßig neue Ideen, zum Beispiel für Videos oder Instagram-Storys, ein.

Und die entfalten gelegentlich eine ungeahnte Wirkung. Unlängst war dort zum Beispiel ein Teppich mit Hazet-Logo zu sehen – kurz danach prasselten Anfragen aufs Marketingteam ein, wo es den zu kaufen gebe. Also achtete man darauf, dass der Teppich vor dem nächsten Post in den Fan-Shop des Werkzeugherstellers aufgenommen wird.

Marketing-Mitarbeiterin Serafina Martire kümmert sich um die Anhänger ihres Arbeitgebers.

Dort wartet er nun – zwei mal ein Meter groß für 99,50 Euro – zusammen mit Magnetpins, Aufklebern, Lätzchen, Mützen und zahlreichen T-Shirts auf die Fans. „Es vergeht kein Tag, an dem keine Bestellung im Fan-Shop eingeht“, sagt Martire. Gerade in der Vorweihnachtszeit erfreue sich der Online-Shop besonderer Beliebtheit. Was wohl auch am Hazet-Adventskalender, einem 24-teiligen Werkzeugset in festlicher Verpackung, liegen dürfte. Für das Kommunikationskonzept rund um den Kalender gewann Hazet im Juni übrigens den German Brand Award 2020.

Geld zu verdienen sei mit dem Merchandising allerdings kaum, sagt Serafina Martire. „Das ist eher, um unsere Fans glücklich zu machen.“ Und die sind, obwohl im Fan-Shop auch Bekleidung für Frauen angeboten werden, überwiegend Männer. Zumindest lässt ein Blick in die Instagram-Statistik entsprechendes vermuten. „Von den Fans, die uns da folgen, sind 95,8 Prozent männlich“, erklärt Martire. Es wird also auch in Zukunft eher Hilferufe von Ehefrauen als von -männern geben.

Hintergrund

Das 1868 von Hermann Zerver (seine Initialen ergaben den Firmennamen) gegründete Unternehmen hat heute an vier Standorten, drei in Remscheid, einer in Heinsberg, etwa 500 Mitarbeiter. Hazet produziert die komplette Palette handgeführter Werkzeuge und einige Spezialwerkzeuge, insgesamt sind rund 5500 Produkte im Angebot.

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