Branche hofft auf „normalen Jahreswechsel“

Das Feuerwerk soll nachhaltiger werden

Nicolas Kandler im Nico-Lager, das nach zwei Jahren mit Verkaufsverbot gut gefüllt ist.
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Nicolas Kandler im Nico-Lager, das nach zwei Jahren mit Verkaufsverbot gut gefüllt ist.

Nach zwei Jahren mit Verkaufsverboten hofft der Feuerwerk-Händler Nico auf ein besseres Jahr.

Von Michael Bosse

Bergisches Land. Die Zündschnur anstecken und warten, bis der Böller in die Luft geht oder die Rakete nach oben steigt. In der öffentlichen Wahrnehmung steht Feuerwerk nicht gerade für Umweltschutz, doch in Zeiten des Klimawandels und der Frage des Ressourcenverbrauchs gewinnt auch in der Branche das ökologische Bewusstsein offenbar an Raum.

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Ein Beispiel dafür ist die Nico Europe GmbH, die eine ihrer beiden Niederlassungen direkte auf der Grenze zwischen Remscheid und Wuppertal unterhält. Der Händler von Pyrotechnik werde dieses Jahr eine „grüne Serie“ präsentieren, sagt Nico-Prokurist und Marketingleiter Nicolas Kandler im Gespräch mit dieser Zeitung.

Und „grün“ bezieht sich in diesem Fall nicht auf die Farbe der Sterne, die nach der Explosion einer Rakete am Nachthimmel verglühen, sondern auf den ökologischen Ansatz. „Wir werden bei den Raketen keine Plastikkappen für die Zündschnüre mehr verwenden“, erklärt Kandler. PVC-Beutel, in denen Feuerwerk verpackt wurde, werden gegen eine Pappschachtel aus recycelbarem Papier ersetzt. Und auch Raketen, Fontänen oder Vulkane, die sich leiser entzünden, gehören zum Angebot. „Die können bis zu 20 Dezibel leiser sein“, betont der Prokurist.

Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause und einem Verkaufsverbot für sogenannte F2-Artikel zu Silvester – das sind die handelsüblichen Böller oder Raketen – hofft die Branche derzeit auf einen Jahreswechsel auf Vor-Krisen-Niveau. Man habe aktuell reichlich Anfragen von Händlern, berichtet Kandler. Nachdem die beiden letzten Jahreswechsel wegen des Verkaufsverbots von Feuerwerk eine herbe Enttäuschung gewesen seien, gebe es in diesem Jahr „ein gutes Gefühl“ in der Branche.

Auch Kandler hofft, dass es zum kommenden Jahreswechsel wieder halbwegs normal läuft – und setzt in der Sache auch auf einen „Lernprozess“ in der Politik. Schließlich hätten Länder wie Dänemark und Österreich auf ein Verkaufsverbot von Feuerwerk verzichtet, ohne dass es dort zu einer übermäßigen Belastung der Krankenhäuser gekommen sei. Zudem könne ein Verbot in Deutschland dazu führen, dass sich die Verbraucher verstärkt im Ausland mit Pyrotechnik eindeckten. Und dort seien die Sicherheitsauflagen eben nicht so hoch wie hierzulande.

„Beim Feuerwerk gibt es kein Verfallsdatum.“

Klaus Gotzen, VPI

Beim Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) geht man davon aus, dass die Branche in diesem Jahr verstärkt auf eingelagerte Ware zurückgreifen dürfte. Wegen des Verkaufsverbots der vergangenen beiden Jahre werde vor allem ein Abverkauf aus den Lagern stattfinden, sagt der Geschäftsführer des in Ratingen ansässigen Verbandes, Klaus Gotzen. „Bei Feuerwerk gibt es kein Verfallsdatum. Bei der richtigen Lagerung kann es über einige Jahre aufbewahrt werden.“ Ob in diesem Jahr wegen der Verkaufsverbote der vergangenen Jahre ein Nachholeffekt beim Verkauf einsetzt, bleibe abzuwarten.

Auch bei Nico setzt man auf die Lagerware – etwa die Hälfte der zu Silvester zu verkaufenden Ware soll von dort kommen. Die andere Hälfte wird von Produktionspartnern vor allem aus dem Fernen Osten hergestellt, da Nico selbst kein Feuerwerk mehr produziert. Hier arbeitet das bergische Unternehmen mit Firmen aus dem chinesischen Liuyang zusammen. Allerdings sind die Handelsbeziehungen in Zeiten von Corona-Lockdown und weltweit gestörter, teils unterbrochener Lieferketten alles andere als einfach: „Da haben wir schon zu knabbern“, gesteht der Nico-Prokurist.

Eigentlich laufe die Produktion für Silvester das ganze Jahr über, doch derzeit sei die Lage sehr angespannt. „Früher brauchte ein Container-Transport von China hierhin etwa sechs Wochen, jetzt kann man mit 100 Tagen rechnen.“

Immerhin: Bei der Inszenierung von Feuerwerken zu Volksfesten oder anderen Großveranstaltungen laufe der Betrieb für Nico wieder auf einem „normalen Level“, erklärt der Firmenvertreter. So betreute Nico im Mai den Japantag in Düsseldorf, lässt das Feuerwerk bei der Rheinkirmes in Düsseldorf am 22. Juli in die Luft gehen oder setzt im August in Koblenz den „Rhein in Flammen“. Und am 1. August hofft Nico auf einen guten Absatz in der Schweiz: Dann begehen die Eidgenossen ihren Nationalfeiertag.

Hintergrund

Die Nico Europe GmbH verweist in ihrer Firmenhistorie als erstes Datum auf die 1865 erfolgte Gründung des Pyrotechnischen Laboratoriums Carl Lippold in Elberfeld, 1888 wurde die Produktion nach Ronsdorf verlagert. Seit 2015 firmieren die Nico-Lünig Event GmbH aus Wuppertal und die Pyro-Partner GmbH aus Berlin unter dem jetzigen Namen.

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