Start-up

Bei Coachingspace wird digital zum neuen Normal

Der Coach und der Techniker: Benjamin Lambeck (l.) und Sören Straßmann haben zusammen coachingspace.net entwickelt. Foto: Roland Keusch
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Der Coach und der Techniker: Benjamin Lambeck (l.) und Sören Straßmann haben zusammen coachingspace.net entwickelt.

Remscheider Start-up bietet Online-Plattform für Trainer und Berater.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Das sogenannte Systembrett ist heute aus der systemischen Arbeit nicht mehr wegzudenken. Auf der hölzernen Tafel werden im Coaching selbst komplexe Situationen dargestellt. Dass man dafür aber meist auch die Köpfe über dem Brett zusammensteckt, hat den Einsatz in der Pandemie deutlich erschwert. Deswegen haben zwei Remscheider eine digitale Version entwickelt – und ein ganzes System für Online-Beratungen drumherum. Das wird, sind sie überzeugt, auch nach Corona noch Bestand haben.

Sören Straßmann und Benjamin Lambeck sind die beiden Köpfe hinter dem Start-up Coachingspace. Und schon in dieser Kombination steckt ein Teil des Erfolgsrezepts. „Coaches kennen normalerweise keine Programmierer“, sagt Lambeck. Und so hätten viele seiner Kollegen in der Pandemie vor einem Problem gestanden, berichtet der systemische Berater: Sie brauchten eine digitale Lösung, um arbeiten zu können. Und hatten keine Ahnung, woher diese kommen soll.

In der Pandemie hat sich das Arbeiten im Homeoffice durchgesetzt.

Doch hier war es anders: Lambeck, der in Wuppertal Wirtschaftswissenschaft und evangelische Theologie studierte und danach in der außerschulischen Bildung arbeitete, und Straßmann, der seinen Master in Wirtschaftsinformatik an der FH Dortmund machten, haben einst ihr Abi zusammen am Remscheider Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung gemacht.

Und so machten sie sich daran, Coaching-Methoden aus der analogen Welt in die digitale zu übertragen. Neben dem Systembrett auch die sogenannte Karte der Befindlichkeit und das von Friedemann Schulz von Thun entwickelte Persönlichkeitsmodell Das Innere Team.

Das sei immer in enger Abstimmung mit dem jeweiligen Schöpfer passiert, berichtet Lambeck. Das digitale Systembrett zum Beispiel habe er Kurt Ludewig, der als einer der Erfinder des analogen Vorbilds gilt, in einer zweistündigen Sitzung selbst vorgeführt. „Er konnte es mit seinen fast 80 Jahren von Beginn an intuitiv bedienen“, erinnert sich der 35-Jährige. „Da wussten wir, dass wir es richtig gemacht haben.“

Da haben wir sehr viel Herzblut reingesteckt.

Sören Straßmann über die Programmierung

Weitere Funktionen runden Coachingspace ab, darunter ein Tool für Videokonferenzen, ein digitales Whiteboard und die Möglichkeit, Klienten und ihre Daten direkt im System zu verwalten. „Da kommt noch einiges zu“, kündigt Sören Straßmann an. Gerade das Umsetzen der Coaching-Methoden sei aber aufwendig. „Wir haben das alles selbst gestrickt“, sagt der Informatiker. „Da haben wir sehr viel Herzblut reingesteckt.“

Doch nicht nur technisch sei die Herausforderung groß gewesen, berichten die Gründer. Auch die Coaches und Berater, meist an einem besonders engen Austausch mit ihren Klienten interessiert, seien anfangs skeptisch gewesen. „Für viele war das höchstens ein Notnagel“, sagt Benjamin Lambeck. Das habe sich inzwischen aber geändert. Wegen der guten Erfahrungen mit dem System. Aber auch weil digitale Beratung neue Zielgruppen erschließt, zum Beispiel Menschen, die sonst kaum eine Praxis betreten würden. Und der aktuelle Berater-Nachwuchs sei ohnehin online ausgebildet worden, so Lambeck: „Für die ist digital das neue Normal.“

So soll Coachingspace auch nach Corona weiter wachsen. Inzwischen hat die Seite rund 3000 registrierte User und einige Preise gewonnen. „Wir sind den Kinderschuhen entwachsen“, sagt Benjamin Lambeck. Nächster Schritt wird die Einführung eines Bezahlmodells sein. Aktuell ist Coachingspace dank eines Exist-Stipendiums noch kostenfrei, ab Januar werden je nach Abo-Modell bis zu 49,90 Euro im Monat fällig.

Das notwendige Potenzial sei da, ist Sören Straßmann überzeugt: „Ich glaube, dass der Coaching-Markt unterschätzt wird.“ Schließlich könnten auch Personaler und andere Trainer Coachingspace nutzen. Und ehrenamtliche Beratungsstellen, die übrigens Rabatt bekommen.

Und weil das Systembrett, Inneres Team und Co. im Prinzip ganz ohne Sprache auskommen, stehe zudem auch der Markt außerhalb Deutschlands offen, sagt Benjamin Lambeck. Um sich dieses Potenzial erschließen zu können, sei man derzeit auf der Suche nach Investoren: „Wir haben ein Plan, wie sich Coachingspace in den nächsten fünf Jahren entwickeln soll.“

Hintergrund

Der weltweite Coaching-Markt ist seit 2015 um 35 Prozent gewachsen, schätzt die International Coach Federation (ICF). Weltweit sind rund 71 000 Menschen als Coaches tätig. Die meisten in Nordamerika, rund ein Drittel in Westeuropa. Asien hat laut ICF-Schätzungen im Vergleich die höchste Zahl an Führungskräften und HR-Managern, die bei der Arbeit Coaching-Techniken einsetzen.

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