Beratung

Reisen sind plötzlich ein ganz heißes Thema für Verbraucherzentralen

Wie hier in Solingen weisen Schilder darauf hin, dass die Beratungsstellen derzeit nur per Telefon und Mail erreichbar sind. Foto: Christian Beier
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Wie hier in Solingen weisen Schilder darauf hin, dass die Beratungsstellen derzeit nur per Telefon und Mail erreichbar sind.

Corona hat auch Auswirkungen auf die Arbeit der Verbraucherzentralen in Bergischen Land

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Das Virus macht auch vor den Verbraucherschützern nicht halt. Die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW im bergischen Städtedreieck sind zwar weiterhin aktiv – aber nicht mehr im persönlichen Gespräch. „Im Moment läuft alles übers Telefon oder online“, berichtet Lydia Schwertner, Leiterin der Remscheider Beratungsstelle. „Oder wir kombinieren beides.“

Denn nur am Telefon seien viele Beratungen kaum möglich, so Schwertner: „In den meisten Fällen müssen wir Unterlagen einsehen“, erklärt sie. Vermutlich seien deswegen vor Corona die meisten Hilfesuchenden persönlich in der Beratung erschienen. Bei kostenpflichtigen Gewinnspielen zum Beispiel würden viele Verbraucher am Telefon behaupten, nie eine Auftragsbestätigung erhalten zu haben. „Wenn man sie dann aber bittet, die Unterlagen zu durchsuchen, findet sich oft doch ein Willkommensschreiben.“ Dahinter verberge sich meistens die Bestätigung. „Damit können wir dann überprüfen, ob das Widerrufsrecht greift oder der Anbieter den telefonisch abgeschlossenen Vertrag nicht in Textform wiedergegeben hat.“

„Für nicht erbrachte Leistungen muss man auch nicht zahlen.“

Deswegen führe derzeit meist kein Weg daran vorbei, die Unterlagen einzuscannen, mit der Post zu schicken oder in den Briefkasten der Beratungsstelle einzuwerfen. „Das verzögert den Vorgang schon mal“, sagt Lydia Schwertner. Auf der anderen Seite gleiche ein anderes Phänomen das nahezu wieder aus: Weil niemand sonst in der Beratungsstelle ist, können sich die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale immer ganz auf einen Fall konzentrieren.

Und auch die Fälle unterscheiden sich zum Teil deutlich von der Zeit vor der Pandemie. „Besonders viele Anfragen kommen wir derzeit zum Reiserecht“, berichtet Lydia Schwertner. Ein Thema, das sonst eher eine Nebenrolle bei ihrer Arbeit spiele. Veranstalter, die Reise absagen aber nur per Gutschein erstatten wollen, sind so ein Thema. „Das muss man nach geltendem Recht nicht annehmen“, sagt Schwertner, die auch betont, dass bei Veranstaltungen ganz ähnliches gilt: Auch hier müssten weder Gutscheine noch Ersatztermine akzeptiert werden.

Relativ häufig seien zudem Fälle, in denen die Reise bald aber nach dem 3. Mai beginnen soll. Also außerhalb der geltenden weltweiten Reisewarnung aber so, dass bald die Restzahlung zu leisten ist. Hier gelte es abzuwägen, sagt Lydia Schwertner, und zwar individuell.

Wer früh genug storniert, kommt mit einer vergleichsweise geringen Stornogebühr davon – es sei denn, der Veranstalter kann einen höheren Schaden nachweisen. Alternativ kann man aber auch überweisen und hoffen, dass der Veranstalter die Reise von sich aus absagen muss, was wiederum mit dem Risiko verbunden ist, dass der Anbieter zwischenzeitlich insolvent wird. Wer die Zahlung verweigern will, kann sich auf die sogenannte Unsicherheitseinrede berufen, wenn man davon ausgeht, dass der Veranstalter die Reise ohnehin nicht anbieten kann, gerät damit aber in Zahlungsverzug.

„Bei allen Varianten bleibt ein Risiko“, sagt Lydia Schwertner. Entscheiden müsse das jeder Betroffene deswegen selbst. „Wir können nur eine Entscheidungshilfe geben.“

Andere „corona-bedingte“ Fälle seien zum Beispiel ungewollte In-App-Käufe (Schwertner: „Die Kinder scheinen wieder mehr auf dem Handy zu spiele.“) oder geschlossene Fitnessstudios. „Für nicht erbrachte Leistungen muss man auch nicht zahlen“, betont Schwertner. Unklar sei aber, ob die nun leistungsfreie Zeit später an die eigentliche Vertragslaufzeit angehängt werden muss. „Wir raten dazu, schriftlich mit dem Studio Kontakt aufzunehmen.“

Eher kurios mutet dagegen ein anderer Fall an, den die Remscheider Beratungsstelle zuletzt bearbeitet hat: Eine junge Frau sei aus einem Mobilfunk-Shop angerufen worden und habe dann per Telefon einen neuen Handy-Vertrag abgeschlossen, berichtet Lydia Schwertner. Als sie den später, nach Zugang der Unterlagen, widerrufen wollte, wurde das vom Anbieter abgelehnt - mit dem Hinweis darauf, der Vertrag sei in einem der Shops abgeschlossen worden.

„Wir können nur eine Entscheidungshilfe geben.“

„In den Shops gilt das Widerrufsrecht ja nicht“, erklärt Schwertner. Allerdings seien zum Zeitpunkt der Vertragsabschluss alle Ladenlokale des Unternehmens nachweislich wegen Corona geschlossen gewesen. Die Verbraucherzentrale habe das schnell klären können: „Da musste sogar unser Ansprechpartner beim Anbieter drüber lachen.“

Erreichbar sind die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW in Solingen unter Tel. (02 12) 22 65 76 01 und in Remscheid unter Tel. (0 21 91) 8 42 47 91. Zudem gibt es eine landesweite Corona-Hotline für alle Fragen, die sich aus der aktuellen Pandemie ergeben: Tel. (02 11) 33 99 58 45. Außerdem können alle Beratungsstellen per Mail angeschrieben werden.

remscheid@verbraucherzentrale.nrw

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