Essen auf Rädern

Mit Qualität und Geschmack gegen große Anbieter

Hauswirtschaftsleiterin Cornelia Skuballa und Andreas Conrad sorgen mit ihren Kollegen dafür, dass die Evangelische Altenpflege Solingen-Wald täglich 100 bis 120 Essen ausfährt. Foto: Michael Schütz
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Hauswirtschaftsleiterin Cornelia Skuballa und Andreas Conrad sorgen mit ihren Kollegen dafür, dass die Evangelische Altenpflege Solingen-Wald täglich 100 bis 120 Essen ausfährt.

Essen auf Rädern: In der Corona-Hochphase gab es mehr Anfragen.

Von Timo Lemmer

Bergisches Land. Christian Dahl weiß: Es bringt am Markt nichts, den Methoden der großen Anbieter nachzueifern. „Da werden Kampfpreise gefahren. Das können und wollen wir gar nicht“, sagt Dahl. Sein Vater Klaus ist Inhaber der Firma Henkelmann in Hückeswagen. Vor allem der Menüservice läuft in den letzten Jahren prächtig. „Wir könnten mit diesen Preisen gar nicht diese Qualität anbieten“, blickt Dahl auf die Sparte „Essen auf Rädern“, die stetig wächst. „Wir müssen gegen diese Anbieter bestehen, das machen wir aber über kurze Zeiten und Strecken sowie Geschmack.“ Gekocht wird in Hückeswagen täglich frisch, ausgeliefert wird inzwischen bis Lennep, Wermelskirchen, Burscheid, Wipperfürth oder Radevormwald. Größer soll der Radius nicht mehr werden: Das täglich frisch gekochte Essen soll nicht zu lange fahren.

„Die Qualität ist der wichtigste Ansatzpunkt.“
Karen Odenius, Awo-Kreisverband Solingen

Während sich rund um Hückeswagen ein lokaler, mittelgroßer Anbieter – der Henkelmann-Menüservice liefert täglich 300 bis 350 Menüs aus – etabliert hat und die letzten Jahre wachsen konnte, sind die lokalen Anbieter in Solinger eher klein. Die Geschäftsidee ist derweil dieselbe: Gekocht wird täglich frisch, die Wege sind kurz. Der Markt sei dabei so groß wie das Angebotsspektrum, sagt Karen Odenius vom Solinger Awo-Kreisverband: „Da ist es extrem schwer, als einzelnes, kleines Unternehmen zu bestehen. Die Qualität ist der wichtigste Ansatzpunkt.“ Die Awo setzt dabei auf einen regionalen Lieferanten.

Die Evangelische Altenpflege in Solingen-Wald nutzt die eigene Küche. 14 Mitarbeiter hat die Hauswirtschaftsleiterin Cornelia Skuballa. „Täglich werden 100 bis 120 Essen ausgefahren“, sagt sie. „Das wird selbst am Wochenende frisch gemacht. Unser Konzept setzt nicht auf Masse, sondern was heute gekocht wird, wird heute ausgeliefert.“

Hauptabnehmer sind Senioren. Odenius erklärt: „Es sind häufig alleinlebende, hochaltrige Damen und Herren. Dabei kommen die Herren früher und sind langjährige Kunden, während die Frauen eher mal animiert werden müssen.“

Henkelmann hat zudem einige Berufstätige sowie kleinere Firmen im Kundenstamm. Für Henkelmann ist es wichtig, dass Essen auf Rädern gut läuft, denn das eigene Schnellrestaurant im Industriegebiet ist weiterhin zu. Es lohnt sich momentan nicht, da viele Firmen weiterhin auf Homeoffice setzen. Auch die Nachfrage in der Catering-Sparte des Hückeswagener Familienunternehmens hat sich stark reduziert. Zwischen fünf Menüs kann inzwischen gewählt werden, und das 365 Tage im Jahr. Kundenwünsche, vegetarische Varianten, das Gold-Menü auf Porzellanteller: Individualität ist gefragt. Dahl: „Der Kunde verlangt das heutzutage. Als mein Vater vor über 20 Jahren angefangen hat, sind wir mit einem Menü gestartet.“

Während der Corona-Hochphase seien die Zahlen beim Henkelmann-Menüservice noch einmal stark angestiegen, berichtet Dahl. „Einige Neukunden bleiben dabei, aber insgesamt normalisiert sich der Umfang langsam wieder.“ Das berichten auch die Solinger Unternehmen. Skuballa erklärt, dass die drei Fahrer deutlich mehr Essen ausgefahren haben, ohne dass der Kundenstamm großartig gewachsen sei: „Viele Kunden haben statt zwei oder drei Mal in der Woche fünf bis sieben Mal bestellt.“ Odenius berichtet ebenfalls von einem kurzen Anstieg: „Mit der Öffnung der Außengastronomie haben wir aber wieder Normalniveau erreicht.“

Kontakt

Die Anbieter betonen unisono: Neben dem frischen Essen sei es für die Kunden besonders wichtig, von netten Menschen beliefert zu werden. „Der kleine Plausch gehört einfach dazu“, sagt Christian Dahl.

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