Ausbildung

Qualifizierung kann beim Weg aus der Krise helfen

Martina Wildförster ist Qualifizierungsberaterin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Sie berät zum Thema Weiterbildung. Foto: Agentur für Arbeit
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Martina Wildförster ist Qualifizierungsberaterin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Sie berät zum Thema Weiterbildung.

Agentur für Arbeit berät Unternehmen und Beschäftigte zum Thema Weiterbildung

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Die Corona-Pandemie überstrahlt derzeit alles. Doch das wird nicht so bleiben. „Wenn sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt normalisiert, kommt das Fachkräfteproblem zurück“, ist Martin Klebe sicher. Deshalb rät der Leiter der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal Arbeitgebern wie -nehmern gleichermaßen, sich über Weiterbildung Gedanken zu machen.

Einen Anreiz dazu liefert seit 2019 das Qualifizierungschancengesetz. Je nach Unternehmensgröße übernimmt die Arbeitsagentur bis zu 100 Prozent der Weiterbildungskosten. Auch ein Arbeitsentgeltzuschuss wird für den Zeitraum, in dem ein Arbeitnehmer an einer Maßnahme teilnimmt, gezahlt.

„Die Krise ist der richtige Zeitpunkt, um über die Zukunft nachzudenken.“

Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal

„Am häufigsten beraten wir zu Berufsabschlüssen“, erklärt Martina Wildförster. Die Qualifizierungsberaterin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal nennt das Beispiel einer weiblichen Klientin. Seit Jahren ist die Frau für dasselbe Unternehmen tätig. Weil sie keine Berufsausbildung vorzuweisen hat, verdient sie jedoch weniger als ihre Kollegen – trotz ähnlicher Aufgaben. Nach langem Zögern wendete sie sich an die Arbeitsagentur. Der Arbeitgeber zeigte sich kooperativ. Inzwischen hat die Frau ihre Zwischenprüfung bestanden. Läuft alles nach Plan, darf sie sich demnächst Kauffrau für Büromanagement nennen.

„Es hat eineinhalb Jahre gedauert, sie von diesem Schritt zu überzeugen“, berichtet Martina Wildförster. Immer wieder komme es vor, dass sich Arbeitnehmer eine Qualifizierungsmaßnahme nicht zutrauen. „Das ist eine massive Veränderung, die vielen Menschen Angst macht“, erklärt die Beraterin. Die sei aber in den meisten Fällen unbegründet. Obwohl der theoretische Teil der Berufsausbildung um ein Drittel verkürzt ist, sei die Erfolgsquote bei den Abschlussprüfungen „sehr hoch“.

167 Menschen im Agenturbezirk Remscheid, Solingen und Wuppertal haben im vergangenen Jahr eine nach dem Qualifizierungschancengesetz geförderte Maßnahme begonnen. Nicht immer geht es dabei um eine Berufsausbildung. Möglich sind auch Weiterbildungen, die mehr als 120 Stunden umfassen. Die Kurse müssen bei einem Bildungsträger stattfinden, für die Förderung mit dem Bildungsgutschein zugelassen ist. Martina Wildförster nennt CNC-Lehrgänge, einen Lkw-Führerschein und Kurse in Excel oder SAP als Beispiele für mögliche Maßnahmen. „Wir fördern allerdings keine Angebote, zu denen der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet ist“, stellt die Qualifizierungsberaterin klar.

Wer sich entscheidet, einen Berufsabschluss nachzuholen oder eine Weiterbildung zu beginnen, steht meist in der Mitte seines Berufslebens. „Manche Menschen hatten vielleicht in der Jugend Flausen im Kopf und sind deshalb nicht so gut ausgebildet. Aber da kann man noch viel retten“, ist Wildförster überzeugt. Voraussetzung, um vom Qualifizierungschancengesetz profitieren zu können, ist eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Die Vorteile für die Arbeitnehmer liegen auf der Hand. Doch auch die Arbeitgeber können profitieren. Viele Betriebe haben seit einigen Jahren Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte zu finden. „Was gibt es als Alternative Besseres, als einen Mitarbeiter weiterzubilden, von dem ich weiß, dass er zuverlässig ist?“, fragt Martin Klebe. Zudem biete das Qualifizierungschancengesetz gute Möglichkeiten in Sachen Mitarbeiterbindung: „Wer von seinem Unternehmen die Chance bekommen hat, sich weiterzubilden, orientiert sich in der Regel nicht so schnell um“, ist Klebe überzeugt.

Die Agentur für Arbeit hofft, dass das Qualifizierungschancengesetz verhindert, dass Menschen aufgrund mangelnder Qualifikation in die Arbeitslosigkeit rutschen. Diese Gefahr droht angesichts von Digitalisierung und Strukturwandel selbst für Arbeitnehmer, die eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können – die allerdings unter Umständen nicht mehr zeitgemäß ist.

Martin Klebe erinnert sich noch gut an eine Firma in der Region, die die weitweite Finanzkrise 2008 genutzt hat, um ihre 80 Mitarbeiter weiterzubilden. Der Leiter der Agentur für Arbeit ist mit Blick auf die derzeitige Situation überzeugt: „Auch die aktuelle Krise ist der richtige Zeitpunkt, um über die Zukunft nachzudenken.“

Kontakt

„Das Wichtigste ist, dass sich interessierte Arbeitnehmer und Arbeitgeber frühzeitig bei uns melden“, betont Martina Wildförster. Sie ist eine von sechs Qualifizierungsberatern der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Sie und ihre Kollegen sind unter anderem per E-Mail zu erreichen.

Weiterbildung. BergischesLand @arbeitsagentur.de

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