Pestel-Institut: Mehr als 20 000 profitieren von höherem Mindestlohn

Peter Horn (DGB, l.) befürwortet die Erhöhung auf 12 Euro, Markus von Dreusche (Arbeitgeberverband) rechnet mit geringen Auswirkungen für die bergische Industrie. Archivfotos: Uli Preuss/Roland Keusch
+
Peter Horn (DGB, l.) befürwortet die Erhöhung auf 12 Euro, Markus von Dreusche (Arbeitgeberverband) rechnet mit geringen Auswirkungen für die bergische Industrie. Archivfotos: Uli Preuss/Roland Keusch

Gesetzliche Lohn-Untergrenze soll im kommenden Jahr auf 12 Euro steigen

Von Sven Schlickowey

BERGISCHES LAND Um 22 Cent auf dann 9,82 Euro steigt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland zum Jahreswechsel. Geht es nach der Ampelkoalition in Berlin, ist das aber nur ein Zwischenschritt. 12 Euro pro Stunde haben SPD, Grüne und FDP vereinbart, umgesetzt werden soll das wohl im kommenden Jahr.

Von einem „Meilenstein“ spricht die Gewerkschaft NGG. Und weist darauf hin, dass allein in Solingen und Remscheid deutlich mehr als 20 000 Arbeitnehmer davon profitieren würden. Laut einer Analyse des Eduard-Pestel-Instituts in Hannover würden in Solingen derzeit 3090 und in Remscheid 1980 Beschäftigte zum Mindestlohn arbeiten. Noch einmal mehr als 17 000 Angestellte, 10 830 in Solingen und 6940 in Remscheid, verdienen demnach zwar über Mindestlohn aber unter 12 Euro.

Vor möglichen negativen Folgen warnen derweil die Arbeitgeber. Die von Corona gebeutelte Taxi-Branche weist zum Beispiel darauf hin, dass sie ihre Preise nicht selber festlegen und die Kostensteigerung deshalb nicht an ihre Kunden weiter geben kann. Und Arbeitgeber-Vertreter beklagen nicht nur einen Eingriff in die Tarif-Autonomie, sondern prophezeien auch eine Lohnspirale, die Geringqualifizierten den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwere.

Mit verhältnismäßig wenig Auswirkung rechnet derweil die Industrie, die Remscheid wie Solingen prägt. Im Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie liege der Stundenlohn in der Entgeltgruppe 1 bei 16,03 Euro, sagt Markus von Dreusche, Geschäftsführer des Remscheider Arbeitgeberverbandes. Entsprechend sei der Mindestlohn zumindest für tarifgebundene Firmen kein Thema. „Bei den nicht den Tarifen unterliegenden Unternehmen kann dies sicher greifen, ich gehe allerdings bei der Entgeltstruktur in der Industrie davon aus, dass hier lediglich Aushilfs- oder Minijobs betroffen sein können.“

Doch viele Arbeitnehmer würden eben nicht in der Industrie arbeiten, betont Peter Horn, Vorsitzender des DGB in Solingen. In der Klingenstadt beispielsweise seien rund 70 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich tätig. „Und gerade dieser Dienstleistungssektor ist durchzogen von Arbeitsverhältnissen mit Stundenlöhnen unter 12 Euro.“

Die Mindestlohnerhöhung sei notwendig, schlussfolgert Horn: „Denn sie ist für die Menschen da, die es wirklich benötigen.“ Gerade Geringverdiener seien auf jeden Euro angewiesen: „Es ist davon auszugehen, dass dieses bisschen mehr Geld durch die Anhebung des Mindestlohnes auch nicht auf irgendwelche Sparkonten in der Karibik fließen wird.“ Sondern größtenteils vor Ort im Einzelhandel ausgegeben wird. „Also auch dort, wo mehr Mindestlohn gezahlt werden muss.“

Auf diesen Effekt verweist auch die NGG: „Die Erhöhung des Mindestlohns käme nicht nur Geringverdienern zugute, sondern auch der regionalen Wirtschaft“, heißt es in einer Mitteilung. So habe das Pestel-Institut errechnet, dass die Kaufkraft in Remscheid mit einer Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro um etwa 14 Millionen Euro pro Jahr steigen würde. Und in Solingen sogar um 22 Millionen.

-

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Werkzeughersteller bekommen ein virtuelles Schaufenster
Werkzeughersteller bekommen ein virtuelles Schaufenster
Werkzeughersteller bekommen ein virtuelles Schaufenster
Auch in der Pandemie wird weiter gegründet
Auch in der Pandemie wird weiter gegründet
Auch in der Pandemie wird weiter gegründet
Modeunternehmen Walbusch weitet Handball-Engagement aus
Modeunternehmen Walbusch weitet Handball-Engagement aus
Modeunternehmen Walbusch weitet Handball-Engagement aus
Seine Wiege ist die Backstube
Seine Wiege ist die Backstube
Seine Wiege ist die Backstube

Kommentare