Bergische Macher

IT-Unternehmer Novakovic: Zwischen Solingen und Silicon Valley

Der Solinger IT-Unternehmer Mirko Novakovic hat die beiden erfolgreichen Firmen Codecentric und Instana gegründet. Archivfoto: Christian Beier
+
Der Solinger IT-Unternehmer Mirko Novakovic hat die beiden erfolgreichen Firmen Codecentric und Instana gegründet.

IT-Unternehmer spricht über seinen Werdegang, das Silicon Valley und Unterschiede zwischen Deutschland und den USA.

Solingen. Es war 2020 wohl die größte Erfolgsgeschichte der bergischen Wirtschaft: Im November wurde bekannt, dass der Solinger Mirko Novakovic sein Start-up Instana an den IT-Riesen IBM verkauft hat. Dem Vernehmen nach für einen dreistelligen Millionenbetrag. Der 44-Jährige ist in Sachen erfolgreicher Unternehmensgründungen ein Wiederholungstäter. 2005 baute er mit Rainer Vehns die Softwarefirma Codecentric auf. Was im Gründer- und Technologiezentrum in Solingen begann, hat sich zum international agierenden Betrieb mit mehr als 550 Mitarbeitern an 16 Standorten in Europa entwickelt.

Der 44-jährige Novakovic, der noch immer Instana-Chef ist, gehört zu den interessantesten Unternehmern im Bergischen. Das hat er in der dritten Folge des Formats „Bergische Macher“, die ab sofort abrufbar ist (| Kasten), unter Beweis gestellt. Im Wirtschaftspodcast von Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger spricht der Informatiker unter anderem über seinen Werdegang, das Silicon Valley und die Unterschiede zwischen den Arbeitswelten in Deutschland und den USA. Es folgen einige Auszüge aus dem einstündigen Gespräch.

Mirko Novakovic über. . .

. . . seine IT-Affinität:

„In der sechsten, siebten Klasse habe ich meinen ersten PC bekommen. Ich habe relativ schnell gemerkt, dass das Spielen nicht mein Ding war, sondern dass mich eher interessiert hat, wie die Spiele funktionieren. So bin ich zum Programmieren gekommen.“

. . . sein Informatikstudium in Stuttgart:

„Um ehrlich zu sein: Ich hatte vor, Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren. Das war immer meine Leidenschaft. Ich konnte es mir aber nicht wirklich leisten, mein Studium zu wählen. Weil ich mich mit dem Thema so gut auskannte, hatte ich Glück, von IBM ein Stipendium bekommen zu haben. Ich habe Informatik studiert, sozusagen ein monatliches Gehalt bekommen und parallel dazu bei IBM gearbeitet. Das war für mich ideal, weil ich mir keine Gedanken über die Finanzierung meines Studiums machen musste. Deshalb habe ich damals Informatik gewählt.“

. . . den Erfolg seines Start-ups Codecentric:

„Wir hatten keinen Businessplan. Wir haben einfach gestartet, das erste Projekt gewonnen, die ersten Mitarbeiter eingestellt. Dann haben wir uns von Jahr zu Jahr verdoppelt. Von vier auf acht Mitarbeiter, von 16 auf 32 – und sind rasend schnell gewachsen. Das war wirklich nicht geplant.“

. . . seine Gedanken während des rasanten Aufstiegs:

„Das ist wie in einer Achterbahn: Da kommt man rein und denkt nicht viel, wenn man durch die Loopings fährt. Wir haben einfach versucht, so schnell wie möglich zu lernen, was man braucht, um so ein Unternehmen aufzubauen.“

. . . die Instana-Gründung im Jahr 2015, für die er das operative Geschäft von Codecentric nach 10 Jahren verlassen hat:

„Es hat mich gereizt, eine ganz neue Idee anzugehen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir knapp 400 Leute bei Codecentric, ich war im Vorstand. Rational hätte ich dableiben müssen. Ich hatte einen super Job, Spaß, ein super Team, tolle Firma. Meine Entscheidung war getrieben von der Idee, noch mal was Neues zu machen.“

. . . den Erfolg von Instana:

„Es gibt im Silicon Valley eine Formel für die erfolgreichsten Unternehmen: zweimal verdreifachen und dreimal verdoppeln in den ersten fünf Jahren. Und tatsächlich haben wir das geschafft. Wir haben unseren Umsatz in den ersten beiden Jahren, nachdem wir die erste Million erreicht hatten, verdreifacht und zweimal verdoppelt. Dann sind wir von IBM gekauft worden.“

. . . das Interesse von IBM:

„Im ersten Moment habe ich das gar nicht realisiert. Mich hat ein General Manager von IBM angerufen. Ich dachte, es geht um eine Partnerschaft. Bei einem Zoom-Gespräch hat er mich dann gefragt, ob ich das Unternehmen verkaufen möchte. Da habe ich gesagt: Keine Ahnung, muss ich mal drüber nachdenken.“

. . . die Arbeitswelten in Deutschland und den USA:

„Ich glaube, dass grundsätzlich Arbeit in den USA anders gesehen wird. Bei uns ist Arbeit häufig ein bisschen das notwendige Übel. Die meisten Menschen in den USA identifizieren sich zu 100 Prozent mit der Arbeit. Dort gibt es natürlich einen anderen Druck, weil es kein Sozialsystem gibt, das einen auffängt. Und man kann praktisch täglich auf die Straße gesetzt werden. Das sehe ich nicht positiv, verändert aber die Einstellung zur Arbeit.“

. . . den Rückstand Deutschlands auf die IT-Branche in den USA:

„Da gibt es viele Faktoren. Wir in Deutschland sehen zum Beispiel das Thema Elitenbildung nicht gerne. Ich glaube, wir haben ein sehr gutes System, das in der Breite jedem eine sehr gute Ausbildung gibt, aber ganz vorne nicht so gut ist wie zum Beispiel in Amerika. Wir haben keine Universitäten wie Stanford, Yale, Princeton Harvard. Dafür ist vielleicht die Uni in Köln oder Wuppertal besser als die Durchschnittsuni in den USA. Das geht von der Schule bis hin zur Uni. Die USA bilden im Elitebereich einfach besser aus. Man muss sich mal angucken, wo erfolgreiche Unternehmer wie Jeff Bezos und Bill Gates herkommen – alle von Top-Universitäten.“

. . . seine Karriereplanung:

„Im Moment bin ich bei IBM und habe spannende Themen mit Instana und Künstlicher Intelligenz. Natürlich denkt man manchmal darüber nach, kürzer zu treten. Aber aktuell habe ich noch zu viel Spaß an den Themen. Im Bereich Künstliche Intelligenz gibt es so viele spannende Dinge, so viele Potenziale. Ich möchte mehr darüber verstehen.“

Podcast

Die neue Folge des Podcasts „Bergische Macher“ mit Mirko Novakovic ist ab sofort abrufbar. Auf gängigen Plattformen wie Spotify, iTunes und Deezer sind auch die bisher erschienenen Gespräche mit Inga Bauer und Christoph Imber zu finden. Die Idee des Formats: Erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Bergischen sprechen über ihren Karriereweg, Unternehmertum und geben private Einblicke.

Alle bisher erschienenen Podcasts finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Remscheider ist der Ölpapst: „Wenn die Leute probieren, haben wir meist schon gewonnen“
Remscheider ist der Ölpapst: „Wenn die Leute probieren, haben wir meist schon gewonnen“
Remscheider ist der Ölpapst: „Wenn die Leute probieren, haben wir meist schon gewonnen“
Licht im Raum – eine ausgezeichnete Marke
Licht im Raum – eine ausgezeichnete Marke
Licht im Raum – eine ausgezeichnete Marke

Kommentare