Kreishandwerkerschaft Remscheid

Pilotprojekt bringt Azubis mit Partnern aus ihrer Branche zusammen

Ein Tag beim Großhändler statt in der Berufsschule: Das Pilotprojekt der Remscheider Heizung- und Sanitär-Innung kam so gut an, dass eine Fortsetzung quasi schon beschlossene Sache ist. Hier begrüßt Meik Sauer die Azubis. Foto: Roland Keusch
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Ein Tag beim Großhändler statt in der Berufsschule: Das Pilotprojekt der Remscheider Heizung- und Sanitär-Innung kam so gut an, dass eine Fortsetzung quasi schon beschlossene Sache ist. Hier begrüßt Meik Sauer die Azubis.

Lernen von den Praktikern: Neues Format ergänzt die duale Ausbildung.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der „Lehrer“, er ist diesmal ein Mann der Praxis. Im wahrsten Sinne des Wortes. Daniel Kottsieper, Mitarbeiter des Remscheider Energieversorgers EWR, steht im Blaumann vor der Klasse – und erläutert anhand eines Modells, wie er sich einen Hausanschluss vorstellt. Für seine Zuhörer ein durchaus relevantes Thema, sie alle sind angehende Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Und werden in Zukunft Gas- und Wasserzähler einbauen. Die Daniel Kottsieper dann wiederum abnehmen wird.

Der kurze Vortrag des EWR-Mannes ist Teil eines Pilotprojekts der Remscheider Innung für Sanitär- und Heizungstechnik, das die Azubis mit verschiedenen Partnern ihrer Branche zusammenbringt. Und damit mit modernster Technik und zusätzlichen Informationen, die im Ausbildungsalltag manchmal zu kurz kommen. Neben Daniel Kottsieper teilen an diesem Tag auch Vertreter des Leitungsherstellers Viega und des Heiztechnikspezialisten Vaillant ihr Wissen mit den Azubis. Außerdem gibt es eine Feuerlöschübung mit der Firma Brandschutz Bürgers.

„Es ist wichtig, neue Formate zu schaffen, um die jungen Leute zu begeistern“, sagt Fred Schulz, Geschäftsführer der Remscheider Kreishandwerkerschaft. Entsprechend habe er den Vorschlag der Firma Reinshagen & Schröder gerne aufgegriffen. Der Sanitär-Großhändler stellt für die Aktion nicht nur seine Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern nutzt auch seine Kontakte, um die Dozenten zu gewinnen.

„Die Idee ist, passend zum, Lehrstoff die richtigen Partner einzuladen“, erklärt Meik Sauer, Vertriebsleiter bei Reinshagen & Schröder. So könne man die Inhalte der praktischen Ausbildung und der Berufsschule sinnvoll ergänzen. „Das können Dinge sein, die nicht täglich auf der Baustelle vorkommen“, so Sauer. Und das sehr viel praxisbezogener als in der Berufsschule. Zumal die Kollegs nicht immer über die neueste Technik verfügen, wie Dr. Thomas Güntermann zugibt. „Es gibt ja jedes Jahr neue Geräte, die können wir nicht alle haben“, sagt der Berufsschullehrer, der an diesem Tag mit seiner Klasse, alle Azubis im vierten Lehrjahr, an dem Pilotprojekt teilnimmt.

Die unterschiedlichen Dozenten und die technischen Geräte, die sie für ihre Vorträge mitbringen – Vaillant hatte zum Beispiel einen kompletten Heizkreislauf auf einem Anhänger dabei, Viega eine App, um den richtigen Durchmesser für Wasserleitungen zu berechnen – würden den Tag zusätzlich spannender für seine Schüler machen, sagt Güntermann, der überrascht feststellt: „Sonst reden die im Unterricht viel mehr, hier passen sie gespannt auf.“

Doch nicht nur deshalb kommt das neue Konzept bei den Ausbildungsbetrieben offenbar an. „Es ist gut, dass sich auf dem Markt etwas bewegt“, sagt zum Beispiel Marc Böllinghaus. Dass es bei der Ausbildung Handlungsbedarf gebe, sei vielen Unternehmen schon länger bewusst, meint der Inhaber der Remscheider Karl Schneider GmbH. „Aber die meisten haben einfach zu viel zu tun, um alleine etwas anzuschieben.“

Und auch den Azubis selber gefällt es. Vieles habe man zwar schon mal gehört, sagt beispielsweise Amit Geiler, der Ende November seine praktische Prüfung ablegt, es aber noch einmal neu aufbereitet zu bekommen, helfe sicherlich: „Das ist informativ und gefällt mir sehr gut.“

So steht bereits jetzt fest, dass das Pilotprojekt keine einmalige Sache bleiben wird. „Wir waren uns schon vorher einig: Wenn die erste Veranstaltung funktioniert, kommen weitere“, berichtet Fred Schulz. Zielsetzung sei, so etwas in der Art etwa alle drei Monate anzubieten, immer für unterschiedliche Lehrjahre mit den dafür passenden Inhalten, sagt Meik Sauer. Und Remscheids Oberbürgerbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, der die Auftaktveranstaltung ebenfalls besuchte, denkt sogar noch weiter: „Das könnte auch die Blaupause für andere Ausbildungsberufe werden.“

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