Wirtschaft

Netzwerk hilft bei der Transformation

Serdar Üyüklür (IG Metall), Christian Klauder (Arbeitgeberverband Remscheid), Dr. Michael Krause (Uni Wuppertal), Michael Schwunk (Arbeitgeberverband Solingen) und Marco Röhrig (IG Metall, v.l.) stellen das neue Netzwerk vor.
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Serdar Üyüklür (IG Metall), Christian Klauder (Arbeitgeberverband Remscheid), Dr. Michael Krause (Uni Wuppertal), Michael Schwunk (Arbeitgeberverband Solingen) und Marco Röhrig (IG Metall, v.l.) stellen das neue Netzwerk vor.

Gemeinsames Projekt von Gewerkschaft und Arbeitgeberverbänden für Automobilzulieferer.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Fast jeder 20. Arbeitsplatz im Bergischen Land ist bei einem Automobilzulieferer zu finden. Die Branche hat eine enorme Bedeutung für die Region, was damit auch für ihren Transformationsprozess gilt, der längst begonnen hat. „Die Firmen stehen vor ganz großen Herausforderungen“, sagt Michael Schwunk, Geschäftsführer des Solinger Arbeitgeberverbandes. „Wenn wir nicht alles mobilisieren, wird es schwer, die Arbeitsplätze in der Region zu halten.“ Helfen soll dabei ein neu gegründetes regionales Transformationsnetzwerk, das die Arbeitgeberverbände zusammen mit der IG Metall ins Leben gerufen haben.

Gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium und unter Leitung der Uni Wuppertal sollen in dem Netzwerk Hochschulen, Verbände und vor allem Unternehmen zusammenarbeiten, um Herausforderungen wie Digitalisierung, Fachkräftemangel oder auch den Umstieg auf alternative Antriebsformen gemeinsam zu bewältigen. Geplant seien verschiedene Formate, sagt Dr. Christian Krause, der das Netzwerk an der Uni Wuppertal betreut. In einigen Unternehmen sollen zum Beispiel Analysen vor Ort durchgeführt und dabei Lösungen gesucht werden: „Was sind die spezifischen Herausforderungen?“ Die Erkenntnisse sollen später dann anderen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Zudem wolle man den Austausch der Firmen untereinander fördern.

„Die Probleme sind die gleichen. Die Firmen wollen weiterhin Aufträge erhalten, die Arbeitnehmer sichere Arbeitsplätze.“

Marko Röhrig, IG Metall

Neben dem Städtedreieck erstreckt sich das Projekt auch auf die Stadt Düsseldorf, den Kreis Mettmann und den Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Region ist eine von zwei in NRW, die bei dem Förderprogramm den Zuschlag erhielten. „Auch weil wir hier besonders betroffen sind“, wie Michael Schwunk sagt. Rund 250 der 800 Automobilzulieferer in NRW haben ihren Sitz im Bergischen.

Vier Millionen Euro fließen über drei Jahre verteilt in das Netzwerk. Überwiegend für Personalkosten, wie Krause erklärt. An der Uni Wuppertal soll eine Art Geschäftsstelle geschaffen werden, von der aus die Aktivitäten gesteuert werden. Experten sollen Firmen besuchen und beraten, Workshops und Arbeitskreise anbieten. Aber auch Sachinvestitionen seien vorgesehen, so Krause. Unter anderem in eine Lehrwerkstatt in Velbert und ein Tranformationsmobil, das am Campus Velbert/Heiligenhaus der FH Bochum aufgebaut werden soll, um später Betriebe in der Region zu besuchen. Münden sollen die drei Jahre in einer Bergischen Akademie, in der die Prozesse fortgeführt werden.

Doch zum Start suche man erst einmal Mitstreiter, sagen die Beteiligten. Vor allem Firmen, die sich engagieren wollen. Oder erkannt haben, dass sie es müssen. „Viele Themen dieser Transformation haben ja noch einmal an Bedeutung gewonnen“, sagt Christian Klauder vom Remscheider Arbeitgeberverband mit Blick auf die aktuellen Krisen. Entsprechend gehe man davon aus, dass sich viele Firmen von sich aus melden. „Und natürlich haben wir auch alle noch Unternehmen im Kopf, die wir proaktiv ansprechen.“

Was so auch für die IG Metall gilt, wie deren Geschäftsführer Marko Röhrig sagt: „Die Probleme sind ja die gleichen. Die Firmen wollen weiterhin Aufträge erhalten, die Arbeitnehmer sichere Arbeitsplätze.“ Wichtig sei aber, die Belegschaft von Beginn an einzubinden, mahnt Röhrig zu einem beteiligungsorientierten Ansatz. So könne man das Wissen der Mitarbeiter für den notwendigen Prozess nutzen.

„Momentan werden viele Transformationsthemen durch die aktuellen Ereignisse ausgebremst“, hat Gewerkschafter Röhrig beobachtet - und ist sich darin mit den Arbeitgebervertretern einig, dass das so nicht bleiben darf. Auch dabei soll das Netzwerk helfen, sagt Michael Schwunk: „Wer die Transformation nicht mitgeht, wird vom Markt verschwinden.“

Hintergrund

Gestartet ist das Netzwerk offiziell zum 1. Oktober, eine Geschäftsstelle und ein Internet-Portal befinden sich derzeit im Aufbau. Zudem ist eine Auftaktveranstaltung fürs erste Quartal 2023 geplant. Infos gibt es vorerst über die Arbeitgeberverbände und die IG Metall.

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