Fachgeschäft

Mehr als drei Jahrzehnte im Dienst des Klangs

Inhaber Udo Pfeifer begrüßt in seinem kleinen Geschäft in der Remscheider Hindenburgstraße viele Stammkunden – und inzwischen auch zunehmend jüngere, die Musik wieder von Vinyl hören wollen.
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Inhaber Udo Pfeifer begrüßt in seinem kleinen Geschäft in der Remscheider Hindenburgstraße viele Stammkunden – und inzwischen auch zunehmend jüngere, die Musik wieder von Vinyl hören wollen.

Das Remscheider Hi-Fi-Studio Amadeus profitiert vom Vinyl-Revival.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Eines der wichtigsten Geräte im Geschäft von Stephan Fahlenbock und Udo Pfeifer ist ein einfacher Stuhl. Darauf nimmt der Kunde Platz. Und hört. „Man kann stundenlang über Klang reden. Aber am besten hört man ihn“, sagt Stephan Fahlenbock – und senkt langsam die Nadel des Plattenspielers. Kurz danach hat man eine ziemlich gute Vorstellung davon, was er meint.

Seit mehr als 30 Jahren betreiben Pfeifer und Fahlenbock das Hi-Fi-Studio Amadeus in der Remscheider Hindenburgstraße. Und seit mehr als 30 Jahren setzen sie Kunden auf den Stuhl, um sie durch den Sound ihrer Platten- und CD-Spieler, Lautsprecher und Verstärker zu überzeugen. „Oberstes Kriterium ist für uns, dass es klingt wie im Original“, erklärt Fahlenbock. Mit diesem Konzept hat das kleine Geschäft nicht nur überlebt, sondern sich eine ordentliche Stammkundschaft erarbeitet. „Es gibt einige, die uns seit über 20 Jahren begleiten, die man nicht nur als Kunden sieht“, berichtet Stephan Fahlenbock. Und seit Vinyl ein Revival erlebt, kommen zunehmend neue Kunden dazu.

Viele seien so eine Art Wiedereinsteiger, die sich nach Jahren wieder einen Plattenspieler anschaffen, berichtet Udo Pfeifer: „Da kommen zum Teil aber auch jüngere Leute, die mitbekommen haben, dass das gerade ein Thema ist.“ Manch einer finde direkt den Weg zum Fachmann, andere würden erst mit einfachen Anlagen loslegen – und dann den Wunsch verspüren, mehr aus ihren Scheiben rauszuholen. „Teilweise ist das ein Herantasten, um rauszufinden, ob das überhaupt etwas für mich ist.“

Nach oben sind dabei kaum Grenzen gesetzt, berichten die beiden Inhaber. Unlängst hätten sie ein paar Lautsprecher für 30 000 Euro ausgeliefert, erzählt Stephan Fahlenbock. Und Lautsprecherkabel für 3000 Euro. „So etwas kann man bei uns auch bekommen.“ Doch um den Musikgenuss deutlich zu verbessern, „muss es nicht sündhaft teuer sein“. Vernünftige Verstärker gebe es für etwa 400 Euro, ähnliches gelte für ordentliche CD-Player und Plattenspieler. Gute Boxen würden bei rund 150 Euro beginnen.

Und im Zweifel geht es sogar ohne physische Tonträger, sagt Fahlenbock. Abseits von Spotify gebe es Streamingdienste mit deutlich höheren Bitraten. Und selbst aus einem Mobiltelefon könne ein Lied gut klingen – wenn man hochwertige Kopfhörer statt des eingebauten Lautsprechers nutze.

Wer mehr will, investiert nicht nur in Technik, sondern kümmert sich auch um Details. Für die Stromversorgung der Vorführanlage in ihrem Geschäft haben Fahlenbock und Pfeifer ein eigenes Kabel verlegt und eine spezielle Sicherung verbaut. An Plattenspielern feilen sie regelmäßig am Stellwinkel der Nadel oder an der Auflagekraft des Tonabnehmers. „Das ist wie in der Formel 1“, sagt Stephan Fahlenbock. „Da muss die Federung ja auch stimmen.“

Eröffnet haben die beiden ihr Studio 1989, am Tag des Mauerfalls. Zuvor hatten sie zusammen bei Saturn in Köln gearbeitet. „Als Angestellter hat man aber keinen Einfluss, was man da verkauft“, sagt Fahlenbock. Also machten sie sich selbstständig. Nicht im heimischen Wipperfürth, wo beide damals lebten, das sei zu klein gewesen, und auch nicht in Köln, wo man der x-te Hi-Fi-Laden gewesen wäre. „Remscheid hatte für uns genau die richtige Größe.“

Statt auf die damals bekannten japanischen Marken habe man vor allem auf britische Hersteller gesetzt, berichtet Stefan Fahlenbock: „Die Engländer bauen Hi-Fi-Geräte wie Musikinstrumente.“ Weil die Firmennamen kaum jemand kannte, musste man die Kunden vom Angebot überzeugen. Mit dem Klang. Und mit dem Stuhl.

Auf dem würden Kunden regelmäßig selbst in ihren zigfach gehörten Lieblingsplatten noch neue Nuance entdecken, sagt Stephan Fahlenbock nicht ohne Stolz. Er selber greift zu ganz unterschiedlichen Scheiben, um das Leistungsspektrum der Anlagen zu präsentieren. Soul-Sängerin Joss Stone zum Beispiel zeigt, wie unverfälscht Stimmen wiedergebenen werden, das Schweizer Elektro-Duo Yello wie dynamisch die Geräte reagieren. Und bei einer Live-Aufnahme von Harry Belafonte aus der New Yorker Carnegie Hall hat man sofort eine Vorstellung, welcher Musiker wo auf der Bühne gestanden hat. Dabei sitzt man in einem Geschäft in Remscheid. Auf einem einfachen Stuhl.

Hintergrund

Etwa eine Milliarde Euro Umsatz macht der deutsche Home-Audio-Mark pro Jahr, knapp die Hälfte davon mit Lautsprechern. Der Home-Cinema-Bereich, vor zwölf Jahren noch 280 Millionen schwer, ist inzwischen auf eine Millionen zusammengeschmolzen. Zuwächse verzeichnet hingegen der Vinyl-Verkauf, der sich von 2009 bis 2021 verneunfacht hat.

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