Dachdecker

Arbeiten mit Drohne: Manchmal ist fliegen besser als klettern

„Das ist ja kein Hexenwerk“: Andreas Radke (r.) zeigt, was seine Drohne kann. Seine Innungskollegen und Fred Schulz, Geschäftsführer der Remscheider Kreishandwerkerschaft (2. v. l.), schauen interessiert zu.
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„Das ist ja kein Hexenwerk“: Andreas Radke (r.) zeigt, was seine Drohne kann. Seine Innungskollegen und Fred Schulz, Geschäftsführer der Remscheider Kreishandwerkerschaft (2. v. l.), schauen interessiert zu.

Remscheider Handwerksmeister setzt bei bestimmten Aufträgen auf einen Quadrocopter.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Gut 15 Mitarbeiter hat der Betrieb von Andreas Radke – und einer davon kann sogar fliegen. Seit zwei Jahren setzt der Dachdeckermeister bei bestimmten Aufträgen eine Drohne ein und spart so teilweise viel Arbeitszeit und -kraft. Bei einem Fachabend der Remscheider Dachdecker-Innung ließ Radke nun die Kollegen an seinen Erfahrungen teilhaben.

Und die sind überwiegend positiv. Die Anschaffung der Drohne, immerhin rund 2500 Euro teuer, habe sich längst gerechnet, berichtet Andreas Radke. Statt zur Vorbereitung der Arbeiten umständlich aufs Dach zu klettern, was oft einen zweiten Mitarbeiter voraussetzt, überfliegt und fotografiert er die Gebäude einfach mit dem Quadrocopter. Die hochauflösenden Fotos werden direkt auf den Rechner geschickt. Ist eines der Maße, zum Beispiel die Breite eines Dachfensters, bekannt, errechnet der Computer daraus alle anderen. Und so zum Beispiel auch, wie viele Dachpfannen benötigt werden.

Insbesondere bei hohen Gebäuden oder komplizierten Dachkonstruktionen sei das oft der einfachere Weg, sagt der 59-Jährige. „Wir haben gerade das Dach der Kirche der Stiftung Tannenhof saniert“, berichtet er. „Da kann man ja nicht in jeden Winkel kriechen.“ Und bevor die 12-Meter-Leiter an einer Industriehalle steht, sei die Drohne schon wieder zurück von ihrem Flug.

Drohne bei der Arbeit: „Das ist ja kein Hexenwerk“

Dass Andreas Radke inzwischen gelegentlich fliegt statt zu klettern, hat er nicht zuletzt seinem Sohn und seinem Neffen zu verdanken, die beide eine Ausbildung bei ihm absolvieren. „Die Jüngeren sind digital ja ganz anders aufgestellt.“ Immer wieder hätten die Azubis gelungene Projekte mit ihren Smartphones fotografiert und in entsprechende Gruppen gestellt, berichtet er. So sei die Idee entstanden.

Die Inhaber der anderen Remscheider Dachdecker-Betriebe seien ausgesprochen interessiert gewesen, sagt Andreas Radke: „Skeptisch war eigentlich keiner, die waren eher begeistert.“ Der Aufwand, um mit der Drohne zu starten, sei überschaubar: „Das ist ja kein Hexenwerk.“ Nach dem Kauf des Fluggeräts müsse man es bei der Luftfahrtbehörde anmelden und in die eigene Betriebshaftpflichtversicherung aufnehmen lassen. Zudem brauche man eine Art Flugschein. „Das ist aber nur ein kleiner Kurs, den kann man auch online machen.“
Drohnen werden auch in anderen Bereichen sinnvoll eingesetzt: Drohne mit Kamera soll Rehkitze retten

Angst vor der Technik brauche niemand zu haben, versichert Radke: Gute Drohnen würden sicher in der Luft stehen bleiben, wenn man die Fernbedienung loslässt, ein Home-Button bringe das Gerät automatisch zurück, wenn man es aus den Augen verliert. „Bei meiner Drohne kann man auch die maximale Flughöhe einstellen.“ Passend zum jeweiligen Gebäude. Es gebe allerdings auch Regionen, in denen der Flugbetrieb verboten ist, gibt er zu bedenken. „Und wenn man über Privatgrundstücke fliegt, würde ich lieber mal nachfragen.“

Drohnen: Einsatz der Fluggeräte ist der nächste logische Schritt in der Branche

Der Einsatz des ferngesteuerten Fluggeräts sei nur der nächste logische Schritt in der Entwicklung seiner Branche, sagt der Dachdecker. „Unser Handwerk wird immer etwas unterschätzt.“ Dabei sei das Ausmessen von Fassaden mit Lasern inzwischen nichts außergewöhnliches mehr. Und auch der Computer sei aus dem Alltag längst nicht mehr wegzudenken: „Wenn mich ein Kunde anruft, dessen Haus ich nicht kenne, gucke ich schnell bei Google Earth, was mich da erwartet.“

Zudem müsse man nicht erst in Zeiten des Nachwuchs- und Fachkräftemangels auch mal an die nächste Dachdecker-Generation denken, meint Andreas Radke. Die habe schließlich ganz andere Ansprüche an die Arbeit: „Eine meiner Mitarbeiterinnen sagt immer: Geh mit der Zeit, sonst gehst du mit der Zeit.“

Digitalisierung im Handwerk

Digitalisierung gilt auch im Handwerk als einer der wichtigsten Bausteine für die Zukunft, von der Online-Terminvereinbarung bis zur digitalen Dokumentation. In den vergangenen Jahren wurden gleich mehrere Projekte gestartet, um die Betriebe dabei zu unterstützen. Dazu gehört das bei der Uni Düsseldorf angesiedelte Digi-Werk: handwerkwirddigital.de

Die Handwerkskammern Dortmund und OWL haben zudem mit verschiedenen Fachverbänden handwerk-digital ins Leben gerufen: handwerk-digital.nrw

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