Schadstoffe

Luftreiniger: Eine Branche boomt dank Corona

Andreas Bergen vertreibt Geräte, die per UV-C die Luft entkeimen. Und die in Zeiten von Corona besonders gefragt sind. Foto: Michael Schütz
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Andreas Bergen vertreibt Geräte, die per UV-C die Luft entkeimen. Und die in Zeiten von Corona besonders gefragt sind.

Die Nachfrage steigt - es gibt allerdings auch mehr Konkurrenz.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Andreas Bergen ist schon ein paar Jahre in der Branche. Seit 2014 vertreibt der Solinger Geräte zur Luftreinigung der Firma Virobuster, die diese ihrerseits schon seit rund 15 Jahren herstellt. Doch so etwas wie im Moment hat Bergen bisher noch nicht erlebt. Während wegen Corona auf der einen Seite die Zahl der Anfragen deutlich steigt, sprießt auf der anderen zugleich eine Vielzahl von Mitbewerbern aus dem Boden. Scheinbar bringe derzeit jeder, die ein Gehäuse zusammenschrauben kann, einen Luftreiniger heraus, sagt Bergen: „Die Geräte werden quasi mit der Schubkarre auf den Markt geworfen.“

Eine Beobachtung, die auch Frank Schindler schon gemacht hat. Zusammen mit seiner Frau Helga betreibt er die Firma Santec in Wermelskirchen. Seit mehr als 20 Jahren verkaufen die beiden Geräte zur Beseitigung von Schadstoffen aus der Luft. Und seit ein paar Monaten sehen sie sich einer ungeahnten Konkurrenz ausgesetzt. „Es gibt ja plötzlich über 1000 verschiedene Geräte auf dem Markt“, sagt Frank Schindler. „Und alle versprechen das Blaue vom Himmel.“

So wird die Pandemie für beide Unternehmer zu Fluch und Segen zugleich. Wobei die Vorteile derzeit überwiegen. Sowohl Bergen als auch Schindler berichten von einem stark gestiegenen Interesse bei potenziellen Kunden. Während Schindler unlängst den Veranstaltungsort Haus Eifgen in Wermelskirchen mit fünf Geräten ausstattete, lieferte Bergen gerade erst 17 an die Firma Wilkinson in Solingen. Allein vom Förderprogramm für Schulen haben die zwei noch nichts gemerkt.

Obwohl sich beide in der gleichen Branche bewegen, liegen technisch zwischen ihren Geräten Welten. Bei Virobuster wird die Luft mit UV-C bestrahlt und dabei Keime, Viren, Pilze und zum Teil auch Allergene abgetötet. Santec setzt hingegen auf ein elektrostatisches System, bei dem die Partikel in der Luft aufgeladen und dann angezogen werden. Und mit ihnen alles, was daran hängt. „Das zieht Aerosole aus der Luft“, sagt Schindler. „Aber auch Gerüche und Feinstaub.“

Gemein ist beiden hingegen, dass sie sich nicht erst seit Beginn der Pandemie auf dem Markt tummeln. Früher hat Andreas Bergen zum Beispiel an Lebensmittelproduzenten verkauft. Befinden sich in der Luft weniger Erreger, brauchen die weniger Konservierungsmittel. Zudem kämen die Geräte in Arztpraxen zum Einsatz, berichtet er.

„Alle versprechen das Blaue vom Himmel.“
Frank Schindler über den boomenden Luftreiniger-Markt

Bei Frank Schindler und seiner Frau Helga ging es einst los, als man versuchte, in Gaststätten die Schadstoffe von Tabakqualm aus der Luft zu bekommen. Nach dem Rauchverbot in der Gastronomie konzentrierte man sich auf mit Schadstoffen belastete Gebäude. Auch Zahnlabore würden Luftreiniger einsetzen, so Schindler: „Obwohl es dort Absaugungen gibt, haben die unglaublich viel Staub in der Luft.“

Den unverhofften Aufschwung durch die Pandemie nehmen Schindler und Bergen naturgemäß gerne mit. Zwar könne keine Luftreinigung jemals regelmäßiges Lüften ersetzen, betont Frank Schindler, doch als unterstützende Maßnahme seien die Geräte sinnvoll. Auch für die Außenwirkung: So signalisiere ein Arbeitgeber seinen Leuten zum Beispiel, dass ihm ihre Gesundheit am Herzen liege.

Und auch für Gastronomen, wenn sie wieder loslegen dürfen, sei das eine gute Möglichkeit, sich von den Mitbewerbern abzusetzen, meint der Wermelskirchener. „Wenn ein Restaurant vier unserer Geräte einsetzt, kostet das gerade einmal zehn Euro am Tag“, rechnet er vor. Nur ein Gast mehr täglich kann das also refinanzieren.

Und wenn Corona eines Tages vorbei ist? „Dann lasst die Geräte doch laufen, die tun ja keinem weh“, sagt Frank Schindler. Und auch Andreas Bergen verweist darauf, dass seine Luftreiniger nicht nur bei Coronaviren wirken: „Der Chef freut sich, wenn die Mitarbeiter seltener erkältet sind. Und viele Mitarbeiter freuen sich, dass die Konzentration der Allergene in der Luft sinkt.“

Förderprogramm

Zur derzeitigen „Goldgräberstimmung“ in der Luftreiniger-Branche trägt sicherlich auch das Förderprogramm der NRW-Landesregierung bei. 50 Millionen Euro stehen bereit, um für „Klassen- und Fachräume einschließlich der Lehrerzimmer sowie Sporthallen, die nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen oder durch eine raumlufttechnische Anlage gelüftet werden können“ Luftreinigungsgeräte mit „Filterfunktion zur Verringerung der Aerosolkonzentration“ anschaffen zu können.

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