Serie „Erfolgreich mit Genuss“

Wiegand: Kleiner Hersteller für große Geschmacksmomente

Lars Wiegand mag es groß, zumindest bei der Verpackung. In Solingen produziert sein Unternehmen Ketchup & Co für Großverbraucher. Foto: Christian Beier
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Lars Wiegand mag es groß, zumindest bei der Verpackung. In Solingen produziert sein Unternehmen Ketchup & Co für Großverbraucher.

Die Solinger Wiegand & Sohn GmbH produziert Ketchup, Mayo und Co.

Von Sven Schlickowey

Solingen. Zu Gesicht bekommt man sie selten, dafür umso häufiger in den Mund. Die Produkte der Firma Wiegand fristen ihr Dasein meist in den Bereichen von Küchen, die dem Gast verborgen bleiben. Und spielen geschmacklich trotzdem eine entscheidende Rolle. Denn das Solinger Unternehmen stellt Ketchup, Mayonnaise und andere Feinkostsaucen her.

Die sucht man im Supermarkt-Regal allerdings vergebens. Denn Wiegand produziert überwiegend für Großverbraucher. Mayo im Acht-Liter-Eimer, Ketchup in Gebinden zu zehn Kilo und Salat-Dressing im Fünf-Liter-Kanister. „Vor Corona hatten wir einen Ausstoß von etwa 300 Tonnen pro Monat“, berichtet Geschäftsführer Lars Wiegand. Mehr als 150 Paletten verließen das Unternehmen jede Woche.

Typischen Kunden seien Großküchen und Imbisse, sagt Wiegand. Aber auch Firmen, die Baguettes oder Toasts für Tankstellenketten belegen. Auch in zahlreichen Döner-Buden finden sich Saucen Made in Solingen. „Unsere Dönersauce haben wir vor zehn Jahren zusammen mit einem türkischen Gastronom entwickelt“, erklärt der Geschäftsführer. Inzwischen werde das Produkt deutschlandweit verkauft – und erfreue sich wachsender Beliebtheit.

Dabei funktioniert die Distribution vor allem über Gastronomie-Großhändler oder Cash-&-Carry-Märkte wie Metro und Handelshof. „Ein paar Kunden aus der näheren Umgebung holen auch direkt bei uns ab.“

Wiegand: „sicherlich einer der kleinsten Ketchup-Hersteller in Deutschland“

Um sich gegen die großen Player der Branche durchzusetzen – „wir sind sicherlich einer der kleinsten Ketchup-Hersteller in Deutschland“ – braucht das Unternehmen eine Strategie. „Wir sind sehr flexibel und können extrem schnell auf Kundenwünsche reagieren“, nennt Lars Wiegand ein Beispiel. Dadurch könne man auch Kunden im Fall eines Falles besser helfen.

Darüber hinaus verzichte man auf teure Marketingausgaben – und gebe diese Ersparnis an die Kunden weiter. Ketchup der bekannten Hersteller könne bis zu doppelt so viel Kosten wie das aus Solingen, so Wiegand: „Markenartikler verkaufen ja auch immer ein Gefühl.“

Aufs Gefühl setzt Wiegand wenn überhaupt nur im Mund. Zum Beispiel bei der Mayonnaise. Die entstehe nach einem über 40 Jahren alten Rezept mit 80 Prozent Pflanzenöl. Und mit einem völlig anderen Mundgefühl als bei der Konkurrenz. „Die Tropfenverteilung des Öls ist bei uns gröber“, beschreibt es der Fachmann. Grund dafür sei ein spezielles Herstellungsverfahren. „Dadurch schmeckt die Mayonnaise weicher und intensiver.“

Auch beim Ketchup kommt es auf Details an. Viele Hersteller würden es kochen, berichtet Wiegand, dadurch sei es länger haltbar. „Wir setzen auf ein Kaltverfahren, so schmeckt das Ketchup fruchtiger.“ Rund 650 Kilogramm Ketchup produziert Wiegand übrigens mit einer Maschinenladung. Für eine Tonne Mayo braucht das Unternehmen etwa zehn Minuten.

Gegründet wurde die heutige Wiegand & Sohn GmbH vor über 90 Jahren – als Hersteller von Fischkonserven. Seine Ur-Großeltern seien noch mit einem Ochsengeschirr über die Jahrmärkte in der Region gezogen, um eingelegten Fisch anzubieten, berichtet Lars Wiegand. „Das Ochsengeschirr habe ich noch.“ Später wurde der Fisch auch in Mayonnaise eingelegt, noch später wurde er dann so knapp und teuer, dass man sich ganz auf die Herstellung der Sauce verlegte.

14 Mitarbeiter hat die Firma heute – und einige davon haben einen echten Knochenjob. Tomatenmark, neben Zucker, Wasser und Essig die Hauptzutat fürs Ketchup, bekommt Wiegand zum Beispiel in Säcken zu 250 Kilogramm geliefert. Wiegand „Da muss man ganz schön zupacken können, um das Tomatenmark einzufüllen.“ Die meisten Angestellten seien aber mit Verpackung und Versand beschäftigt.

Momentan allerdings sehr viel weniger als noch vor wenigen Monaten. Corona hat auch die Firma Wiegand voll erwischt. Viele Unternehmen haben ihre Kantinen geschlossen, in den Innenstädten und damit an den Imbissen ist weniger los. „20 Prozent der Gastronomiebetriebe sind insolvent, die anderen können zurzeit mit vielleicht 30 oder 40 Prozent Auslastung arbeiten“, rechnet Lars Wiegand vor. Die Folge: Im April brach der Umsatz um 90 Prozent ein. „Im Mai konnten wir dann schon sehen, dass der eine oder Auftrag wiederkommt.“

Hintergrund: Die Serie „Erfolgreich mit Genuss“

Serie Die bergische Wirtschaft kann Messer, Werkzeug und Maschinen. Sie kann aber auch Genuss. Ob Zwieback, Pasta, oder Olivenöl – viele Unternehmen in der Region verdienen ihr Geld, indem sie das Leben ein klein wenig leckerer machen. Solche Firmen stellen wir vor.

Angebot Neben eigenen Produkten stellt Wiegand Saucen auch im Auftrag und nach Kunden-Rezept her. Neben der Produktion übernimmt die Firma auf Wunsch auch die Logistik.

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