Sicherheit

Birgitta Radermacher ist Chefin von 1640 Polizisten und Zivilangestellten

Selten in Uniform und gern in Zivil: Ihr Büro in Wuppertal schmückt Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher mit einer beachtlichen Sammlung von Uniformkappen. Mützen, die zum Teil schon ihre Vorgänger zusammengetragen haben.
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Selten in Uniform und gern in Zivil: Ihr Büro in Wuppertal schmückt Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher mit einer beachtlichen Sammlung von Uniformkappen. Mützen, die zum Teil schon ihre Vorgänger zusammengetragen haben.

Auf dem Schreibtisch von Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher spiegelt sich der Verwaltungsalltag einer Behördenleiterin wider. Einladungen, Beurteilungen und Beschwerden.

Von Uli Preuss (Text und Foto)

Dazu Vorgänge, wie die der jungen Polizistin, die von einer Frau mit der Drohung „Ich habe Aids“ fest in die Hand gebissen wurde. „Stellen Sie sich das vor“, sagt ihre Chefin fast zornig, „diese Ungewissheit, bis endlich die Laborergebnisse da sind“.

Genauso ernst nimmt die 58-Jährige Beschwerden von Bürgern. „Jede“, sagt sie, „geht über meinen Schreibtisch.“ Auch auf manchen Einsätzen ist die Dienstherrin präsent. Nachts im Streifendienst etwa, wenn ihre Beamten zwischen Keilerei und Ruhestörung immer den richtigen Ton treffen müssen.

„Ich mache das mit, um Verständnis für die Dinge zu bekommen“, sagt sie. Da, wo das Leben spielt, da wo ihre Mitarbeiter sein müssen, möchte sie lernen. Wie man als Bereitschaftspolizistin mit einer fast 13 Kilogramm schweren Ausrüstung stundenlang steht, ohne austreten zu können, das interessiert sie. „Ich will einfach die Arbeitsbedingungen erfahren“, sagt Birgitta Radermacher.

Als Salafisten in Solingen Steine auf rechtsgerichtete Demonstranten und ihre Karikaturen warfen, war sie am Einsatzort. Sie muss sich im Nachhinein bestätigt gefühlt haben. Denn kurz zuvor hatte ein Gericht in Münster die Pro-NRW-Demo erlaubt – trotz Radermachers eindringlichem Hinweis, dass die öffentliche Sicherheit gefährdet sei. Polizisten mussten für die Rechtssprechung wieder einmal einen hohen Preis zahlen. Bei der zweiten, ebenfalls erlaubten Demonstration in Bonn wurde ein Beamter sehr schwer verletzt.

Für die Polizei sei es oft ein Balanceakt bei Demonstrationen rechtsgerichteter oder extremistischer Gruppen, für Ordnung zu sorgen, sagt Birgitta Radermacher. Und sie widerspricht konservativen Meinungen: „Wir schützen bei den Demos bestimmt nicht die Parolen und Karikaturen, die einige hochhalten, sondern die Artikel im Grundgesetz zu Meinungs- und Versammlungsfreiheit.“

Präsidentin fährt mit dem Motorrad durchs Bergische Land

Unter 18 nordrhein-westfälischen Polizeipräsidenten gibt es sieben Frauen. Als sie im Januar 2010 ins Amt berufen wurde, hatte die gelernte Juristin keine Ahnung von Polizeiarbeit. Für ihre engsten Mitarbeiter war das eine neue Erfahrung. Manchmal, sagt die Präsidentin, sei das sicher unbequem. Auch weil sie bis heute nicht alle Verwaltungswege oder Dienstgrade kennt. Es gibt ein Leben neben der Arbeit. Dann etwa, wenn die gläubige Christin hochalpin durch die Berge wandert oder mit ihrem BMW–Motorrad durchs Bergische rollt. Oder im Karneval.

BEHÖRDE

KARRIERE Die Rechtsanwältin saß bis 2004 fünf Jahre für die CDU im Rat der Stadt Köln, war später Beigeordnete für Schule, Jugend, Sport und Kultur in Siegen. BEHÖRDE Die Kreispolizeibehörde ist zuständig für Wuppertal, Solingen und Remscheid. Mit rund 1640 Beamten und Angestellten ist sie die größte im Regierungsbezirk Düsseldorf. SICHERHEIT Im Städtedreieck stiegen die Gewaltdelikte 2014 leicht an. Taschendiebstähle nahmen ab, Unfälle ebenso.

Denn schon einmal war Birgitta Radermacher Präsidentin. „Als ,kölsch Mädche’ war ich viele Jahre Sitzungspräsidentin der Frauen-Union“, sagt die gebürtige Kölnerin lachend und wird doch gleich wieder ernst. Vergleiche zwischen 1400 feiernden Frauen und den 1640 Polizisten und Zivilangestellten ihrer Behörde verbieten sich einfach.

Die Anwältin, die auf Scheidungsrecht spezialisiert ist, sorgt seit 2010 als oberste Polizistin für die Sicherheit der Menschen im Städtedreieck.

Eben wurde sie zur Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Polizeipräsidenten Deutschlands gewählt. Birgitta Radermacher ist eine Rheinländerin, die voll im Leben steht. Ehrenämter, Ratsmandate, Dezernenten-Jobs auf der einen – drei erwachsene Kinder und vier Enkel auf der anderen Seite belegen eine unerschöpfliche Freude am Leben.

In ihrer Heimatstadt Köln, in der sie bereits als Oberbürgermeister-Kandidatin gehandelt wurde, lebt sie zwei Häuser neben ihrem Geburtshaus. Stolz ist sie gerade erst auf den jüngsten Enkel.

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