Sägewerke in aller Welt kommen aus Remscheid

Jeder Millimeter weniger spart eine Menge Geld

Andreas Hindrichs (l.) mit Betriebsleiter Marius Pientka. Die Kreissägeblätter, die HDS in Bergisch Born herstellt, kommen überall auf der Welt in Sägewerken zum Einsatz. Einige haben mehrere Meter Durchmesser. Foto: Roland Keusch
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Andreas Hindrichs (l.) mit Betriebsleiter Marius Pientka. Die Kreissägeblätter, die HDS in Bergisch Born herstellt, kommen überall auf der Welt in Sägewerken zum Einsatz. Einige haben mehrere Meter Durchmesser.

Die Remscheid HDS Group beliefert Sägewerke mit Kreissägeblättern.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Weg vom Baumstamm zum fertigen Brett, er dauert in einem modernen Sägewerk nur Sekunden. Laser messen den Stamm aus, die Werkzeuge werden ausgerichtet – und wenige Augenblicke später ist der Job erledigt. Viele der Sägeblätter, die dabei überall auf der Welt Schwerstarbeit verrichten, kommen aus Remscheid.

Hier startete Andreas Hindrichs Ende der 1990er-Jahre mit einem Ein-Mann-Unternehmen im Flur seines Wohnhauses. Heute, mehrere Umzüge und Erweiterungen später, verfügt die HDS-Group über 89 Mitarbeiter und 6500 Quadratmeter Produktionsfläche im Remscheider Gewerbegebiet Bergisch Born. Ihre Abnehmer sitzen über den halben Planeten verteilt. Nur nicht in Remscheid. „Unsere nächsten beiden Kunden sind etwa 80 und 100 Kilometer entfernt“, sagt Andreas Hindrichs. Andere seien in Nordamerika oder Sibirien zu Hause. Immer da, wo es viel Wald und deswegen Sägewerke gibt.

Wir kämpfen da um hundertstel Millimeter.

Andreas Hindrichs, HDS Group

Dass die holzverarbeitende Industrie weltweit auf Sägeblätter aus Remscheid zurückgreift, habe insbesondere damit zu tun, dass diese eine hohe Effizienz versprechen, erklärt Hindrichs. Je kürzer die Standzeiten der Maschinen und vor allem je dünner deren Schnitte, umso höher der Gewinn für den Betreiber. „Wenn der Heimwerker einen Millimeter mehr wegschneidet, stört ihn das nicht“, erklärt der Inhaber. Für ein Großsägewerk gehe es da aber schnell um Verluste im sechsstelligen Bereich: „Wir kämpfen da um hundertstel Millimeter.“

Und dabei betrachte man nahezu jeden möglichen Parameter der Sägeblätter, sagt Hindrichs: Durchmesser, Werkstoff, Härte. „Die Anzahl der Zähne spielt eine große Rolle“, erklärt er. Außerdem Schwingungen und Fliehkräfte. Basis der Blätter seien Scheiben aus Stahl, der speziell für die HDS Group hergestellt werde. „Das ist eine Legierung, die für uns perfekt ist. Da hat jeder so sein Geheimnis.“

Welchen enormen Belastungen die Blätter ausgesetzt sind, zeigt, dass sie im Einsatz etwa alle acht bis 16 Stunden nachgeschliffen werden. 15 bis 25 Mal könne man das machen, so Hindrichs. Danach kommen sie zum Regenerieren zurück ins Remscheider Werk. Erst wenn auch das nicht mehr funktioniert, gibt es neue.

Dass er einmal ein mittelständisches Unternehmen führen wird, sei so gar nicht geplant gewesen, sagt Andreas Hindrichs: „Das hat sich so ergeben.“ Der heute 54-Jährige studierte nach einer Lehre zum Autoschlosser Maschinenbau und schloss sich ursprünglich einem Kreissägenhersteller in Remscheid an. Nach einigen Jahren machte er sich mit dem NRW-Vertrieb eines bayerischen Maschinenbauers selbstständig. Allerdings seien immer wieder Kontakte aus seiner Zeit bei dem Sägenhersteller auf ihn zugekommen, erinnert sich Hindrichs. So fing er an, mit Sägeblättern zu handeln.

Mit der Zeit wurde aus dem Händler auch ein Konstrukteur. Und später ein Hersteller. Nach und nach habe sich die Gelegenheit ergeben, Lieferanten zu übernehmen, sagt Andreas Hindrichs. Und mit ihnen ihr Know-how und teilweise auch die Mitarbeiter. Seit 2008 gibt es im Programm von HDS nur noch eigene Produkte. Und während andere Remscheider Sägenhersteller die Segel streichen mussten, wuchs Hindrichs Firma immer weiter. „Mich hat immer gereizt, dass mir das alle nicht zugetraut haben“, sagt der Inhaber heute.

Inzwischen sind Sohn und Tochter mit eingestiegen, kümmern sich um einen neuen Spezial-Bereich, den man nun angehen will: Die Firma HDS Knives beliefert Hersteller von Span- und ODS-Platten, insbesondere mit Maschinenmessern, die besondere Voraussetzungen erfüllen müssen.

Durch die Finanzkrise 2008 und 2009 sei man gut durchgekommen, berichtet Andreas Hindrichs. Und auch die aktuelle Pandemie bereite der Firma keine allzu großen Probleme. Anders sehe das allerdings mit dem Fachkräftemangel aus: „Wenn ich mir für die Zukunft um etwas Sorgen mache, dann das“, sagt der Geschäftsführer.

„Wir suchen eigentlich ständig Fachkräfte, Auszubildende und auch ungelernte Mitarbeiter.“ Doch trotz Zulagen, Betriebsfahrräder und anderer Benefits seien die immer schwieriger zu finden. Das könne die Entwicklung der Firma auf Dauer bremsen, ist Andreas Hindrichs überzeugt: „Man kann ja nicht alles automatisieren.“

Hintergrund

Sägewerke sind eine Milliardenbranche. In Deutschland gibt es laut Branchenverband mehr als 2000 Unternehmen, die zusammen 6,5 Milliarden Euro Umsatz machen. Mehr als die Hälfte des Umsatzes entfällt dabei auf die 34 größten Firmen. Deutschland ist mit 6,9 Prozent Marktanteil fünftgrößter Exporteur von Sägeholz, nach Kanada, Russland, Scheden und den USA.

Remscheider Spezialist für Kreissägeblätter wird 125 Jahre alt.

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