Fernüberwachung

Das Internet der Dinge kommt in kleinen Schritten

Ralf Schmitz (l.) und Jörg Demtröder mit der Versuchsanlage, die zugleich als Vorführobjekt für interessierte Unternehmen dient. Foto: Christian Beier
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Ralf Schmitz (l.) und Jörg Demtröder mit der Versuchsanlage, die zugleich als Vorführobjekt für interessierte Unternehmen dient.

Solinger Maschinenfabrik entwickelt permanente Fernüberwachung speziell für den Mittelstand.

Von Sven Schlickowey

Solingen. Industrie 4.0 kommt. Auch ins Bergische. Aber auf Wunsch in kleinen Schritten. Helfen will dabei die Solinger Maschinenfabrik Wichelhaus, die zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation sowie weiteren Partnern ein Projekt unter dem Titel „Rock your data“ initiiert hat. Mit dem Ziel, auch kleineren Unternehmen eine permanente Fernüberwachung ihrer Produktion zu ermöglich.

Dass Maschinen in der Produktion Daten erfassen und mitschreiben, sei längst Stand der Dinge, sagt Jörg Demtröder, Gesellschafter und Geschäftsführer bei Wichelhaus. „Aber uns geht es darum, dass wir aus diesen Daten auch etwas lernen können.“ Und das möglichst automatisiert. „Wir wollen nicht, dass die Firmen einen IT-Spezialisten einstellen müssen, der das übernimmt.“

„Wir wollen, dass der Einstieg ganz einfach ist.“
Jörg Demtröder

Ziel könne es sein, Ausschussquoten in der Produktion zu verringern oder Ausfallzeiten zu verhindern. „Wir erfassen zum Beispiel Verbrauchsdaten“, beschreibt Demtröder eine der Möglichkeiten. Aber auch die Temperatur oder Vibrationen könnten Aufschluss über den Zustand geben. So könnte sich die Maschine melden, bevor sie kaputt geht.

Oder, wenn es doch mal passiert, für eine schnelle Reparatur sorgen. Eine Schnittstelle ermögliche es zum Beispiel, dass automatisiert ein Monteur beauftragt wird. Und dass der gleich die notwendigen Informationen mit auf dem Weg bekommt. Demtröder: „Wir wollen, dass der Monteur direkt mit dem richtigen Ersatzteil zur Maschine geht.“

Systeme, die das grundsätzlich können, seien bereits auf dem Markt, sagt Jörg Demtröder. Doch viele davon seien für den Mittelstand eher ungeeignet. Weil sie extrem aufwendig und komplex sind und speziell programmierte Schnittstellen benötigen. Oder auch, weil die aufgezeichneten Daten firmeneigenes Know-how verraten würden. All das möchten Wichelhaus und die anderen Partner mit „Rock your data“ umgehen: „Wir haben eine ganz einfache Schnittstelle, die jeder lesen kann“, sagt Demtröder. Und Techniken, die Daten auch zu nutzen.

Und das in einem modulweisen Aufbau. „Wir wollen, dass der Einstieg ganz einfach ist“, beschreibt Jörg Demtröder den Ansatz. Statt der ganz großen Gesamtlösung könne sich ein Unternehmen also auch dazu entscheiden, erst einmal nur einen bestimmten Teilbereich überwachen zu lassen. Und so den Umgang mit Industrie 4.0 und dem oft zitierten Internet der Dinge zu lernen. „Wir fragen immer: Wo sind deine Bauchschmerzen“, sagt Demtröder. „Und danach gehen wir das Problem in kleinen Stufen an.“

Und das ausdrücklich nicht nur bei neuen Maschinen. Und ausdrücklich nicht nur bei Maschinen aus dem Haus Wichelhaus. Das System sei auch bei bestehenden Maschinenparks anwendbar, sagt Jörg Demtröder: „Alles kann bleiben, wie es ist, wir rüsten uns oben auf und greifen dann die Daten ab, die wir brauchen.“ Selbst wenn Maschinen gar keine Daten erzeugen. „Dann können wir externe Sensoren anbringen.“

Vor allem kleinere Firmen hätten in diesem Bereich ein „großen Nachholbedarf“, glaubt Demtröder. „Gerade in den Führungsetagen können sich viele nicht vorstellen, dass das funktioniert.“ Andere würden wohl befürchten, solche Projekte mit der aktuellen Personaldecke nicht stemmen zu können. Und so sehen sich Wichelhaus und die anderen Firmen nicht nur als Entwickler, sondern auch als Überzeuger.

Auch in Live-Vorführungen. Jörg Demtröder und seine Mitarbeiter haben extra eine Anlage, die bisher von einem Kunden der Firma auf Messen genutzt wurde, umgerüstet. Sie dient nun als Entwicklungsanlage, an der auch außergewöhnliche Situationen simuliert werden können. Aber auch als Vorführobjekt. Regelmäßig lädt man Firmenvertreter zum Firmensitz an der Feuerbachstraße ein, um ihnen die Möglichkeiten des Systems zu demonstrieren.

Und diese Möglichkeiten sollen noch zunehmen. Bis Ende 2022 läuft die Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut. Diese Zeit wolle man zur kontinuierlichen Weiterentwicklung nutzen, sagt Jörg Demtröder. „Viele Dinge sind jetzt schon für die Serienfertigung nutzbar.“ Doch man lerne weiterhin jeden Tag dazu. Typisch Industrie 4.0. Nur in kleinen Schritten.

Hintergrund

Industrie 4.0 bezeichnet die Digitalisierung der industriellen Produktion. Dabei steht das 4.0 für die vierte industrielle Revolution, nach der Mechanisierung, die Einführung der Massenfertigung und dem Einsatz von Elektronik. Dazu gezählt wird auch oft das Internet der Dinge, das eine Vernetzung von physische und virtuelle Gegenständen untereinander und eine Interaktion dieser mit dem Menschen beschreibt.

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