Kleidung wie von Wikingern

Ihre Kunden tauchen ins Mittelalter ein

Ehepaar Erkes stattet Ritter und Wikinger mit handgenähten LARP-Klamotten aus
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Ehepaar Erkes stattet Ritter und Wikinger mit handgenähten LARP-Klamotten aus

Katrin und Christian Erkes haben wikinger-welten.de ins Bergische geholt.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Weg ins Mittelalter, in Remscheid führt er durch die Waldstraße. Dort, nahe des Stadtzentrums, gibt es maßgefertigte Tunika aus Leinen, getöpferte Trinkbecher nach historischen Vorbildern und Ledertaschen wie sie einst die Wikinger trugen. Katrin und Christian Erkes haben ihre Begeisterung fürs Frühmittelalter zum Beruf gemacht, zumindest im Nebengewerbe. Nachdem sie sich in den vergangenen Jahren einen Namen mit authentische Kleidungsstücken gemacht haben, übernahmen sie Anfang des Jahres einen der wichtigsten Online-Shops der Szene.

Seither versendet der vorher im hessischen Bad Vilbel angesiedelte Internet-Shop wikinger-welten.de aus dem Bergischen. Nur ein Kanal für das Ehepaar Erkes, das zudem ein gutes halbes Dutzend Mittelaltermärkte pro Jahr besucht und auch ein Ladenlokal betreibt. Mit angeschlossener Werkstatt und Eventraum, in dem gelegentlich Lesungen stattfinden.

Die Geschichte hinter dem kleinen Remscheider Unternehmen ist auch und vor allem die Geschichte der Inhaber. Kennengelernt haben sich die beiden gelernten Krankenpfleger 2010 auf dem Metal-Festival in Wacken, wo sie Sanitätsdienst schoben. „Die Metal-Szene und die Mittelalter-Szene sind ja eng verbunden“, sagt Katrin Erkes. Aus einem anfänglichen Interesse sei schnell ein echtes Hobby geworden. Doch es blieb ein Problem, erinnert sich Ehemann Christian: „Wir haben für uns einfach keine vernünftige Gewandung gefunden.“

Denn nicht alles, was nach Mittelalter aussieht, ist auch Mittelalter. Auf ihrer Suche seien sie zum Beispiel oft auf Hemden mit Schnürungen gestoßen, die aber wohl erst später aufkamen. Und gerne auch mal auf Kleidungsstücke aus Baumwolle, die sich in Europa allerdings erst zum Ende des Mittelalters langsam durchsetzte. „Wenn man eine historische Darstellung betreiben möchte, muss man sich damit auch auseinandersetzen“, sagt Christian Erkes. Also begann er, Fachbücher zu wälzen.

Ich habe mir eine Nähmaschine gekauft und hab’ angefangen.

Katrin Erkes

Und seine Frau mit dem Nähen. Obwohl sie, wie sie heute zugibt, keine Ahnung davon hatte. „Ich habe mir eine Nähmaschine gekauft und hab’ angefangen“, sagt die rückblickend. Anleitungen aus Büchern, Youtube-Videos und VHS-Kurse halfen ihr dabei. Anfangs nähte Katrin Erkes nur für sich und ihren Mann, bald schon wünschten sich Freunde authentische Kleider und Thorsberghosen. Als sie die ersten Anfragen über Facebook erreichten, war das die Geburtsstunde ihrer Marke NadelArt, das war 2018.

Wirklich geplant sei das gar nicht gewesen, sagen sie heute. „Das hat sich einfach so entwickelt.“ Was auch für die Sortimentserweiterung gilt. Erst seien geflochtene Ketten hinzugekommen, später Götterfiguren und Holzkisten. „Das war einfach ein Selbstläufer“, meint Katrin Erkes. Mit einigen Produkten belieferten sie auch wikinger-welten.de. Als deren Inhaberin Ende des vergangenen Jahres verkündete, den Shop aufgeben zu wollen, schlugen sie zu.

Authentizität sei ihnen bis heute wichtig, sagt Christian Erkes. Doch inzwischen gehe man auch schon mal Kompromisse ein – viele Kunden würden das wünschen. Und so bieten der Erkes eben auch Trinkhörner mit Gürtelhalterung, Teelichthalter in Form eines Wikingerschiffs oder 15 Sorten Met an. „Ein bisschen Kitsch muss schon sein“, sagt Ehefrau Katrin. „Vor allem auf den Mittelaltermärkten.“

Und seit Kurzem gibt es bei NadelArt sogar eine kleine Streetwear-Abteilung mit T-Shirts. Darauf sind allerdings weder die üblichen Valhalla-Sprüche noch Thor mit blonder Comic-Mähne zu finden, sondern Petroglyphen, jahrtausendalte Felsritzungen aus dem heutigen Schweden.

Alles Schritte zum Wachstum des kleinen Unternehmens, das irgendwann vom Neben- zum Hauptgewerbe werden soll. Denkbar sei auch, dass man bald ein größeres Geschäft in noch zentralerer Lage beziehe, sagen die Inhaber. Denn die traditionell hergestellte und gefärbte Wolle, der Met und die Liköre oder auch die Gewürzmischungen für die Wikingerküche sind nicht nur für Menschen geeignet, die ihr ganzes Wochenende in einem mittelalterlichen Zeltlager verbringen wollen.

Hintergrund

Der Laden von wikinger-welten.de und NadelArt befindet sich in der Waldstraße 22 in Remscheid, Öffnungszeiten dienstags und donnerstags 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung, zum Beispiel per Whatsapp unter (01 73) 6 92 51 72. Zudem gibt es einen Online-Shop: www.wikinger-welten.de

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