Wirtschaft

Hückeswagener sorgen für mehr Wasser im Wasser

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Letzner-Anlagen kommen bei Pharmafirmen überall auf der Welt zum Einsatz, gebaut werden sie in Hückeswagen und dann fertig zum Kunden geliefert.

Letzner Pharmawasseraufbereitung beliefert nahezu die komplette Arzneimittel-Branche.

Von Sven Schlickowey

Hückeswagen. Trinkwasser gilt als das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Doch für manche Anwendungen, zum Beispiel in der Pharmaindustrie, ist Wasser, wie es aus der Leitung kommt, nicht ausreichend. Hier hilft die Letzner Pharmawasseraufbereitung GmbH aus Hückeswagen. Sie baut Anlagen, die Wasser noch reiner machen.

Auf der Kundenliste des Mittelständlers findet sich nahezu die komplette Arzneimittel-Branche, von Bayer über Merck bis Sanofi. Aber auch Kliniken und Apotheken.

Marketing-Managerin Jana Lankenau und ...

Und die Wirtschaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte. „Man kennt uns in der Branche“, sagt Michael Hegmann. Sieben, vielleicht acht namhafte Hersteller würden sich auf dem Markt tummeln, so der Vertriebsingenieur. Und sein Arbeitgeber gehöre darunter ohne Zweifel in die Spitzengruppe.

„Was bei unseren Anlagen rauskommt, ist nahezu ausschließlich H2O.“
Michael Hegmann, Vertriebsingenieur

Mit Filterung, Umkehrosmose, Elektrodeionisation und bei Bedarf auch Destillation sorgt Letzner dafür, dass am Ende im Wasser nahezu wirklich nur noch Wasser ist. Mikroorganismen, Ionen und andere Inhaltsstoffe, die bei Trinkwasser nicht stören oder sogar erwünscht sind, könnten in der Arzneimittelproduktion unerwünschte Reaktionen auslösen, so Hegmann: „Was bei unseren Anlagen rauskommt, ist nahezu ausschließlich H2O.“

Dabei gibt es sogar noch unterschiedliche Qualitätsstufen: Sogenanntes Purified Water wird zum Beispiel in der Herstellung von Medikamenten, die später oral verabreicht werden, eingesetzt. Werden aus dem Wasser aber Injektionen hergestellt, sind die Vorgaben noch strenger und damit der Aufbereitungsprozess noch umfangreicher.

Zehn bis 15 Projekte wickelt das Hückeswagener Unternehmen im Schnitt pro Jahr ab, berichtet Michael Hegmann. „Normalerweise beträgt die Lieferzeit etwa ein halbes Jahr.“ Doch aktuell sei die Nachfrage hoch.

...Vertriebsingenieur Michael Hegmann freuen sich derzeit über eine hohe Nachfrage.

„Da kann das schon mal länger dauern.“ Und das wird sich in Zukunft kaum ändern, vermutet Jana Lankenau – auch wegen Corona. „Wir gehen davon aus, dass die Hersteller ihre Kapazitäten aufrüsten“, sagt die Marketing-Managerin. Auch um wieder mehr Arzneimittel in Europa zu produzieren. Eine Lehre aus der aktuellen Pandemie.

Gegründet wurde die Firma 1991. Dass ausgerechnet Hückeswagen zum Firmensitz wurde, ist dem Firmengründer zu verdanken. Obwohl der gar kein Hückeswagener war. Er suchte aber die Nähe zu einem Partnerbetrieb, der die Edelstahlarbeiten übernahm. Und fand ihn in der Firma GFA Steriltechnik. So ist bis heute alles an einem Platz. „Alles, was wir brauchen, haben wir Inhouse, von der Entwicklung bis zur Programmierung“, sagt Michael Hegmann. Allein die Stahlarbeiten würden eben extern vergeben. „Die Firma GFA sitzt aber nur 200 Meter weiter.“

So sehr der Standort durch seine Nähe zu einem wichtigen Geschäftspartner hilft, manchmal bringt Hückeswagen auch Nachteile mit sich. „Es ist nicht immer ganz einfach, Mitarbeiter zu gewinnen“, formuliert es Jana Lankenau vorsichtig. Technische Produktdesigner, Elektroniker und Kaufleute bilde Letzner selber aus, Ingenieure in die Kleinstadt zu locken, sei aber schwierig. Dabei sei der Bedarf groß. 70 Mitarbeiter hat die Firma derzeit. Ein kleiner Teil davon arbeitet in den drei Vertriebs- und Service-Niederlassungen, die sich mit Bremen, Gera und Stuttgart über den Rest der Republik verteilen. Der größte Teil aber im Bergischen.

Dass Letzner-Anlagen komplett in Edelstahl gefertigt werden, gehört zum Konzept. „In der Pharma-Branche wird viel Wert auf Qualität gelegt“, erklärt Hegmann. Da helfe das Siegel „Made in Germany“. Aber auch, dass man besonders durchdachte Produkte anbiete. „Da sind wir ganz weit vorne“, sagt der Vertriebsingenieur.

Doch nicht nur in diesem Bereich versucht das Unternehmen, sich stetig zu verbessern. Auch beim Thema Nachhaltigkeit sei man zunehmend aktiv, berichtet Jana Lankenau. Die Firma setze auch E-Autos und Job-Rad, biete seinen Mitarbeitern ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Und auch die Anlagen sollen nachhaltiger werden, unter anderem weniger Strom und Wasser verbrauchen. Damit das Wasser am Ende nicht nur reiner, sondern auch umweltfreundlicher ist.

Hintergrund

Die Letzner Pharmawasseraufbereitung GmbH ist inzwischen Teil der Enviro-Chemie-Gruppe. Die 1976 gegründete Firma mit Sitz in Rossdorf bei Frankfurt am Main wolle mit der Übernahme „ihre Marktpräsenz und ihre Kompetenz in der Prozesswasserbehandlung für die pharmazeutische Industrie“, heißt es in einer Mitteilung. Peter Leyendecker, Geschäftsführer von Enviro-Falk: „Wir freuen uns sehr, dass unser Expertenwissen durch die ausgeprägte Kompetenz des Letzner-Teams im Pharmabereich signifikant erweitert wird.“

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