Es drohen Verspätungszuschläge

Grundsteuer: Hausbesitzer müssen bis Oktober reagieren

Die Grundsteuer wird neu berechnet, obwohl das erst 2025 greift, müssen Immobilienbesitzer noch in diesem Jahr reagieren, erklärt Steuerberater Fabian Klee (kl. Foto). Ob es dadurch teurer oder günstiger wird, kann man derzeit noch nicht sagen.
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Die Grundsteuer wird neu berechnet, obwohl das erst 2025 greift, müssen Immobilienbesitzer noch in diesem Jahr reagieren, erklärt Steuerberater Fabian Klee. Ob es dadurch teurer oder günstiger wird, kann man derzeit noch nicht sagen.

Änderung der Grundsteuer 2025 wirft ihre Schatten voraus.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Ab 2025 soll die Grundsteuer in Deutschland neu geregelt werden. Das Verfahren sorgt aber schon dieses Jahr für jede Menge Arbeit bei Immobilienbesitzern und Steuerberatern. Denn zwischen Juli und Oktober muss für jede Immobilie, vom unbebauten Grundstück über das Einfamilienhaus bis zum Gewerbepark, eine Erklärung als Grundlage für die neue Berechnung abgegeben werden. Wer das bis Ende Oktober nicht macht, dem drohen Verspätungszuschläge. Eine gesonderte Aufforderung des Finanzamts wird es wohl nicht geben.

„Wir müssen schon schauen, wie wir das in den vier Monaten geregelt bekommen“, berichtet Fabian Klee. Der Steuerberater der Remscheider Kanzlei Kaib, Galldiks und Partner steckt längst in den Vorbereitungen für das neue Verfahren. Viel mehr, als die Daten seiner Mandanten zu sammeln, bleibt ihm derzeit aber kaum übrig. Unter anderem weil die notwendigen Programmierungen noch nicht umgesetzt wurden. Auch über die Höhe der zukünftigen Steuer könne man noch keine Aussagen treffen, so Klee. Die für die Berechnung notwendigen Hebesätze der Kommunen werden wohl erst in den kommenden Jahren verabschiedet.

Dass es überhaupt zu der Neuerung kommt, ist dem Bundesverfassungsgericht zu verdanken. Das hatte bereits 2018 die aktuell noch gültige Bewertungsgrundlage für verfassungswidrig erklärt. Die sogenannte Einheitsbewertung basiert auf Werten aus dem Jahr 1964. Und ist laut den Verfassungsrichtern ungerecht.

„Es wird Verlierer und Gewinner geben“, sagt Fabian Klee. Insgesamt soll das Aufkommen an Grundsteuern gleich bleiben, das sei erklärtes Ziel der Politik. Doch für den einzelnen Immobilienbesitzer könnten die Veränderungen erheblich sein. „Vermutlich müssen vor allem Eigentümer jüngerer Gebäude mehr zahlen“, sagt Klee. Wie viel genau, wisse aber niemand. Denn erst wenn die Ergebnisse der neuen Wertermittlung feststehen, können die Kommunen ihre Hebesätze anpassen.

Neben Grundstücksgröße und Wohnfläche werden für die Wertermittlung Angaben zum Baujahr, zu Nebengebäuden und möglichen Sanierungen benötigt. „Das ähnelt dem Verfahren, das auch vom Gutachterausschuss angewandt wird“, sagt der Steuerberater. Es sei aber einfacher als die Wertermittlung für die Schenkungs- und Erbschaftssteuer. „Theoretisch kann man das auch selber machen“, sagt Fabian Klee. „Das ist immer eine Frage des zeitlichen Faktors.“ Denn Stand heute soll die Erklärung nur über Elster, dem Online-Portal der Finanzverwaltung, möglich sein. „Und das ist nicht immer unbedingt benutzerfreundlich.“

Steuerberater Fabina Klee.

Wiederholt werden soll das Verfahren zukünftig alle sieben Jahre. Doch auch dazwischen müssten Veränderungen angezeigt werden, mahnt Steuerberater Klee: „Wenn das Dachgeschoss ausgebaut wird oder ein Wintergarten angebaut, verändert das natürlich den Wert der Immobilie.“

Unterschieden wird im ersten Schritt zwischen Wohn- und anders genutzten Immobilien. Bei Wohnhäusern wird im sogenannten Ertragswertverfahren eine Art theoretische Miete aus Wohnfläche, Lage und Baujahr errechnet und mit dem Bodenwert addiert. Alle anderen Immobilien werden dagegen im Sachwertverfahren bewertet, hier werden Boden- und Gebäudesachwert zusammen gerechnet.

Während des gesamten Verfahrens bekommt der Eigentümer voraussichtlich zweimal Post vom Finanzamt, den Grundsteuerwertbescheid und die Festsetzung des Grundsteuermessbetrags. Beides diene nur der Information, betont Fabian Klee: „Da muss man noch keine Zahlungen leisten.“ Erst der Bescheid der jeweiligen Kommune löse dann eine Zahlungspflicht aus.

Hintergrund

Um die Grundsteuer zu berechnen, wird der Steuermessbetrag mit dem von der Kommune festgesetzten Hebesatz multipliziert. Für bebaute Grundstücke beträgt der Satz in Remscheid derzeit 620, in Solingen 690 Prozent. Doch auch das wird sich im Zuge der Reform noch ändern.

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