Rasiermesserhersteller

Gründergeist haucht Manufaktur neues Leben ein

Seit einem halben Jahr krempelt Jens Grudno den traditionsreichen Solinger Rasiermesserhersteller Dovo um. Foto: Christian Beier
+
Seit einem halben Jahr krempelt Jens Grudno den traditionsreichen Solinger Rasiermesserhersteller Dovo um.

Vor einem halben Jahr übernahm der Berliner Jens Grudno die insolvente Dovo Stahlwaren GmbH.

Solingen. In seinem bisherigen Berufsleben hat Jens Grudno bereits verschiedene Branchen kennengelernt. Eine Zeit lang war der Diplom-Kaufmann im Finanzsektor tätig. Vor einigen Jahren gründete er in Berlin ein Start-up für Medizintechnik. Im vergangenen Jahr suchte er eine neue Herausforderung – und wurde im Bergischen Land fündig. Genauer gesagt in Solingen. Seit dem 1. Oktober 2020 ist Grudno Mehrheitseigner und Geschäftsführer der Dovo Stahlwaren GmbH. Er möchte den traditionsreichen Rasiermesserhersteller zurück in die Erfolgsspur führen.

„Wenn man einen Diamanten schön aufpoliert hat, kann man sich nur schlecht davon trennen.“

Jens Grudno, Geschäftsführer

Rückblick: Im April vergangenen Jahres wurde die Insolvenz des Betriebs mit Sitz an der Böcklinstraße in Solingen bekannt. Davon bekam auch Jens Grudno in der Hauptstadt mit. Ein Freund berichtete ihm von den Schwierigkeiten dieser kleinen Manufaktur im Bergischen Land, für die er wenige Monate zuvor eine Website gebaut hatte. „Ich habe mir das Ganze mal angeschaut und schnell das große Potenzial des Rasurbereichs gesehen“, blickt Grudno zurück. Mit 13 Gesellschaftern stieg er in das Unternehmen ein.

„Ich wollte möglichst viele Leute an dem Projekt beteiligen, die ich kenne“, erklärt der 34-Jährige das Vorgehen. Sie alle stammen aus dem Mittelstand und der Digitalbranche. Wegen ihrer Expertise in verschiedenen Gebieten können sie Grudno bei Problemen unterstützen oder ihre Kontakte spielen lassen. Dies sei deutlich unkomplizierter und günstiger, als externe Berater ins Boot zu holen.

Akzente setzt die neue Geschäftsführung vor allem in Sachen Marketing und beim Stärken der Marke Dovo. Das Unternehmen hat unter anderem seine Präsenz in den Sozialen Netzwerken erheblich ausgebaut. Zum einen gehe es darum, neue Zielgruppen zu erschließen. Viele Menschen haben Vorbehalte gegen Rasiermesser, fürchten sich gar vor den scharfen Klingen. Diese Hürden gelte es abzubauen. Andererseits sucht Dovo den Kontakt zu Barbieren und Fans der Marke, um Rückmeldung zu den Produkten zu erhalten.

Jens Grudno hat sich ehrgeizige Ziele für das 1906 gegründete Unternehmen gesetzt. Dazu gehört, international neue Märkte zu erschließen. Bereits heute mache Dovo 75 Prozent seines Umsatzes im Ausland. „Beispielsweise in China können wir aber noch zulegen. In weiten Teilen der Welt werden deutsche Qualitätsprodukte sehr geschätzt.“ Einen Beitrag zum Erfolg sollen neue Produkte leisten, die das Unternehmen in Zusammenarbeit mit externen Partnern entwickelt. Vor allem setzt Jens Grudno allerdings auf Qualität. Aktuell befinde sich eine Maschine in der Entwicklung, die die Qualität der Klingen messbar machen soll: „In zwei Jahren wollen mir mit Dovo in Sachen Nassrasur das Maß aller Dinge sein.“

Dafür investiert der Geschäftsführer laut eigenen Angaben viel. 14-Stunden-Tage seien momentan keine Seltenheit. Den Großteil der Woche hält sich der Unternehmer in Solingen auf, die Wochenenden verbringt er bei seiner Familie in München.

Viele Prozesse bei Dovo habe er auf den Kopf gestellt, erzählt Grudno. Weitestgehend unberührt sei jedoch die Produktion geblieben: „Dort können wir auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen.“ Damit das Wissen erhalten bleibt, plant das Unternehmen, im Laufe des Jahres zwei Auszubildende einzustellen.

Nach anfänglicher Skepsis nimmt der 34-Jährige in der Belegschaft inzwischen eine Aufbruchstimmung wahr: „Hier brodelt es.“ Ob sich seine Bemühungen bereits bezahlt machen, könne er bisher nicht sagen. Es sei zu früh, um Effekte an den Umsätzen ablesen zu können. Vom eingeschlagenen Weg ist der Unternehmer aber überzeugt.

Und was passiert, wenn Grudnos Plan aufgeht und Dovo zurück in die Erfolgsspur findet? Verkauft der 34-Jährige das Unternehmen dann gewinnbringend? „Ich mache mir selten langfristige Pläne“, sagt er. Durchaus vielsagend erklärt er jedoch: „Wenn man einen Diamanten schön aufpoliert hat, kann man sich nur schlecht davon trennen.“ Und vielleicht gebe es in der Region noch andere Traditionsunternehmen in ähnlicher Lage, denen etwas frischer Wind ebenfalls guttun würde.

Merkur

Nach der Insolvenz der Dovo Stahlwaren GmbH hat sich Jens Grudno von den Geschäftszweigen Scheren und Zangen getrennt. Dies hatte eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl von rund 40 auf zwölf zur Folge. Inzwischen seien es wieder 16. Weiterhin bestehe die Kooperation mit der Merkur Stahlwaren GmbH & Co. KG, deren Produkte Dovo vertreibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare