GKN Sinter Metals

GKN schließt Werk Hückeswagen - 42 Jobs werden nachträglich Opfer des Juli-Hochwassers

Der Hückeswagener GKN-Standort soll Ende 2022 geschlossen und die Produktion nach Franken verlagert werden. Foto: wey
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Der Hückeswagener GKN-Standort soll Ende 2022 geschlossen und die Produktion nach Franken verlagert werden.

Britischer Konzern schließt Hückeswagener Standort – auch weil der Wiederaufbau zu teuer sei. Belegschaft sauer: Erst aufräumen, dann Kündigung trotz voller Auftragsbücher. GKN-Stellenabbau auch in Radevormwald.

Von Sven Schlickowey

Hückeswagen. Der britische Konzern GKN will seine Hückeswagener Niederlassung zum Jahresende 2022 schließen, dabei werden wohl alle 42 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Man habe die Belegschaft in der vergangenen Woche darüber informiert, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Begründet wird dieser Schritt auch mit den Folgen des Hochwassers Mitte Juli.

Das Starkregenereignis hatte die Firma, die in Hückeswagen direkt an der Wupper liegt, hart getroffen. Zahlreiche Maschinen seien seither nicht mehr zu gebrauchen, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Beisenbusch. Zudem habe es auch Teile der Gebäude erwischt.

Das alles wieder herzustellen, ist dem Unternehmen offenbar zu teuer: „Kosten und Aufwand des Wiederaufbaus [...] sind sehr hoch“, heißt es in einem Papier, das an die Mitarbeiter verteilt wurde. In einer Pressemitteilung spricht die Firma von einer „schwachen Entwicklung des Geschäftes“ und „steigendem Wettbewerbsdruck“, wodurch der eher kleine Standort in der Schlossstadt nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei.

Stattdessen soll die Hückeswagener Produktion nun ganz ins unterfränkische Bad Brückenau verlegt werden, was nach dem Hochwasser bereits in Teilen geschehen war, um die Lieferfähigkeit zu erhalten, wie das Unternehmen mitteilt. Zu der dort ansässigen GKN Sinter Metals & Forge Operations GmbH gehört der Hückeswagener Standort seit einigen Jahren.

Hoffnung, das Werk doch noch erhalten, habe man nicht, sagt der Betriebsrat. Noch im August, bei den Aufräumarbeiten, hatte die Belegschaft Hoffnung auf einen Neuanfang. Entsprechend gehe es nun darum, ein möglichst gutes Ergebnis bei den Verhandlungen zu erzielen. Grundlage dafür sei der Sozialplan, der für den Radevormwalder GKN-Standort ausgehandelt wurde. In der Hückeswagener Nachbarstadt hatte der Konzern Anfang 2020 angekündigt, mehr als 100 Stellen abzubauen.

GKN-Fachkräfte hoffen auf neue Jobs: „Das sind gut ausgebildete Leute“

Angesichts des aktuellen Fachkräftemangels sei es realistisch, dass viele Kollegen bald einen neuen Job fänden, sagt der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Beisenbusch: „Das sind zum Großteil gut ausgebildete Leute.“

GKN-Stellenabbau: Unverständnis über Standortschließung

Trotzdem herrsche in der Belegschaft großes Unverständnis über die Entscheidung der Konzernleitung: „Wir waren immer ein profitabler Zweig des Unternehmens“, so Beisenbusch. Obwohl seit Jahren kaum noch in den Standort investiert worden sei. Und auch aktuell seien die Auftragsbücher voll.

Enttäuscht zeigen sich Beisenbusch und seine Kollegen zudem darüber, dass sich kein Vertreter der Konzernleitung nach dem Hochwasser in Hückeswagen habe blicken lassen. Und dass man die Mitarbeiter nach den Fluten erst zu Aufräumarbeiten herangezogen hat – bevor man ihnen nun die Nachricht von der Werksschließung überbrachte.

Das passe zu dem Bild, dass GKN seit der Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft Melrose Industries 2018 abgebe, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Dass Werke quasi über Nacht geschlossen würden, sei keine Seltenheit. Auch für den Hückeswagener Standort habe man das schon länger befürchtet: „Das Hochwasser hat den Prozess nur beschleunigt.“

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