Mobilität

Gesucht werden Alternativen zu Benzin und Diesel

Der Verkehrsausschuss der Bergischen IHK traf sich am Mittwoch im Solinger Porsche-Zentrum. Marco Lietz (l.) hielt einen Vortrag über E-Fuels. Foto: Christian Beier
+
Der Verkehrsausschuss der Bergischen IHK traf sich am Mittwoch im Solinger Porsche-Zentrum. Marco Lietz (l.) hielt einen Vortrag über E-Fuels.

Verkehrsausschuss der Bergischen IHK diskutierte in seiner konstituierenden Sitzung über E-Fuels.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Der Ort war nicht zufällig gewählt: Im Solinger Porsche-Zentrum traf sich der Verkehrsausschuss der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) zu seiner konstituierenden Sitzung (| Kasten). „Porsche forscht seit einigen Jahren intensiv an synthetischen Kraftstoffen“, erklärte Thomas Wängler, der für Verkehr zuständige IHK-Geschäftsführer. Und genau dieses Thema stand am Mittwochnachmittag im Fokus. Mit einem Experten diskutierte der Ausschuss über E-Fuels. „Die Frage, womit unsere Autos zukünftig fahren, beschäftigt uns derzeit sehr“, verdeutlichte Jürgen Gadder, der Ausschuss-Vorsitzende, die Relevanz des Themas.

Die inhaltlichen Impulse lieferte Marco Lietz. Er ist seit April 2020 für die Firma Neste tätig. Beim finnischen Kraftstoff- und Chemikalienhersteller kümmert sich der Lobbyist für den deutschsprachigen Raum um die politische Interessenvertretung. Das Unternehmen gibt an, der „weltweit führende Produzent von erneuerbarem Diesel und erneuerbarem Flugkraftstoff“ zu sein.

„Jede Lösung, die fossile Kraftstoffe ersetzt, wird gebraucht.“

Marco Lietz, Public-Affairs-Manager

Lietz erklärte, der aus Biomasse hergestellte Kraftstoff sei für alle Dieselmotoren geeignet – als Beimischung und in Reinform. Wegen rechtlicher Hürden sei das Produkt in Deutschland noch nicht für Privatleute an Tankstellen erhältlich. Die chemische Zusammensetzung gleiche den sogenannten E-Fuels. Diese synthetischen Kraftstoffe entstehen in einem Elektrolyseverfahren. Benötigt werden Wasser, CO2 und Strom.

„Im Individualverkehr gibt es einen ganz klaren Trend zur Elektrifizierung“, gab Marco Lietz zu. Gleichzeitig verwies er auf Schätzungen der Europäischen Union, wonach 2030 noch 80 bis 90 Prozent der Lkw und Pkw zumindest teilweise auf einen Verbrennungsmotor angewiesen sein werden. Eine Chance für synthetische Kraftstoffe? „Die Herausforderung ist so gewaltig, dass sich die Systemfrage Elektromobilität oder Verbrenner nicht stellt“, machte der Lobbyist seine Position deutlich. Und ergänzte: „Jede Lösung, die fossile Kraftstoffe ersetzt, wird gebraucht.“

Thomas Wängler wies auf die zeitliche Dimension der Diskussion hin. Viele Betriebe müssten jetzt oder in den kommenden Jahren entscheiden, wie sie ihre Fahrzeugflotten in Zukunft aufstellen. Zumindest kurzfristig scheinen synthetische Ansätze – ob E-Fuels oder andere – für den Otto Normalverbraucher dabei keine umweltschonende Alternative zu Benzin und Diesel zu sein. Marco Lietz verwies unter anderem auf Verfügbarkeitsfragen und rechtliche Hürden.

Doch können sie der Elektromobilität auf lange Sicht Konkurrenz machen? Das wollte der IHK-Geschäftsführer wissen und fragte gezielt nach dem Verbrauch. Dieser liegt bei Elektroautos je nach Modell bei durchschnittlich etwa 20 Kilowattstunden pro Kilometer. Um E-Fuels für die gleiche Strecke herzustellen, sind laut Lietz momentan rund 100 Kilowattstunden nötig.

Die größte Herausforderung der Zukunft sei seiner Einschätzung nach jedoch nicht die Effizienz, sondern die Verfügbarkeit des Energieträgers. Hier sieht der Lobbyist Elektrofahrzeuge im Nachteil. Deutschland könne keine unendlichen Strommengen selbst produzieren, der Bedarf der verschiedenen Sektoren sei allerdings groß. Zukünftig synthetische Kraftstoffe in flüssiger Form nach Deutschland einzuführen, sei einfacher, als Strom zu importieren. Außerdem könnte man weiterhin auf die bestehende Tankinfrastruktur zurückgreifen.

Unabhängig davon geht Marco Lietz davon aus, dass die Diskussion über die Mobilität der Zukunft angesichts der hohen Preise für fossile Kraftstoffe weiter an Fahrt aufnimmt. Sind E-Fuels die Lösung? Das wird die Zeit zeigen. Doch Lietz zeigt sich überzeugt, dass sie vor allem in Bereichen wie dem Flugverkehr und der Schifffahrt, die aller Voraussicht nach länger auf flüssige Kraftstoffe angewiesen sind als der Individualverkehr, eine echte Alternative sein können.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare