Hückeswagener Meisterbetrieb hilft in ganz Deutschland

Fliesenleger werden zu Rettern in der Not für Schwimmbäder

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Ausgestattet mit Sauerstoffflaschen und dank eines speziellen Klebers reparieren Dietmar Noack und Kollegen Fliesenschäden – ohne das Wasser aus dem Becken abzulassen. Fünf bis zehn Aufträge dieser Art bearbeiten sie pro Jahr.

Dietmar Noack hat mit Kollegen ein Verfahren entwickelt, mit dem unter Wasser Fliesen verlegt werden können.

Von Sven Schlickowey

Hückeswagen. Unter der Woche ist Dietmar Noack ein normaler Fliesenleger. Sein Hückeswagener Meisterbetrieb hat drei Angestellte und kümmert sich um die Klassiker vom Fliesenspiegel in der Küche bis zum kompletten Badezimmer. Doch an manchen Wochenende wird Noack zum Retter in der Not. Dann fährt er mit einem kleinen Team durch die halbe Republik und sorgt dafür, dass Hallen- und Freibäder nicht schließen müssen.

Dietmar Noack hat mit seinen Kollegen Marcus Paul und Thomas Theunissen ein Verfahren entwickelt, mit dem unter Wasser Fliesen verlegt werden können. Ausgestattet mit Sauerstoffflaschen und dank eines speziellen Klebers reparieren sie so Fliesenschäden – ohne das Wasser aus dem Becken abzulassen.

Wir haben ein Becken aufgebaut und angefangen zu experimentieren.

Dietmar Noack, Fliesenleger

Fünf bis zehn dieser Aufträge bekomme er pro Jahr etwa, berichtet Noack. In der Regel Notfälle, weil die Bäder je nach Ausmaß des Schadens aus Sicherheitsgründen schließen müssen. „Wir fahren dann meist freitags los und arbeiten in der Nacht auf Samstag.“ So kann das betroffene Bad in der Regel schon am nächsten Tag wieder öffnen.

Ausgestattet mit Sauerstoffflaschen und dank eines speziellen Klebers reparieren Dietmar Noack und Kollegen Fliesenschäden – ohne das Wasser aus dem Becken abzulassen. Fünf bis zehn Aufträge dieser Art bearbeiten sie pro Jahr.

Bis zu fünf Quadratmeter Fliesen verlege das dreiköpfige Team in einer Nacht, erklärt der Handwerksmeister: „Über die Jahre sind wir richtig schnell geworden.“ Das sei zwar wesentlich teurer als Fliesenarbeiten über der Wasseroberfläche, lohne sich für die Badbetreiber aber trotzdem: „Für die ist das sehr lukrativ.“ Denn die Alternative sei, das Wasser abzulassen, die defekte Stelle abtrocknen zu lassen und sie dann zu reparieren. Die Folge wären mehrtägige Ausfallzeiten. Und Wasser- und Energiekosten, die bei einem großen Schwimmbecken schnell im vierstelligen Bereich liegen.

Auf die Idee gebracht hat Dietmar Noack vor rund 20 Jahren ein Zeitungsartikel. 2002 eröffnete in der oberbergischen Kreisstadt Gummersbach die neue Badelandschaft Gumbala – und unmittelbar danach lösten sich die ersten Fliesen in den Becken. Der heute 57-Jährige, inzwischen seit über 30 Jahren Sporttaucher, erkannte den Bedarf und begann mit der Entwicklung seiner Methode: „Wir haben in unserer Halle ein Becken aufgebaut und angefangen zu experimentieren.“ Rund ein Jahr habe man gebraucht, um den richtigen Kleber zu finden.

Auf Fachmessen in Stuttgart und Köln versuchten die Hückeswagener anschließend, Badbetreibern die neue Dienstleistung näher zu bringen. Anfangs mit mäßigem Erfolg: „Die Leute gingen an unserem Stand vorbei und haben gelacht“, erinnert sich Noack. Die KölnBäder GmbH, Teil der Kölner Stadtwerke, war es schließlich, die der Idee eine erste Chance gab. Seitdem waren Noack und seine Leute in Dutzenden Bädern, aber auch Wellness-Bereichen von Hotels, Kliniken und ähnlichen Einrichtungen aktiv, darunter das Gezeitenland auf Borkum, die bekannte Therme Erding oder auch der Wellness-Tempel Sieben Welten in der Nähe von Fulda. „Heute geht das vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda.“

Die Einsätze unter Wasser seien eine schöne Abwechslung zum Berufsalltag, bekennt Dietmar Noack. Vor allem nach längeren Phasen ohne solche Aufträge freue man sich darauf. „Aber meistens kommt so was ja, wenn man es nicht gebrauchen kann.“ Gerade wenn man mehrere Wochenenden am Stück in Bädern unterwegs sei, gehe das an die Substanz. Zumal die Arbeit unter Wasser anstrengend sei, wie Noack sagt. „Man kann da ja nicht acht Stunden am Stück arbeiten.“

Ausgestattet mit Sauerstoffflaschen und dank eines speziellen Klebers reparieren Dietmar Noack und Kollegen Fliesenschäden – ohne das Wasser aus dem Becken abzulassen. Fünf bis zehn Aufträge dieser Art bearbeiten sie pro Jahr.

Inzwischen seien auch andere Firmen mit Unterwasser-Reparaturen am Markt, sagt Noack. Die würden aber überwiegend mit Silikon arbeiten. „Das ist nicht vergleichbar mit dem, was wir machen.“ Ein Unterschied sei die Langlebigkeit: „Bisher ist noch nichts von dem, was wir geklebt haben, wieder abgegangen.“ Dass er manche Kunden schon einige mal besucht habe, liege daran, dass sich Fliesen an anderer Stelle gelöst haben.

Vor allem bei Bädern, die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren gebaut wurden, sei das ein Problem, hat Noack beobachtet: „Früher wurden die Fliesen noch in Speis verlegt, seit einigen jahren werden sie nur noch geklebt.“ Werde das nicht vernünftig erledigt, löse sich die Fliese nach ein paar Jahren, erklärt der Hückeswagener. Der dann wieder am Freitagnachmittag ins Auto steigt und vom normalen Fliesenleger zum Retter in der Not wird.

www.fliesennoack.de

Hintergrund

Mehr als 6000 öffentliche Bäder gibt es in Deutschland, Ende 2019 zählten die Statistiker 3233 Hallen- und 2686 Freibäder, der Rest sind Naturbäder. Im Jahr 2000 erfasste die Statistik rund 7700 Bäder. Der Rückgang alarmiert die Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, die, wie die DLRG, fürchtet, dass so die Zahl der Nichtschwimmer steigen wird.

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