E-Mobilität

Firmenautos werden zu rollenden Stromspeichern

Weil er auf dem Markt keine passende Ladesäule fand, entwickelte Alfotec-Geschäftsführer Lukas Hackländer (kl. Foto) einfach eine eigene, die nun von der neu gegründeten aCharger GmbH gebaut und vertrieben wird. Und natürlich auch am Firmensitz (gr. Foto) im Einsatz ist. Fotos: aCharger
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Weil er auf dem Markt keine passende Ladesäule fand, entwickelte Alfotec-Geschäftsführer Lukas Hackländer einfach eine eigene, die nun von der neu gegründeten aCharger GmbH gebaut und vertrieben wird. Und natürlich auch am Firmensitz im Einsatz ist.

Wermelskirchener Unternehmer baut und vertreibt seine eigene E-Auto-Ladesäule.

Von Sven Schlickowey

Wermelskirchen. E-Mobilität ist für Lukas Hackländer mehr als eine Fortbewegungsart. „Da geht es eher um ein grundsätzliches Lebenskonzept“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Wermelskirchener Alfotec GmbH – und berichtet dann, wie er den Fördertechnik-Spezialisten schon seit Jahren auf Nachhaltigkeit trimmt: Kontoverbindungen bei einer genossenschaftlichen Öko-Bank, heizen mit Wärmepumpe und natürlich auch E-Fahrzeuge. Jetzt geht Hackländer noch einen Schritt weiter und baut seine eigenen Ladesäulen für E-Autos.

Im Februar gründete er die aCharger GmbH, die wie ihr Mutterunternehmen Alfotec im Wermelskirchener Industriegebiet an der Albert-Einstein-Straße sitzt, nur einen Steinwurf von der Obi-Zentrale entfernt. Die neue Firma baut und vertreibt insbesondere eine selbst entwickelte Ladesäule.

„Es gibt Elektriker, die nennen unsere Säule eine eierlegende Wollmilchsau.“

Lukas Hackländer, aCharger

Entstanden sei die Idee aus eigenem Bedarf, sagt Lukas Hackländer: „Alles, was es auf dem Markt gab, war entweder zu hässlich, zu teuer oder konnte nicht das, was es können sollte.“ Also entwarf man ein Produkt, das vor allem für kleine bis mittelgroße Firmen mit einem überschaubaren Fuhrpark gedacht ist. Also für Firmen wie Alfotec.

Alfotec-Geschäftsführer Lukas Hackländer.

Herausgekommen sei eine Säule, die nicht nur optisch individuell gestaltet werden könne, sondern sich vor allem durch ihr sogenanntes Last-Management auszeichne, sagt Hackländer. Vereinfacht formuliert nutzt sie also nur den Strom zum Laden der angeschlossenen Fahrzeuge, den die restliche Firma nicht benötigt. Dass sich dadurch die Ladezeiten verlängern, sei in der Regel kein Problem, meint Hachkänder: „Die meisten Mitarbeiter sind ja mindestens acht Stunden am Tag im Betrieb.“ Es bestehe also gar keine Notwendigkeit, die Fahrzeug-Akkus in kürzester Zeit mit der Maximalleistung vollzupumpen.

„Hat man mehrere Säulen, regeln die das untereinander“, erklärt Lukas Hackländer. Zukünftig auch, so sei es geplant, inklusive Ladestandabfrage, so dass der Strom immer erst in dem Auto landet, das ihn am nötigsten braucht. Zudem lasse sich, wie bei Alfotec, eine Photovoltaik-Anlage in das System einbinden, berichtet der Firmengründer. Die ganze Technik ermögliche es, Ladesäulen, auch mehrere parallel, zu betreiben, selbst wenn es das Stromnetz der Firma auf den ersten Blick formal gar nicht zulasse. Hinzu kommen weitere Details wie ein RFID-Kartenleser, die einfache Montage (Hackländer: „Das funktioniert wie das Anschließen eines E-Herds.“) und die Möglichkeit der Fernsteuerung per Smartphone-App. „Es gibt Elektriker, die nennen unsere Säule eine eierlegende Wollmilchsau“, sagt Lukas Hackländer nicht ohne Stolz.

Fernziel sei es, die elektrischen Firmenfahrzeuge zu einer Art rollenden Stromspeicher zu machen. „Gerade morgens entsteht in der Firma ja eine Verbrauchsspitze“, erklärt Hackländer. Wenn der Strom der Solaranlage in solchen Momenten nicht ausreiche, könne sich das System aus einem der Auto-Akkus bedienen. „Dafür reicht ja schon ein Fahrzeug.“ Übersteigt im Laufe des Tages die Leistung der PV-Anlage den tatsächlichen Verbrauch wieder, fließt der Strom zurück ins Auto. Technisch sei das alles längst machbar, sagt Lukas Hackländer. Allein die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland lasse das noch nicht zu.

Vertrieben werden soll die aCharger-Säule überwiegend über Fachhändler. Erste Versuche im Direktvertrieb hätten das junge Unternehmen überfordert, berichtet Hackländer: „Die Leute hatten zu viele Fragen, vor allem grundsätzlicher Natur.“ Elektriker, Solar-Firmen und andere Fachbetriebe würden die Vorzüge des neuen Systems hingegen schnell verstehen.

Vom Erfolg seiner Entwicklung ist der Unternehmer überzeugt. Der Markt wachse seit einigen Monaten exponentiell, auch im gewerblichen Bereich. Und das nicht nur aus ideologischen Gründen, wie Hackländer betont: Prämien, die entfallene Kfz-Steuer und niedrigere Betriebskosten würden E-Fahrzeuge für Firmen wirtschaftlich attraktiv machen.

„Alles, was sich nicht rechnet, fällt über kurz oder lang hinten runter“, ist er überzeugt. E-Mobilität, Photovoltaik und andere Energiespar-Techniken würden sich hingegen rechnen, insbesondere, wenn man sie kombiniert. „Wenn jeder verstehen würde, wie gut das funktioniert, würde das auch jeder machen.“

Hintergrund

Zuschüsse und niedrigere Kosten machen E-Autos für Firmen interessant, aber auch Mitarbeiter profitieren. So wird die private Nutzung von Firmenwagen bei E- und Hybrid-Modellen geringer versteuert. Und der Ladestrom beim Arbeitgeber ist bis 2030 von der Einkommenssteuer befreit.

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